10.12.2025

UKW

«Die Bevölkerung wünscht UKW-Grundversorgung»

Nach dem Entscheid des Ständerats zeigt sich der Verband Schweizer Privatradios erleichtert. VSP-Geschäftsleiter Peter Scheurer erklärt im Interview, weshalb die UKW-Verlängerung für die Branche entscheidend ist – und welche Werbeverluste ohne sie gedroht hätten.
UKW: «Die Bevölkerung wünscht UKW-Grundversorgung»
«Der massive Verlust der SRG-Programme nach der UKW-Abschaltung war entscheidend für die Meinungsbildung im Parlament», so Peter Scheurer, Geschäftsleiter des Verbands Schweizer Privatradios. (Bild: zVg)

Der Ständerat hat mit 21 zu 18 Stimmen sehr knapp für die UKW-Verlängerung gestimmt (persoenlich.com berichtete). Waren Sie überrascht von diesem knappen Ergebnis?
Nein, wir haben damit gerechnet und auf ein knappes Ja gehofft. Die letzten Gespräche mit den Politikerinnen und Politikern haben gezeigt, dass Befürworter- und Gegnerschaft praktisch gleichauf lagen.

Wie haben Sie die Debatte im Ständerat erlebt – was waren die entscheidenden Argumente für das Ja?
Die Debatte war geprägt von vielen Zahlen und Argumenten, wild gemischt aus verschiedenen Quellen, mal richtig, mal falsch. Schlussendlich dürfte der massive Verlust der SRG-Programme nach der UKW-Abschaltung entscheidend für die Meinungsbildung gewesen sein – gepaart mit dem Effekt, dass sich die werbefinanzierten Regionalradios solche Einbussen wirtschaftlich nicht leisten können. Oft genannt wurden auch die 1,7 Millionen Autofahrerinnen und Autofahrer mit UKW-Geräten, denen man nicht staatlich verordnet den Radioempfang wegnehmen wollte.

«Da reden wir noch lange nicht von einem Oldtimer»

Die oft genannten 1,7 Millionen Autos ohne UKW-Radio: Sind das nicht einfach Uraltautos, die eh aus dem Verkehr gezogen gehören?
Überhaupt nicht. DAB+ muss erst seit dem Jahr 2020 serienmässig in allen Autos ausgeliefert werden. Es ist durchaus möglich, dass ein Auto aus dem Jahr 2016 noch mit UKW ausgestattet ist – und da reden wir noch lange nicht von einem Oldtimer.

Albert Rösti sagte, UKW sei «kaum mehr relevant» für die Meinungsbildung. Was entgegnen Sie dem Medienminister?
Da würde ich sagen: Bitte schauen Sie nochmals genauer hin. Aber ich bin mir sicher, dass auch dem Medienminister die Hörerverluste von bis zu 49 Prozent bei den SRG-Programmen nicht entgangen sind. Aber als Gegner der UKW-Verlängerung hatte auch er sich ein paar fragwürdige Argumente parat gelegt (lacht).

Laut Generaldirektorin Susanne Wille verlor die SRG seit der UKW-Abschaltung Ende 2024 14 Prozent ihrer Hörer. Hätten Privatradios auch einen solchen Verlust erwarten müssen?
Also zuerst: Die SRG kaschiert mit diesen 14 Prozent den wahren Hörerverlust. Bei diesem Wert sind auch alle Nicht-UKW-Radios wie die Musikwelle oder Virus eingerechnet. Diese Stationen hatten keinen Hörerrückgang und drücken den effektiven Verlust nach unten. Aber zurück zu Ihrer Frage: Wir gingen in der Tat von rund 15 Prozent Hörerverlusten aus – also nicht von minus 27 Prozent wie SRF 3 erleben musste und auch nicht von minus 46 Prozent wie es bei Couleur 3 geschehen ist, sondern von realistischen 15 Prozent.

Die Forschungsstelle Mediapulse teilt bei ihren halbjährlich publizierten Reichweitenmessungen auch nicht zwischen UKW und DAB+ auf. Also machen die 14 Prozent Verlust bezogen auf die SRG-Radios schon Sinn …
Diese Zahl von 14 Prozent ist an sich nicht falsch und widerspiegelt das Total aller SRG-Programme. Aber es macht schlicht keinen Sinn, digitale Programme, die nichts mit UKW zu tun haben, zu inkludieren. Die Privatradios addieren ja auch nicht noch die Hörerzahlen ihrer Webchannels. Es geht hier ja rein um Veränderungen bei den UKW-Programmen.

