18.06.2021

Cannes Lions 2021

«Eine Ausbeute wie 2019 würde mich freuen»

Am Montag startet die Werbe-Weltmeisterschaft – ab Samstag werden täglich Shortlists veröffentlicht. Christof Kaufmann, CEO von Schweiz-Repräsentant Weischer.Cinema, über Juryplätze, die Vorfreude auf 2022 und die staatliche Schliessung der Kinos.
Cannes Lions 2021: «Eine Ausbeute wie 2019 würde mich freuen»
«Sollten sich keine Rückschläge in den Sommermonaten abzeichnen, erwarten die Kinobesucher ab diesem Sommer bis tief ins 2022 fantastische Filme», so Christof Kaufmann, CEO von Weischer.Cinema. (Bild: zVg)
von Christian Beck

Herr Kaufmann, nächste Woche werden nach einem Jahr Pause wieder Löwen vergeben. Wie gross ist die Freude?
Nun. Die Freude wäre bestimmt grösser, wenn wir uns mit der Schweizer Delegation und unseren Gästen in Cannes austauschen könnten. Demnach ist die Vorfreude auf 2022 bereits sehr gross.

2020 fand gar kein Festival statt. In diesem Jahr wird es in rein digitaler Form durchgeführt, also auch ohne Swiss BBQ. Konnten Sie also Geld sparen?
Es ist richtig, auch das Swiss BBQ findet 2021 nicht statt, und demnach fallen da auch keine Kosten an. Doch, so hoffen wir, sind wir 2022 mit dem Swiss BBQ in Cannes zurück.

Die Schweiz stellt dem Wettbewerb stolze sechs Jury-Mitglieder. Es sind dies jene Personen, die bereits letztes Jahr schon zur Verfügung gestanden wären (persoenlich.com berichtete). Aber wieso so viele?
Der Sachverhalt ist folgender: Ein Grossteil der Jurymitglieder wird nach Länderquoten von den Festivalorganisatoren ermittelt. Ergänzend hierzu gibt es noch Jurymitglieder, welche länderunabhängig ausgewählt werden. Aufgrund der Performance der Schweiz in Cannes in den letzten Jahren hätten der Schweiz im Rahmen der Länderquote lediglich drei Shortlist-Juryplätze zugestanden – vertreten durch Lilian Lüthi, Stephen Herold und Oliver Schönfeld.

Und die anderen drei?
Die anderen drei Juryplätze wurden auf Basis der länderunabhängigen Kriterien für die globale Jury ausgewählt, sind also vorrangig durch ihre Rolle, die Branche und Erfahrung in die Jury aufgenommen worden. Sie sind nur zufällig gleichzeitig auch Schweizer, das hat bei der Auswahl dieser drei Juroren allerdings keine Rolle gespielt. Diese Juroren haben somit auch keinem anderen Schweizer Kreativen einen Juryplatz weggenommen. Das ist positiv, da die Schweiz so ihre Vertretung in der Jury verdoppeln konnte. Dies ist aber kein Präjudiz für die Juryselektion 2022 zu sehen.

«Wir erachten es als natürlich, dass sich Kriterien im Laufe der Zeit anpassen»

2017 blieb die Award-Jury ohne Schweizer Beteiligung. Das war ein Novum in der Festivalgeschichte und sorgte für Unmut. Hatten Sie dafür Verständnis?
2017 gab es drei Schweizer Shortlist-Juroren: Isabelle Carvalho (Design Creative Director, Saatchi & Saatchi), Nathalie Diethelm (CEO & Partner, Havas Media) und Axel Eckstein (Executive Creative Director, Leo Burnett). Als Repräsentant sind wir immer sehr bemüht, Juroren aus der Schweiz in der finalen Juryauswahl zu platzieren, am Ende entscheidet hier aber auch das Festival unter Berücksichtigung einer Vielzahl an Kriterien. Ich wiederhole mich hierzu gerne: Die Kriterien für die Juryzuteilung pro Land wurden von der Festivalleitung vor einigen Jahren angepasst und basieren auf den gewonnenen Lions und Eingaben nach Kategorien der Länder. Wir erachten es einerseits als natürlich, dass sich Kriterien im Laufe der Zeit anpassen und andererseits aber auch als nachvollziehbar, wenn dazu Unmut in der Branche aufkommt.

Wie sieht aus es in Sachen Einreichungen bei der diesjährigen Ausgabe? Ein neuer quantitativer Rekord?
Wir gehen von einer ähnlichen Anzahl Einreichung wie 2019 aus.

