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: Der Kampf um Radio 105: Die entscheidenden Stunden

Am Dienstag entscheidet sich, wer den Bieterkampf um Radio 105 gewinnt. Dazu von mir – einem Direktbeteiligten – eine Präsentation der aktuellen Situation. 1.   Der Konkursverwalter wird sich für das höchste Angebot entscheiden, ohne Rücksicht auf medienpolitische Kriterien. Dies ist ohne Präzedenzfall in der Radiogeschichte. Dabei zählt nicht allein der höchste Geldbetrag. Entscheidend ist auch, dass auf glaubwürdige Art dargelegt werden kann, dass für einen Grossteil der bisherigen Mannschaft glaubhafte Angebote bestehen. 2.   Das bisher höchste Angebot habe ich präsentiert. Nach Eingang aller anderen Angebote kann ich deshalb als Einziger mein Angebot nachbessern, ohne zu wissen, wie hoch das höchste vorliegende Angebot ist. 3.   Ringier (resp. Energy) will sich erklärtermassen diesen Deal sichern, weil man damit rechnet, endlich die Nummer 1 in Zürich zu werden, wie Energy-Chef Dani Büchi in der „Schweiz am Sonntag“ erstmals eingesteht. Dafür notwendig aber ist, dass der Sender nicht, oder nicht in bisheriger Form, weitergeführt werden kann. 4.   Ringier hat offiziell zwei – faktisch drei – Konzessionen, die alle unter der Marke Energy laufen. Erlaubt sind nur zwei. Also kann Energy die 105-Konzession zwar beim Konkursverwalter kaufen, aber dann nicht nutzen. Ziel ist es deshalb, den einzigen Konkurrenten in der Zielgruppe durch ein Höchstangebot auszuschalten, um so zu verhindern, dass ein ernsthafter Bewerber, wie ich, zum Zug kommen könnte. Als dies vor einer Woche in einem Artikel der „Schweiz am Sonntag“ („Totengräber“) dargelegt wurde, führte dies zu bemerkenswerten Irritationen in der Ringier-Chefetage und zu einem mittleren Shitstorm im Internet, der nur deshalb nicht grösser war, weil auch über Lösungsmöglichkeiten durch „Retter“ berichtet wurde. 5.   Ringier will deshalb aber nicht aufgeben und versucht es nun mit einer neuen Taktik. So will man die Konzession erwerben, sie dann aber sofort zu einem tieferen Preis weiterverkaufen, und zwar an eine Firma, die die eigenen Ziele nicht gefährdet, weil sie dazu weder die Mittel noch die Erfahrung hat. 6.   Zurzeit finden gemäss „Schweiz am Sonntag“ Verhandlungen zwischen Ringier und Toasted statt, einer GmbH mit einem Minimalkapital von 20 000 Franken und ohne namhafte Aktivitäten, vor allem nicht im Radiogeschäft. Toasted hat gemäss Wirtschaftsauskunft zwei Mitarbeiter, einen Umsatz unter 500 000 Franken und eine Kreditempfehlung von 6000 Franken. Toasted hat sich zuvor auch für die 105-Konzession beworben, und dabei ein sehr tiefes Angebot eingereicht. Toasted soll nun den Sender unter neuem Namen und mit sehr beschränkten Mitteln betreiben. Damit würde Ringier nicht als Totengräber dastehen, und der Image-Gau wäre vermieden. Radio 105 erzielte übrigens 2013 einen Verlust von 2 Millionen Franken. 7.   Das Bakom hat direkt nach dem Konkurs von Radio 105 erklärt, dass man eine „nachhaltige Lösung“ durch einen „leistungsfähigen“ Betreiber will, der den „Service Public“ sofort aufnehmen könne. Toasted, der potentielle Käufer der von Ringier erworbenen Konzession, erfüllt diese Anforderungen unter keinem Titel. Aber da das Bakom erst in zwei, drei Monaten über die Konzessionsübertragung entscheiden würde, muss dies Ringier nicht kratzen, weil der Sender bis dann längst heruntergewirtschaftet und man selbst längst aus dem Schneider wäre. Dazu Büchi von Energy in der „Schweiz am Sonntag“ für einmal glasklar: „Werde die Konzession zurückgegeben, sei das für Energy sogar besser.“ 8.   Ringier will nach eigenen Angaben mit der erworbenen Marke 105 auf DAB+ ein „Jugendradio“ starten, so als ob sein eigenes Radio Energy mit seinem Grossevent „Energy Stars for Free“ ein Radio für ältere Generationen wäre. Offenbar traut man sich – wie im Fall von Energy – nicht zu, eine eigene Marke zu gründen und zum Erfolg zu bringen. Alle Fachleute bestätigen nun aber, dass ein reines DAB-Radio noch für mehrere Jahre nicht erfolgreich betrieben werden kann. Also ist diese Strategie ökonomisch nicht vertretbar. Aber Ringier würde sie aus den oben erwähnten Gründen wählen. Zudem könnte Ringier – wenn man wirklich nur an der Marke 105 interessiert wäre – dies von den italienischen Lizenzgebern erwerben. Der laufende Vertrag endet im Dezember 2014. Selbst mit einem höheren Angebot käme man noch viel billiger weg, als durch den teuren Kauf der Konzession, der jetzt geplant ist, und mit dem das im Hörermarkt erfolgreiche Radio 105 zielgerichtet eliminiert werden soll. 9. Radio ist ein wichtiger Teil der von Ringier-CEO Marc Walder verkündeten Entertainment-Strategie. Es ist geplant, nach der geglückten Expansion in Basel mit einer dritten Energy-Filiale, die nur dank der Mithilfe eines finanziell sehr potenten Partners, der als  Hauptaktionär auftritt, möglich wurde, weitere Sender in der Ostschweiz und in der Innerschweiz zu übernehmen, um sie dann in zusätzliche Energy-Filialen umzuwandeln, obwohl dies dem Geist und Sinn der bundesrätlichen Medienpolitik diametral widerspricht. Der Kampf um die Vormachtstellung in Zürich wird deshalb mit allen Mitteln ausgefochten, weil dies die Dominanz im gesamten Privatradiomarkt weiter stärken würde. 10. Die gesamte Moderationsmannschaft – also die DNA von 105 – hat bei mir Arbeitsverträge unterschrieben, weil dies für sie die einzige glaubhafte Fortführung ihres Radios garantiert, wie Moderationsleiter Jan Müller heute in der „Sonntagszeitung“ erklärt. Man will als Team zusammenbleiben, und dies wäre allein mit dieser Lösung garantiert. Dies sei auch im Sinne der über 100 000 täglichen Hörer, die ihr geliebtes Radio zurückhaben wollen. Dies die Fakten und Erläuterungen aus meiner Sicht, die ich bestmöglich belegt habe. Und nun kommen die entscheidenden letzten Stunden.
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