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Pink trägt Trauer

Matthias Ackeret

Dass die abtretende Bundesrätin Leuthard viele Qualitäten hat, ist bekannt. Dass Vorhersehung dazu gehört, wusste man bislang nicht; obwohl es für eine C-Politikerin eigentlich zur Kernkompetenz gehört. Vor anderthalb Wochen erklärte die Medienministerin, für wie überflüssig sie Gratiszeitungen halte; nicht einmal eine Woche später verkündete Ringier das Ende des «Blick am Abend». Aus verlegerischer Sicht mag dies stimmen, das Blatt hob in den vergangenen zehn Jahren niemals richtig ab, für die Medienlandschaft hingegen ist es ein Verlust: Keine andere Zeitung zelebrierte so lustvoll die Leichtigkeit des Seins. Und dies in einem knalligen Pink.

Die Schliessung des Ringier-Titels ist nur der letzte traurige Höhepunkt eines krisengeschüttelten Medienjahres, in welchem «L'Hebdo» und «Le Matin» ihren Betrieb einstellten, die Publicitas pleite ging, CH Media Entlassungen ankündigte und die altehrwürdige SDA einen mehrtägigen Streik durchführte. Unsere Welt, so wie wir sie seit Gutenberg kennen, ist völlig aus den Fugen geraten. Nur im Leutschenbach ist dies noch nicht richtig durchgedrungen. Seit Wochen versetzt das Zitat der frischgekürten neuen Direktorin Nathalie Wappler, wonach ihr Sender «keinen Meinungsjournalismus» machen muss, die SRG in Ausnahmezustand. Der definitive Beweis, dass Frau Wapplers Aussage bereits jetzt in den Kanon der unsterblichen Worte gehört und man auf der Titanic lieber über das Menü streitet als Eisberge beobachtet.

Angesichts der gewaltigen medialen Umwälzungen wirken aber solche Diskussionen wie ein Relikt aus einer Zeit, als unsere Medienhäuser noch Weltmächte waren. Das ist zwar definitiv Nostalgie, wirkt aber heimelig. Und das tut gut in der Weihnachtszeit.

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