27.07.2022

Neighbours

Kult-TV-Serie endet nach 37 Jahren

Am Freitag strahlt der Sender Channel 5 die letzte Folge der australischen Soap aus. Die Briten sind betrübt.

Als Kylie Minogue und Jason Donovan heirateten, schauten fast 20 Millionen Menschen in Grossbritannien zu. Die Hochzeit der beiden Popstars fand 1988 zwar nur in der Welt der TV-Serie «Neighbours» statt. Doch das gewaltige Interesse belegt, wie beliebt die australische Show im Vereinigten Königreich ist.


An diesem Freitag strahlt der Sender Channel 5 die letzte Folge der Soap aus – nicht nur für die britische Fernsehlandschaft ist das Aus nach 37 Jahren ein einschneidender Augenblick. «Holt die Taschentücher raus», schrieb die Gratiszeitung Metro und zeigte sich betrübt: «Wir sind noch gar nicht bereit dafür.»

Ginge es nach Schauspielern und Publikum, würde «Neighbours» wohl noch lange weiter laufen. Doch Channel 5 führt die Serie um die Bewohner der Ramsay Street in einem fiktiven Vorort von Melbourne wegen fehlender Finanzen nicht weiter. Kein anderer Sender hatte Interesse an einer Fortsetzung, obwohl Zehntausende in Petitionen und sozialen Medien für ihre Lieblinge warben. «Neighbours»-Urgestein Stefan Dennis macht die sich schnell ändernde Fernsehlandschaft für das Aus verantwortlich. «Das Drama im frei empfangbaren Fernsehen stirbt einen schnellen Tod, weil die Zuschauer heute daran gewöhnt sind, sehen zu können, was sie wollen, wann sie wollen», sagte er.

Dabei ist «Nachbarn» – unter diesem Namen zeigte Sat.1 die Serie zwischen 1989 und 1993 in Deutschland – für viele Briten längst mehr als eine Serie, sondern ein Lebensgefühl, das auch gesellschaftliche Veränderungen auf der Insel mit sich brachte. Der erdachte Ort Erinsborough in der Nähe von Melbourne «war die Art von Umgebung, in der das Publikum im grauen Grossbritannien leben wollte: Es war warm und freundlich und viel zugänglicher als die Umgebung vieler amerikanischen Seifenopern», stellte die Zeitung Guardian fest. «So wurde aus dem fiktiven Vorort ein neues Ideal, die Heimat des entspannten, englischsprachigen Spasses in der Sonne.»

Bunte Klamotten und frische Frisuren, grosszügige Küchen und lockerer Slang hielten nach dem britischen «Neighbours»-Start 1986 Einzug. Heute kürzen auch Briten die Universität als «Uni» ab, wie es damals die Australier taten. Auch die Sehgewohnheiten änderten sich: Wurden beliebte Serien bis dahin nur zwei Mal die Woche gezeigt, kam «Neighbours» fünf Mal daher – britische Wettbewerber wie «Coronation Street» mussten sich anpassen. Die Erzählweise war ebenfalls neu.

«Glaubwürdigkeit war keine Grenze für die Handlungsstränge», kommentierte der Guardian. Affären, Trauer, Katastrophen: Alles war möglich in Erinsborough. Hauptfigur Harold Bishop wurde auf die See hinaus gespült, nur um fünf Jahre später mit Amnesie zurückzukehren.

In Erinnerung bleiben wird die Seifenoper mit knapp 9000 Folgen aber vor allem für ihre prominenten Darsteller. Nicht nur für Kylie Minogue und Jason Donovan – als Charlene Mitchell und Scott Robinson – war die Show der Start einer Weltkarriere als Sänger. Auch Guy Pearce, Russell Crowe und Natalie Imbruglia traten zuerst in der Ramsay Street auf. Zur letzten Folge kehren viele von ihnen zurück.

Minogue und Donovan, die in einem Trailer knapp 35 Jahre nach ihrem Abschied Arm in Arm zu sehen sind, treten ebenso nochmal auf wie Pearce, die Oscar-nominierte Schauspielerin Margot Robbie, die von 2008 bis 2011 mitspielte, oder Musikerin Natalie Bassingthwaite.

«Ich werde für die Erfahrung und die Freunde, die ich bei ‹Neighbours› gefunden habe, für immer dankbar sein», twitterte Minogue kurz nach der Ankündigung vom Serien-Aus. «Wir hatten keine Ahnung, dass die Show so berühmt werden würde und wie leidenschaftlich die Zuschauer sie sich zu Herzen nehmen würden. Pure love!» Die Atmosphäre im Team schien stets zu stimmen, getreu des berühmten Titelsongs «Jeder braucht gute Nachbarn».


In der letzten Folge feiern auch die Bewohner der wohl berühmtesten Sackgasse der Fernsehgeschichte Abschied. «Es fühlt sich eindeutig wie das Ende einer Ära an», sagt Filmfigur Harold Bishop (Ian Smith) in der Vorschau. «Es passiert alles so schnell.» (sda/dpa/cbe)

Von Benedikt von Imhoff, DPA



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