Die UKW-Infrastruktur bezahlen die Privatsender selbst. Rösti sähe diese Investitionen lieber in der journalistischen Arbeit. Fehlt künftig also Geld in den Redaktionen?
Das ist klar nicht der Fall. Die Privatradios tragen ja heute bereits die Kosten der UKW-Versorgung selbst – parallel zur Finanzierung der Redaktionen. Hingegen hätte ein Abschalten von UKW mit anschliessenden Einbussen bei den Werbeeinnahmen zu einem Stellenabbau geführt.

«Ein Verlust von Reichweite ist gleichbedeutend mit einem Verlust von Werbeeinnahmen»

Sie sprechen in einer Medienmitteilung von «Werbeverlusten in zweistelliger Millionenhöhe», die den Privatradios gedroht hätten. Können Sie das konkretisieren?
Ein Verlust von Reichweite ist gleichbedeutend mit einem Verlust von Werbeeinnahmen, da der Werbetarif auf Basis der Reichweite berechnet wird. Wir haben in unserer Modellrechnung, wie erwähnt, mit einem Hörerrückgang von sehr realistischen 15 Prozent gerechnet. Das heisst, dass auch mit einem Rückgang der Werbeeinnahmen in Höhe von 15 Prozent gerechnet werden muss. Bei einem Gesamtvolumen von rund 100 Millionen Franken Umsatz pro Jahr gehen der Radiobranche 15 Millionen Franken verloren, was schlicht nicht tragbar ist.

Welche Sender wären ohne UKW-Verlängerung konkret in ihrer Existenz bedroht gewesen?
Alle Radios wären zu Sparmassnahmen gezwungen gewesen. Und je nach wirtschaftlicher Situation der einzelnen Radiostation hätte dies ganz unterschiedliche Ausmasse angenommen. Ich denke hier zum Beispiel an eigenständige Privatradiounternehmen, die sich zu 100 Prozent aus Werbung finanzieren, nicht zu einem grösseren Verlag gehören und keinen Abgabeanteil erhalten. Diese Kategorie muss bereits heute einen enormen Effort am Markt leisten.

Laut Ihrem Verband investieren Regionalradios «bereits heute deutlich mehr finanzielle Mittel in DAB+ als in UKW». Weshalb braucht es dann noch UKW?
UKW braucht es noch so lange, bis der Umstieg auf DAB+ für die Regionalradios wirtschaftlich tragbar ist. Die Regionalradios investieren heute rund 12 Millionen Franken jährlich in DAB+ und noch 3,8 Millionen Franken in UKW. Dies zeigt sehr gut, dass sich auch die Privatradios auf dem Weg der Digitalisierung befinden. Die UKW-Kosten sind bereits massiv gesunken, da private Veranstalter einzelne UKW-Sender in ihren Gebieten abgestellt haben – aber im Einklang mit der Bevölkerung, die, wie wir jetzt deutlich gesehen haben, noch eine UKW-Grundversorgung wünscht.

«Noch wissen wir nicht, wie dieses Szenario konkret aussehen wird»

Wann wäre aus Ihrer Sicht der richtige Zeitpunkt für eine UKW-Abschaltung?
Wir haben als Abschaltzeitpunkt das Ende der Konzessionsperiode 2034 vorgeschlagen. Wir sind aber auch damit einverstanden, wenn der Bundesrat, wie bereits angetönt, die UKW-Frequenzen für zehn Jahre neu ausschreibt. Wichtig ist, dass die Privatradios, wie bis anhin, den Ausstiegszeitpunkt aus UKW in diesem Zeitfenster frei wählen können. Wenn die Bevölkerung Radio vermehrt über digitale Kanäle hört, werden die Privatradios nicht erst am letzten Tag abschalten.

Wie geht es nun weiter in Sachen UKW?
Mit dem heutigen politischen Entscheid wurde der Bundesrat beauftragt, die UKW-Versorgung über 2026 hinaus sicherzustellen und die entsprechenden Funkkonzessionen zu verlängern oder neu auszuschreiben. Noch wissen wir nicht, wie dieses Szenario konkret aussehen wird. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir mit einem guten und pragmatischen Vorschlag des Bundesrats rechnen dürfen.


