27.08.2019

IGEM-Digimonitor 2019

Facebook bricht bei jungen Schweizern ein

Der Streamingdienst Spotify ist die am stärksten wachsende digitale Plattform, gefolgt von Netflix. Trotz allem: TV, Radio und Kino erreichen weiterhin die breiten Massen. Das zeigt die Studie der Interessengemeinschaft elektronische Medien und der Wemf.
IGEM-Digimonitor 2019: Facebook bricht bei jungen Schweizern ein
Die jungen Schweizer wenden sich von Facebook ab. Spotify wächst am stärksten. (Bild: Pixapay)

Die jungen Schweizer zwischen 15 und 24 Jahren kehren Facebook den Rücken zu. Nutzten 2014 noch 82 Prozent der Jungen mindestens gelegentlich Facebook, tun dies 2019 nur noch 36 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie Digimonitor der Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) und der Wemf AG für Werbemedienforschung.

Grafik4_Entwicklung_Social Media_Streaming_Junge15-24Jahre


Dafür wächst der Musik-Streamingdienste Spotify stark. Innert Jahresfrist hat Spotify 325'000 neue User hinzugewonnen. 1,6 Millionen Personen hören nun mindestens gelegentlich Musik über Spotify, was einem Viertel der Gesamtbevölkerung entspricht, wie es in einer Mitteilung vom Dienstag heisst.

Bei den Jüngeren zwischen 15 bis 24 Jahren ist der Anteil der Spotify- und Netflix-User mehr als doppelt so gross: Rund 60 Prozent der jungen Schweizer hören ab und zu Musik auf Spotify oder schauen Netflix. Spotify wird intensiver genutzt als Netflix: Jeder sechste Schweizer ab 15 Jahren hört täglich Spotify. Aber nur jeder Zehnte schaltet täglich Netflix ein.

2015 schauten nur 5 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren ab und zu Netflix. 2019 tut dies nun bereits mehr als jeder Vierte (28 Prozent). Das Wachstum von Netflix hat sich aber deutlich abgeschwächt. Netflix hat jetzt knapp 1,8 Millionen Nutzer in der Schweiz. Das Netflix-Abo muss man sich leisten können: Mit steigendem Einkommen nimmt die Nutzung von Netflix zu.

Tik Tok ist die jüngste Plattform

Instagram wächst weiter. 27 Prozent der Bevölkerung sind gelegentlich auf Instagram. Instagram ist vor allem bei den Jungen beliebt: 80 Prozent der 15- bis 24-Jährigen nutzen Instagram, die Mehrheit davon sogar mehrmals täglich. Das Durchschnittsalter der Instagram-User liegt bei 32 Jahren. Deutlich jünger sind nur noch die Nutzer von Snapchat und Twitch mit rund 25 Jahren. Am jüngsten sind die Nutzer des chinesischen Videoportals Tik Tok: Diese sind noch keine 16 Jahre alt. E-Sports auf der zu Amazon gehörenden Gaming-Plattform Twitch ist praktisch ein reines Männerthema: Knapp 90 Prozent der 260'000 Nutzer sind männlich.

Grafik3_Positionierung_Medien_Plattformen_Frauen vs. Männer


Auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und den Karriereplattformen LinkedIn und Xing sind Frauen deutlich weniger präsent als Männer. Dagegen hat Pinterest fast nur Nutzerinnen. Von den 1,1 Millionen gelegentlichen Nutzern auf Pinterest sind über 800'000 Frauen.

TV, Radio und Kino weiterhin breit genutzt

Trotz der vielen neuen digitalen Angebote bleiben Fernsehen, Radio und Kino in der Schweiz beliebt, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Mit 5,6 Millionen Hörern überragt Radio die 1,6 Millionen Spotify-Nutzer bei weitem. Auch jüngere Personen hören noch weit verbreitet Radio. Mehr als Dreiviertel der Personen unter 25 Jahren hören Radio, nicht ganz die Hälfte sogar täglich.

Grafik1_Nutzung Medien_Plattformen_alle Personen_1


Auch Kinos werden trotz Netflix & Co weiterhin besucht. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung war in den letzten sechs Monaten mindestens einmal im Kino. Noch beliebter ist Kino bei den Jüngeren: Über 80 Prozent der Personen unter 25 Jahren gehen pro Halbjahr mindestens einmal ins Kino, ein Grossteil davon mehrmals.

Die 5,9 Millionen TV-Zuschauer überwiegen die knapp 1,8 Millionen Netflix-Nutzer um mehr als das Dreifache. Auch im Vergleich zu YouTube weist klassisches Fernsehen knapp 1,7 Millionen mehr Zuschauer auf. Mit 94 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren schaut die breite Masse fern. Zwei Drittel der Schweizer schalten an einem Durchschnittstag den Fernseher ein. Auch bei den 15- bis 24-Jährigen schauen fast 40 Prozent täglich fern. Dank Smartphone und Computer wird Fernsehen auch vermehrt unterwegs und mobil geschaut. Der Grossteil der TV-Nutzung erfolgt aber immer noch zuhause vor dem klassischen TV-Gerät mit grossem Bildschirm. Gerade für die jüngeren Schweizer ist Fernsehen ein «soziales Medium» und wird überdurchschnittlich oft zu Besuch bei Freunden, Bekannten oder Verwandten geschaut. Das klassische TV-Gerät bleibt denn auch in allen Altersgruppen mit deutlichem Abstand das beliebteste Gerät, um fernzusehen.

Grosse Nutzerbasis für Libra

Trotz dem Rückgang bei Facebook ist die Nutzerbasis für die Einführung der geplanten Digitalwährung Libra gross. Der Konzern von Mark Zuckerberg erreicht mit seinen Diensten Facebook, Instagram und WhatsApp 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren.

Bei den unter 40-Jährigen nutzen gar fast alle (95 Prozent) mindestens eine Plattform aus dem Facebook-Universum. Der Nachrichtendienst WhatsApp macht den grössten Anteil aus. Nur schon WhatsApp nutzen mehr als Dreiviertel der Bevölkerung (77 Prozent). Instagram und Facebook bringen dem Facebook-Konzern kaum zusätzliche Reichweite.

Smart Speaker werden noch kaum genutzt

Sprachgesteuerte Lautsprecher wie Amazon Echo, Google Home oder Apple HomePod sind zwar den Schweizern bekannt: Knapp 40 Prozent wissen, was solche Smart Speaker sind. Wirklich nutzen tut das aber nur eine absolute Minderheit. Weniger als 3 Prozent der Bevölkerung sprechen wenigstens gelegentlich mit einem Smart Speaker. Das entspricht nicht einmal 170'000 Personen.

Grafik2_Nutzung elektronische Geräte_alle Personen


Die Studie Digimonitor erhebt seit 2014 jährlich die Nutzung von elektronischen Medien und Geräten in der Schweiz. Die Daten sind repräsentativ für die gesamte Bevölkerung in der Deutsch- und Westschweiz ab 15 Jahren, weil auch Offliner und Personen ohne Festnetzanschluss befragt werden. Im Auftrag der Interessengemeinschaft elektronische Medien IGEM und der Wemf befragte das Link Institut 2019 telefonisch 1786 Personen, davon 1034 in der Deutschschweiz und 752 in der Romandie. Die Fehlerquote liegt bei 2,3 Prozent. (pd/cbe)

 



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