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Von Kevin, Noah und Ali

Christian Beck

Der kleine Kevin hat schlecht über Ali gesprochen. Noah findet dies ungerecht und zieht Kevin die Sändelischaufel über den Kopf. Kevin will nun nicht mehr mit Noah spielen.

Kevin steht für SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi und Noah für «Arena»-Moderator Sandro Brotz. Aeschi sagte in der Nationalratsdebatte, dass «Nigerianer oder Iraker mit ukrainischen Pässen Ukrainerinnen vergewaltigen». Brotz verurteilte diese Äusserung in der Sendung vom letzten Freitag als rassistisch (persoenlich.com berichtete).

Am Dienstagabend folgte von der SVP ein offener Brief an die SRG-Geschäftsleitung: «Nach der groben Entgleisung von Moderator Sandro Brotz in der letzten ‹Arena›-Sendung hat die SVP entschieden, bis auf Weiteres auf eine Teilnahme an der Polit-Sendung des Fernsehens SRF zu verzichten.»

Boykott als Antwort? Es scheint derzeit in Mode zu sein. Bereits vor der umstrittenen «Arena» meldete sich die Grünen-Fraktionspräsidentin Aline Trede zu Wort. Sie werde nicht an der Sendung teilnehmen – weil Aeschis Aussagen thematisiert werden sollen. «Unsere freiheitliche und demokratische Gesellschaft darf Rassismus keine Plattform geben», schrieb sie auf Twitter.

Ist Gesprächsverweigerung der richtige Weg? Zurück zu Kevin. Wenn er der Meinung gewesen wäre, Noah hätte überreagiert, hätte er zu seiner Aufsichtsperson gehen können. Diese hätte beide Streithähne angehört und dann vielleicht eine Seite – oder gar beide – getadelt. Und Kevin würde kurz danach wieder mit Noah Sandburgen bauen. Vielleicht sogar zusammen mit Ali.

Oder in anderen Worten: Wer mit der «Arena» nicht zufrieden ist, beschwert sich bei den Ombudsleuten. Der nächste Schritt wäre dann allenfalls noch die Unabhängige Beschwerdeinstanz (UBI). Das wäre der einzig korrekte Weg gewesen.

Alles andere ist Kindergarten.



Christian Beck ist Redaktor von persoenlich.com.

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Kommentare

  • Victor Brunner, 23.03.2022 09:53 Uhr
    ARENA, das Format aus dem letzten Jahrundert, 1993, taugt nicht mehr. Die Perteienlandschaft ist vielfältiger geworden, die politische Auseinandersetzung auf tieferem Niveau, die immer gleichen LangeweilerInnen bei denen man von weiss was sie sagen. Ein Moderator der an Selbstverliebtheit nicht zu übertreffen ist. Schluss mit ARENA, die gut dotierten Leute im Leutschenbach sollen über die Bücher gehen.Ein neues taugliches Format ausarbeiten, oder sich von der politischen Diskussion verabschieden. Geht auch in Raten, wie beim Fussball oder Eishockey wo SRF als Leader kläglich versagt!
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