04.08.2019

Christa Rigozzi

«Dank der Nähe bin ich bekannt geworden»

Die ehemalige Miss Schweiz Christa Rigozzi ist in den Medien omnipräsent. Somit wurde die charmante Tessinerin zur besten Botschafterin ihres Kantons. Im Interview spricht sie über Politik, Instagram und Krisensituationen.
Christa Rigozzi: «Dank der Nähe bin ich bekannt geworden»
Nach dem Miss-Jahr hat Rigozzi ihr Studium der Kommunikationswissenschaften und Kriminologie abgeschlossen. (Bild: Karine & Oliver)
von Matthias Ackeret

Frau Rigozzi, Sie sind mittlerweile zu einer der bekanntesten und meistfotografierten Frauen der Schweiz aufgestiegen. Ist es eigentlich schwierig, Christa Rigozzi zu sein?
Für mich ist es ganz einfach, Christa Rigozzi zu sein. Ich bin – ob privat oder in der Öffentlichkeit – immer dieselbe Person. Ich muss nie eine Rolle spielen. So wie ich mich vor der Kamera verhalte, bin ich auch gegenüber meiner besten Freundin. Dadurch erspart man sich viele Unannehmlichkeiten.

Aber ist die Versuchung, abzuheben in der Welt, in der Sie leben, und mit den Leuten, mit denen Sie sich umgeben, nicht sehr gross?
Ich glaube nicht, dass dies so eine grosse Kunst ist. Dies ist auch eine Charakterfrage. Auch Roger Federer, den ich einige Male treffen durfte, ist bodenständig geblieben. Aber natürlich hat sich mein Leben verändert, als ich 2006 zur Miss Schweiz erkoren wurde. Plötzlich kannte mich das ganze Land. Alle waren neugierig darauf, wer diese blonde Tessinerin ist. Früher konnte ich überall hingehen und war anonym. Heute werde ich sofort beobachtet, kaum tauche ich irgendwo auf. Daran muss man sich gewöhnen. Doch jetzt, nach dreizehn Jahren, ist es okay. Vielleicht ist dies auch die Kehrseite der Medaille. Doch ich habe meinen Job nie als Stress empfunden: Ich liebe meinen Job, ich liebe die Menschen und bin immer noch überrascht, wen ich dabei treffe. Wenn ich wirklich mal Ruhe brauche, bleibe ich zu Hause.

«Ich hatte schon während meines Studiums ein Faible für die Kommunikation.»

Sie sind vor fünf Jahren zusammen mit Nationalrat Ulrich Giezendanner in der «Arena» aufgetreten und haben für eine zweite Gotthardröhre geworben, die letztendlich vom Volk angenommen wurde. Brauchte es viel Überzeugungsarbeit, an der Sendung teilzunehmen?
Einen Tag vor der Sendung, also am Donnerstag, hat mich der damalige Moderator Jonas Projer angefragt, ob ich bei der «Arena» über die zweite Gotthardröhre teilnehmen möchte. Da ich den Gotthard sehr viel durchquere, kannte ich das Thema sehr gut. Für mich war es eine Premiere, mich politisch zu äussern. Im Vorfeld lästerte SP-Nationalrat Cédric Wermuth über die Einladung in die «Arena». Doch die Sendung verlief äusserst positiv. Was mich echt überraschte, war die Tatsache, dass ich auch sehr viele Anrufe aus Bern bekam, in denen mir gratuliert wurde. Sogar von der damaligen Bundesrätin Doris Leuthard.

Themenwechsel: Sie wurden in Vergangenheit immer wieder für Marketing- und Werbeanlässe gebucht, so für den «Marketeer of the Year» oder für die Preisverleihung des ADC. Woran liegt das?
Ich hatte schon während meines Studiums ein Faible für die Kommunikation. Das lag auch an meinem ehemaligen Professor, Othmar Baeriswyl, der heute als Lobbyist arbeitet und an der Universität Luzern unterrichtet. Sein Spezialgebiet war Krisenkommunikation. Von ihm lernte ich, dass es am besten ist, wenn man sich nach einer Falschmeldung einmal rechtfertigt und dann die Sache ruhen lässt. Ansonsten liefert man immer wieder Stoff für neue Geschichten.

Waren Sie auch einmal in einer Krisensituation?
Selbstverständlich, gerade nach meiner Wahl zur Miss Schweiz wurde ich ins kalte Wasser geworfen (lacht). Ich ging früher mit meinen Eltern immer nach Leukerbad in die Ferien. Als ich einer Zeitung kurz nach der Miss-Schweiz-Wahl davon erzählte, sagte ich, wie «schrecklich» ich das Walliserdeutsch fände. Eigentlich meinte ich «schwierig». Aber die Sache war gelaufen, es gab einen Riesenaufschrei in den Medien: «Christa beleidigt die Walliser», war der Tenor. Anschliessend habe ich mich an Othmar Baeriswyl erinnert, habe mich einmal entschuldigt und kurz erklärt, dass ich das falsche Wort gebraucht hätte, weil ich noch nicht so gut Deutsch sprechen würde. Damit war die Sache gegessen, eine Woche später haben mich die Walliser angefragt, ob ich ihre Botschafterin werden wolle. Das war wirklich genial. So war ich nicht nur Tessiner, sondern auch noch Walliser Botschafterin.

«Es war eine Ehre, dass Christa eine Inspiration für einen Starregisseur darstellt.»

Sie selbst sind in den sozialen Medien permanent aktiv. Auf Instagram haben Sie mittlerweile über 42’000 Followerinnen und Follower. Warum machen Sie das?
Ja, das stimmt, ich gebe wirklich sehr viel von mir preis. Dank dieser Nähe bin ich bekannt geworden. Ich möchte alles, was ich beruflich, aber auch mit meiner Familie erlebe, mit meinen Fans teilen. Warum soll ich mich verstecken? Einzige Einschränkung: Ich mache niemals Werbung mit meinen Kindern. Ich versuche auch, alle Anfragen und Kommentare persönlich zu beantworten. Die Leute glauben manchmal gar nicht, dass es Christa selbst ist, die ihnen antwortet. Doch dies ist für mich selbstverständlich: Wer die sozialen Medien benutzt, sollte sozial und nicht asozial sein. Was bedeutet, dass man mit seinen Fans einen Dialog und nicht einen Monolog führt.

Sie haben nun sogar den Durchbruch in die Hochkultur geschafft, als der berühmte Regisseur Christoph Marthaler ungefragt eine Ihrer Interviewaussagen in eines seiner Stücke eingebaut hat.
Das war wirklich eine lustige Geschichte. Ich war in Abu Dhabi, als mich mein Management anrief und erzählte, dass Marthaler eine Textpassage aus einem meiner Interviews eins zu eins übernommen habe. Und dies ohne zu fragen. Der «Tages-Anzeiger» erkundigte sich bei meinem Manager, ob wir nun wegen Verletzung der Urheberrechte klagen wollten. Doch dieser winkte ab, er fand es vielmehr lustig und auch eine Ehre, dass Christa mittlerweile auch schon eine Inspiration für einen Starregisseur darstellt.

Hat sich Christoph Marthaler bei Ihnen entschuldigt?
Ja, er hat sich in einem Zeitungsinterview bedankt, dass wir nicht geklagt hätten. Und hat sich für den Fauxpas entschuldigt. Ich fand die ganze Story genial.



Das ausführliche Interview mit Christa Rigozzi finden Sie in der Juli/August-Ausgabe von «persönlich».



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