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KOMMENTARE

Max Röthlisberger
12.12.2025 09:47 Uhr
@Christian Hafner. "Vielleicht sollte man da was ändern um wieder Hörer zu gewinnen anstatt der UKW Abschaltung die Hauptschuld zu geben !" Ich persönlich denke die konsequente Zwangsbespassung mit all den Nebengeräuschen ist ein erheblicher Grund, warum Erwachsene Hörer abschalten.
Christian Hafner
11.12.2025 08:52 Uhr
Ist die UKW Abschaltung der SRG wirklich alleine dafür verantwortlich das sie Hörer verloren haben ? Dies msg ein Grund sein aber nicht der Einzige ! Ich bin seit dem Anfang von damals noch DAB dabei bis ich das Radio entsorgen musste und auf DAB + wechselte .Ich war schon immer begeistert vom sauberen , rausschfreien Enofang ,. Was ich schade finde ist die Datenrate mit der übertragen wird , es sind 64 kbit/s , die lokalen Sender senden teilweise mit 72kbit/s. Dies ist viel zu wenig um die Qualität von DAB + voll zu genießen ! Das SWR Ensemble SWR BW S sendet als Beispiel mit 112 kbp/s was ein ganz anderer Hörergenuss auslöst .Zum anderen sind einfach die Privaten und Staatlichen Radioprogramme in ihrer Musikauswahl und Moderation wesentlich auf höheren Niveau als die Sender der SRG Radiosender. Vielleicht sollte man da was ändern um wieder Hörer zu gewinnen anstatt der UKW Abschaltung die Hauptschuld zu geben !
Jean-Pierre Wüthrich
10.12.2025 19:59 Uhr
Sehr guter Bericht: Am 28.12.2008 wurde ja die Mittelwelle (Landessender Beromünster, MW 531) abgestellt. Über Mw 531 war die DRS Musikwelle (heutige SRF Musikwelle) in jedem Autoradio etc. empfangbar. Man musste auf DAB, später DAB+ umstellen. Das verärgerte auch viele Autofahrer. Es war schon lange bekannt, dass UKW einmal angestellt wird. Die Fahrzeughersteller haben es unterlassen, DAB+ serienmässig anzubieten. Bei BMW wurde ab 2014 in der Schweiz auch beim einfachsten Autoradio DAB+ serienmässig eingebaut. Bei Ford war ab Oktober 2015 DAB+ serienmässig drin, ausser beim Ford Ka.
Stefan Widmer
10.12.2025 14:43 Uhr
an Philippe Kessler. Würden sich nur 9% der Hörer UKW wünschen, wäre der Hörerverlust von SRF geringer. Ist er aber nicht. Und ja, die Privatsender haben Reichweite auf UKW, all die DAB+ only Sender haben die geilen Hörerzahlen ja nicht, trotz der 91% Reichweite. Der Dienstleister muss dorthin, wo die Kunden sind. Punkt. Ob das Radio an sich eine Zukunft hat, das ist eine andere Frage. Es muss auch nicht jedes Produkt eine Zukunft haben. Wer weiss, ob es in 20 Jahren in der Migros den "Planted Burger" noch gibt? Und spielt das jetzt eine Rolle? Wenn Radios genug Hörer erreichen, wenn Firmen genug Werbung platzieren, dann rechnet sich im Moment doch alles. Ist doch gut :-)
Silvana Oprandi
10.12.2025 10:41 Uhr
Da das UVEK auch für andere Sachgebiete wie Verkehr, Energie und Kommunikation zuständig ist, könnte man auch hier ein paar Verbote aussprechen: Das Auto ist auch bereits über 100 Jahre alt, also gehört es verboten. Die Eisenbahn ist noch älter und gehört somit auch verboten. Für das noch ältere Fahrrad gibt es auch ein Verbot. Das wohl älteste Massenfrachttransportmittel, das Schiff, muss unbedingt auch verboten. Grundsätzlich muss alles was mit der rund 5000 Jahren alten technik des Rades funktioniert, verboten werden. Auch Wasserkanäle sind uralt also muss man das verbieten, Panamakanal, Suezkanal etc. lassen grüssen. Das Telefon wurde 1860 erfunden, also weg damit. Elektrizität ist auch ein alter Hut, muss man also verbieten. Habe ich etwas vergessen? Ach ja, die grösste Belastung für die Umwelt ist der Mensch und sein Handeln, soll man ihn verbieten? Es gibt noch viel zu tun für die Anhänger der Verbotskultur.
Philipp Kessler
10.12.2025 09:30 Uhr
Der Titel müsste lauten: 9% der Bevölkerung wünscht sich UKW-Grundversorgung. Die erhobenen Marktzahlen kennen wir alle. Ich finde es schon sehr bedenklich, dass nach all diesen teuren Kampagnen und Investitionen, einfach alles bachab geschickt wird. Wenn die Privatsender nur dank der alten UKW-Generation noch genügend Reichweite haben, werden sie in den kommenden Jahren sowieso ein Problem bekommen.
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