Nach der Verschiebung der Verleihung im letzten Jahr werden die Jurys die Arbeiten von 2020 und 2021 beurteilen und Preise vergeben, hiess es noch Anfang Jahr. Ist das weiterhin so?
Das ist korrekt. Es werden Arbeiten aus zwei Jahren beurteilt, daher kann es durchaus sein, dass wir einen neuen Einreichungsrekord erleben. Die Festivalorganisatoren haben sich hierzu jedoch noch nicht geäussert.

Dann stehen also die Chancen gut, dass der Schweizer Medaillenspiegel bei der diesjährigen Ausgabe gut aussehen wird …
Generell hoffen wir auf viele Einreichungen, und das jeweils in den unterschiedlichen Kategorien. Und dann kommt es letztlich auf die Qualität der Arbeiten an. Hierzu möchte ich keine Prognose abgeben.

Sie sprechen die Qualität an: Haben Sie einige der eingereichten Arbeiten gesehen?
Ich beobachte Werbung, die mich erreicht. Die eine oder andere Arbeit, so hoffe ich, wurde auch eingereicht.

Sieben Löwen gab es 2019. Ihre Prognose: Wie viele Löwen gibt es nächste Woche für die Schweiz?
Eine Ausbeute wie 2019 würde mich für die Branche sehr freuen.

«Die staatliche Schliessung der Kinos war sehr schwierig»

Während der Coronakrise mussten die Kinos teils ganz schliessen. Welche Auswirkungen hatte dies auf diese Branche?
Die staatliche Schliessung der Kinos war für die Kinobesitzer, die Filmverleiher und uns in den vergangenen Monaten sehr schwierig. Kino gehört zur Kultur- und Eventbranche – und diese hat es bekanntlich am härtesten getroffen. Wir alle haben aber die Zeit genutzt, uns fit für die Zukunft zu machen. Dieser sehen wir sehr zuversichtlich entgegen.

Und welche Folgen hatte die Pandemie auf Weischer.Cinema?
Die Media-Focus-Zahlen lügen nicht. Wir verzeichneten 2020 zum Vorjahr einen Verlust um minus 70 Prozent unserer Einnahmen. Die Kurzarbeitsentschädigung hat uns sehr geholfen, sodass wir aktiv kein Personal abbauen mussten. Eine Härtefallentschädigung wurde uns im Übrigen verwehrt.

Die Zahlen sinken, es wird fleissig geimpft. Wie wird das Jahr 2021 für die Kinobranche?
Sollten sich keine Rückschläge in den Sommermonaten abzeichnen, erwarten die Kinobesucher ab diesem Sommer bis tief ins 2022 fantastische Filme. Wir sind überzeugt und erfahren auch, dass das Kino wieder am Aufleben ist. Auf welchem Niveau wird sich zeigen. Möchten hier aber auch erwähnen, dass unsere Kontaktgarantie – die einmalig in der Schweizer Medienlandschaft ist – für die Werbetreibenden im Kino eine zu 100 Prozent garantierte Absicherung auf die Werbeleistung bietet. Für die Werbeauftraggeber gibt es bei uns, wie bisher, nichts zu verlieren.

Welches Ziel haben Sie sich gesteckt für das laufende Jahr?
Wenn wir unsere ambitionierten Ziele in diesem Jahr erreichen wollen, liegen wir um 50 Prozent unter dem Jahr 2019. Von den Mediaagenturen und deren Werbeauftraggeber haben wir viele aufmunternde Worte hören dürfen und die Zusicherung, uns gerade jetzt vermehrt zu unterstützen. Endlich steht dem Werbemarkt das qualitativste, hochwertigste, glaubwürdigste Medium wieder zur Verfügung. Der aktuelle Offertstand stimmt uns zuversichtlich. Der Werbemarkt kann nun beweisen, dass er an einem vielfältigen, diversen, qualitativen Werbeträger nach wie vor Interesse hat. Mit dem «Allianz Tag des Kinos» am 5. September 2021 und der langersehnten James-Bond-Premiere sowie weiteren Blockbusterfilmen im Herbst wird das Medium Kino so richtig aufleben.

Und wie sieht Ihre Perspektive aus ab 2022?
Mein Ziel wäre es, 75 Prozent der Umsätze aus 2019 zu erwirtschaften.

Und werden wir im kommenden Jahr zusammen wieder anstossen können am Swiss BBQ an der Croisette in Cannes?
Den Mittwochmittag inmitten der Cannes-Woche 2022 empfehle ich, in den Agenden präventiv zu blockieren.



persoenlich.com berichtet in der Woche vom 21. bis 25.
Juni über «Cannes Lions Live». Alle News finden Sie hier.

 



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