13.06.2017

Data Analytics

Bessere Daten, weniger Friedhöfe

Viele Firmen setzen im Rahmen der digitalen Transformation auf Big Data. Nur: Die Daten sind nichts wert, wenn diese von schlechter Qualität sind, sagte der Datenwissenschaftler Diego Kuonen an einem Vortrag in Zürich. Sein Tipp: Fachwissen selber aufbauen.
Data Analytics: Bessere Daten, weniger Friedhöfe
Datenwissenschaftler Diego Kuonen: «Zuerst braucht es eine Idee und erst dann die Datenanalyse.» (Bild: Christian Beck)
von Christian Beck

Big Data, Internet of Things und die Digitalisierung sind heiss diskutierte Themen in der Schweizer Wirtschaft. Daten sind jedoch nur die erste Welle der digitalen Transformation. Analytics, also das Lernen aus diesen Daten, ist die zweite Welle. «Big Data ist der Treibstoff und Analytics der Motor für die digitale Transformation», sagte Datenwissenschaftler Diego Kuonen an einem von Information Builders organisierten Vortrag. Der Begriff Big Data sei bereits Ende der 90er-Jahre entstanden, so Kuonen, CEO von Statoo Consulting Bern und Professor für Data Science an der Universität Genf. «Mittlerweile ist Big Data eine Religion.»

Kuonen appellierte am Dienstag im Fifa-Museum in Zürich vor allem an die Datenqualität. «Was bringt es, alle Daten zu speichern, wenn die Daten nicht gut sind?», fragte er die rund 50 Anwesenden. Man müsse Daten so speichern, dass diese am Schluss des Tages einen Mehrwert generieren. Die Realität sähe heute in vielen Unternehmen aber anders aus. «Als Berater sehe ich leider in vielen Firmen, dass eigentliche Datenfriedhöfe erstellt werden», so der gebürtige Zermatter. Es gebe weltweit keinen Algorithmus, der aus schlechten Daten Wichtiges herausfiltern könne.

Einen Schritt zurückgehen

Der Professor, der übrigens laut einem am Freitag veröffentlichten Ranking weltweit zu den Einflussreichsten in Sachen Big Data gehört, empfahl den sogenannten «Top-Down-Ansatz». Das heisst: Man soll einen Schritt zurückgehen und überlegen, wie man qualitativ bessere Daten anlegen könne. «Die Datenqualität ist der Schlüssel zum Erfolg.»

Und, das dürfte den Betroffenen vermutlich sauer aufstossen: «Engagieren sie keine externen Beratungsfirmen.» Gerade solche Beratungsfirmen würden oft Big Data hypen und empfehlen, Daten von möglichst vielen Kunden anzuhäufen. «Dann wird Attribut für Attribut angeschaut. Dabei wird aber häufig vergessen, dass diese Attribute auch zusammenhängen», gibt Kuonen zu bedenken. Sein Tipp: Unternehmen sollen das Fachwissen selber im Haus aufbauen. «Nicht mit einer Einzelperson, die dann am Ende vielleicht zwar gut ist, aber nicht kommunizieren kann, sondern mit einem Team.»

Und schliesslich brauche es eine Strategie, die mit dem eigentlichen Geschäftsmodell verzahnt sei. «Die CEOs von heute müssen die Lücke schliessen zwischen der IT und dem eigentlichen Kerngeschäft der Firma», sagte Kuonen weiter. Heute laufe das oft noch parallel.

Der Statistiker wagte einen Ausblick, wie Data Analytics künftig vonstattengehen wird. «Heute laufen alle Daten in einen Topf und dann wird analysiert.» Künftig werde die Analyse schon dort gemacht, wo die Daten entstehen. So würden zum Beispiel nur noch Daten gespeichert, die sich auch wirklich verändert haben. Damit aus grossen Daten auch wertvolle Daten werden.



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