08.08.2012

Internet

Spammer verdienen weltweit nur 160 Millionen

Der Schaden für Allgemeinheit ist 100 Mal grösser.

Zwei IT-Experten von Microsoft und Google stellen in einer gemeinsamen Studie fest, dass das Versenden von Spam-Mails nicht so profitabel ist, wie von Experten bisher angenommen wurde. Die Forscher Justin Rao und David Reiley schätzen den weltweiten Schaden durch Spam auf über 16 Milliarden Euro - der Ertrag beläuft sich lediglich auf 160 Millionen Euro.

Im Bericht, der im "Journal of Economic Perspectives" veröffentlicht wurde, beziffern die Wissenschaftler das Kosten-Nutzen-Verhältnis mit 100:1. "Die Spammer belasten die Gesellschaft schwer, haben aber nur einen relativ geringen Nutzen. Das ist eine suboptimale Situation." Rao und Reiley vergleichen in der Studie den negativen Einfluss von Spam mit den Folgekosten der individuellen Mobilität: "Autofahrer verursachen Smog und erhöhen damit die Kosten für das Gesundheitssystem. Bei Spam ist der Schaden für die Allgemeinheit im Vergleich aber viel grösser", so die Forscher.

"Die Folgekosten von Spam sind sehr hoch, denn der Schaden endet nicht mit dem Kreditkartenbetrug. Wir stellen fest, dass das Spam-Aufkommen in den letzten Monaten stark angestiegen ist - offenbar lohnt es sich noch", sagt Sascha Krieger vom Berliner Spezialisten für E-Mail-Security eleven im pressetext-Interview. Die Spammer sind laut dem IT-Experten in den vergangenen Jahren erfindungsreicher und geschickter geworden: "Die Gestaltung der Spam-Mails wird immer professioneller."

Das Versenden von Spam ist so kostengünstig, dass es sich schon lohnt, wenn nur einer von 25.000 Empfängern auf die Internet-Betrüger hereinfällt. Rao und Reiley empfehlen neue Maßnahmen gegen Spam zu setzten: "Wenn die Kosten für Spammer steigen, rechnet es sich wirtschaftlich einfach nicht mehr." Sie treten für den Einsatz von modernen Anti-Spam-Technologien und rechtliche Verfolgungen von Internet-Betrügern ein. "Solange das Versenden von einer Mio. Spam-Mails zwischen 20 und 50 Dollar kostet, wird sich nichts ändern", so die Forscher.

Deutschland drittgrösste Spam-Schleuder

eleven hat heute seinen monatlichen E-Mail-Security-Report veröffentlicht. Laut dem Bericht verzeichnete man in den Monaten Juni und Juli 2012 das höchste Spam-Wachstum seit 2010. Seit April 2012 stieg das Spam-Aufkommen um 115 Prozent. Einem Anstieg um 56,6 Prozent im Juni folgte im Juli ein Wachstum um 56,4 Prozent.

Einen nicht unwesentlichen Anteil hatte Deutschland, das in der Liste der grössten Spam-Versender weltweit den dritten Platz belegte. Im Juli kamen acht Prozent aller Spam-Mails von deutschen Rechnern. Fortgesetzt hat sich auch das Wachstum verseuchter E-Mails - ihr Volumen stieg im Juli um 54,3 Prozent. (pte)


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