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Kraftvoll und mutig

Pierre Rothschild

Eines muss man Peter Wanner lassen: Was keinem Schweizer Verleger geglückt ist, hat er geschafft – eine nationale TV-Sendergruppe, die breit aufgestellt ist. Während man noch vor Jahrzehnten eine bundesrätliche Zitterpartie für eine Konzession über sich ergehen lassen musste, ist es jetzt einfach geworden, in die Kabelnetze zu kommen. Mit Kraft und Mut hat Wanners Verlagshaus davon profitiert und sich national und regional gut aufgestellt.

Das Team der 3-Plus-Sendergruppe (3+, 4+, 5+, 6+) und das Team von TV24, TV25 und S1 werden zusammengeführt, und die zentralen Funktionsbereiche Verkauf, Marketing und Technik werden in die Organisationsstruktur des Geschäftsbereichs TV, Radio & Filmvertrieb integriert. Das Finanz- und HR-Team wird in die Konzernstrukturen überführt (persoenlich.com berichtete). Dass es Kündigungen gibt, ist nie schön.

Wenn das Wort «Synergie» auch oft ein Papiertiger ist, hier kann es viel bringen. Und bei Einkauf der Serien- und Filmrechte, die natürlich für die ganze Gruppe getätigt werden, kann man optimal planen und programmieren. Und auch mehr zahlen als die SRG, die in diesem Bereich kleinlich ist, weil es kaum eine Konkurrenz gab.

Noch ist die Sendegruppe in den Bereichen Sport mit kleinem Budget unterwegs. Aber das muss nicht so bleiben. Schon manche kleine TV-Sender haben auf die Sportkarte gesetzt, für Rechte Millionen bezahlt und waren dann in der Liga der grossen Konkurrenten.

So gesehen kann Wanners Mut, im TV-Markt – nach dem Erwerb der Sender von Dominik Kaiser – mit Kraft aufzutreten, eine gute Zukunft haben. Die Sender sind da, jetzt fehlen noch weitere Highlights, die nur mit dem Check-Buch zu haben sind. Doch Beispiele im Ausland haben gezeigt, dass bei solchen Investitionen das Geld schnell zurückkommen kann. Ein Beweis, dass es sich lohnt, kräftig in Sendungen zu investieren, ist auch der Sendestart von «The Voice» vor wenigen Tagen. In der werberelevanten Zielgruppe erreichte man einen Marktanteil von 23,4 Prozent – das ist bestes Leutschenbach-Niveau.

In einer Zeit, wo sich viele Verlage von klassischen Inhalten abwenden, verdient Peter Wanner sicherlich Anerkennung. Einfach macht er es sich nicht, doch die Resultate können in wenigen Jahren verblüffen.



Pierre Rothschild ist freier Medienunternehmer in Zürich in den Bereichen Filmproduktion und Presse.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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Kommentare

  • Raphael Weber, 02.02.2020 19:22 Uhr
    Und was hat der Zuschauer davon? Einheitsbrei, Mediashop und Wiederholungen agogo. Es hat nichts mit Mut zu tun, wenn man die Konkurrenz kauft. Ebenso wenig wenn man das Programm inhaltlich zusammen streicht. Nun läuft der Zürcher Talktäglich auch in Luzern, Bern und Aarau bald wohl auch in St. Gallen. 10 Jahre nach der der Entwannerisierung ist Tele1 wieder unter dem alten Dach. Auch Radio32 ist wieder integriert und niemand gewährt Einhalt! Wenn schon überall das selbe läuft dann bitte auch richtig fusionieren und den Sendeplatz räumen es braucht nicht 13 Programmplätze für 5Regional und 8 DCH TV Sender sowie 8 Radio Sender, welche 1:1 Inhalte wie bei den Mantelzeitungen teilen. Vermutlich in 2 Jahren gehört MySports und deren 10 Sender auch noch dazu. Keine Konkurrenz macht faul, kein Wunder schaut man in der Schweiz primär jene Sender aus dem Ausland.

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