Der Ständerat hat mit 21 zu 18 Stimmen sehr knapp für die UKW-Verlängerung gestimmt (persoenlich.com berichtete). Waren Sie überrascht von diesem knappen Ergebnis?
Nein, wir haben damit gerechnet und auf ein knappes Ja gehofft. Die letzten Gespräche mit den Politikerinnen und Politikern haben gezeigt, dass Befürworter- und Gegnerschaft praktisch gleichauf lagen.
Wie haben Sie die Debatte im Ständerat erlebt – was waren die entscheidenden Argumente für das Ja?
Die Debatte war geprägt von vielen Zahlen und Argumenten, wild gemischt aus verschiedenen Quellen, mal richtig, mal falsch. Schlussendlich dürfte der massive Verlust der SRG-Programme nach der UKW-Abschaltung entscheidend für die Meinungsbildung gewesen sein – gepaart mit dem Effekt, dass sich die werbefinanzierten Regionalradios solche Einbussen wirtschaftlich nicht leisten können. Oft genannt wurden auch die 1,7 Millionen Autofahrerinnen und Autofahrer mit UKW-Geräten, denen man nicht staatlich verordnet den Radioempfang wegnehmen wollte.
«Da reden wir noch lange nicht von einem Oldtimer»
Die oft genannten 1,7 Millionen Autos ohne UKW-Radio: Sind das nicht einfach Uraltautos, die eh aus dem Verkehr gezogen gehören?
Überhaupt nicht. DAB+ muss erst seit dem Jahr 2020 serienmässig in allen Autos ausgeliefert werden. Es ist durchaus möglich, dass ein Auto aus dem Jahr 2016 noch mit UKW ausgestattet ist – und da reden wir noch lange nicht von einem Oldtimer.
Albert Rösti sagte, UKW sei «kaum mehr relevant» für die Meinungsbildung. Was entgegnen Sie dem Medienminister?
Da würde ich sagen: Bitte schauen Sie nochmals genauer hin. Aber ich bin mir sicher, dass auch dem Medienminister die Hörerverluste von bis zu 49 Prozent bei den SRG-Programmen nicht entgangen sind. Aber als Gegner der UKW-Verlängerung hatte auch er sich ein paar fragwürdige Argumente parat gelegt (lacht).
Laut Generaldirektorin Susanne Wille verlor die SRG seit der UKW-Abschaltung Ende 2024 14 Prozent ihrer Hörer. Hätten Privatradios auch einen solchen Verlust erwarten müssen?
Also zuerst: Die SRG kaschiert mit diesen 14 Prozent den wahren Hörerverlust. Bei diesem Wert sind auch alle Nicht-UKW-Radios wie die Musikwelle oder Virus eingerechnet. Diese Stationen hatten keinen Hörerrückgang und drücken den effektiven Verlust nach unten. Aber zurück zu Ihrer Frage: Wir gingen in der Tat von rund 15 Prozent Hörerverlusten aus – also nicht von minus 27 Prozent wie SRF 3 erleben musste und auch nicht von minus 46 Prozent wie es bei Couleur 3 geschehen ist, sondern von realistischen 15 Prozent.
Die Forschungsstelle Mediapulse teilt bei ihren halbjährlich publizierten Reichweitenmessungen auch nicht zwischen UKW und DAB+ auf. Also machen die 14 Prozent Verlust bezogen auf die SRG-Radios schon Sinn …
Diese Zahl von 14 Prozent ist an sich nicht falsch und widerspiegelt das Total aller SRG-Programme. Aber es macht schlicht keinen Sinn, digitale Programme, die nichts mit UKW zu tun haben, zu inkludieren. Die Privatradios addieren ja auch nicht noch die Hörerzahlen ihrer Webchannels. Es geht hier ja rein um Veränderungen bei den UKW-Programmen.
Die UKW-Infrastruktur bezahlen die Privatsender selbst. Rösti sähe diese Investitionen lieber in der journalistischen Arbeit. Fehlt künftig also Geld in den Redaktionen?
Das ist klar nicht der Fall. Die Privatradios tragen ja heute bereits die Kosten der UKW-Versorgung selbst – parallel zur Finanzierung der Redaktionen. Hingegen hätte ein Abschalten von UKW mit anschliessenden Einbussen bei den Werbeeinnahmen zu einem Stellenabbau geführt.
«Ein Verlust von Reichweite ist gleichbedeutend mit einem Verlust von Werbeeinnahmen»
Sie sprechen in einer Medienmitteilung von «Werbeverlusten in zweistelliger Millionenhöhe», die den Privatradios gedroht hätten. Können Sie das konkretisieren?
Ein Verlust von Reichweite ist gleichbedeutend mit einem Verlust von Werbeeinnahmen, da der Werbetarif auf Basis der Reichweite berechnet wird. Wir haben in unserer Modellrechnung, wie erwähnt, mit einem Hörerrückgang von sehr realistischen 15 Prozent gerechnet. Das heisst, dass auch mit einem Rückgang der Werbeeinnahmen in Höhe von 15 Prozent gerechnet werden muss. Bei einem Gesamtvolumen von rund 100 Millionen Franken Umsatz pro Jahr gehen der Radiobranche 15 Millionen Franken verloren, was schlicht nicht tragbar ist.
Welche Sender wären ohne UKW-Verlängerung konkret in ihrer Existenz bedroht gewesen?
Alle Radios wären zu Sparmassnahmen gezwungen gewesen. Und je nach wirtschaftlicher Situation der einzelnen Radiostation hätte dies ganz unterschiedliche Ausmasse angenommen. Ich denke hier zum Beispiel an eigenständige Privatradiounternehmen, die sich zu 100 Prozent aus Werbung finanzieren, nicht zu einem grösseren Verlag gehören und keinen Abgabeanteil erhalten. Diese Kategorie muss bereits heute einen enormen Effort am Markt leisten.
Laut Ihrem Verband investieren Regionalradios «bereits heute deutlich mehr finanzielle Mittel in DAB+ als in UKW». Weshalb braucht es dann noch UKW?
UKW braucht es noch so lange, bis der Umstieg auf DAB+ für die Regionalradios wirtschaftlich tragbar ist. Die Regionalradios investieren heute rund 12 Millionen Franken jährlich in DAB+ und noch 3,8 Millionen Franken in UKW. Dies zeigt sehr gut, dass sich auch die Privatradios auf dem Weg der Digitalisierung befinden. Die UKW-Kosten sind bereits massiv gesunken, da private Veranstalter einzelne UKW-Sender in ihren Gebieten abgestellt haben – aber im Einklang mit der Bevölkerung, die, wie wir jetzt deutlich gesehen haben, noch eine UKW-Grundversorgung wünscht.
«Noch wissen wir nicht, wie dieses Szenario konkret aussehen wird»
Wann wäre aus Ihrer Sicht der richtige Zeitpunkt für eine UKW-Abschaltung?
Wir haben als Abschaltzeitpunkt das Ende der Konzessionsperiode 2034 vorgeschlagen. Wir sind aber auch damit einverstanden, wenn der Bundesrat, wie bereits angetönt, die UKW-Frequenzen für zehn Jahre neu ausschreibt. Wichtig ist, dass die Privatradios, wie bis anhin, den Ausstiegszeitpunkt aus UKW in diesem Zeitfenster frei wählen können. Wenn die Bevölkerung Radio vermehrt über digitale Kanäle hört, werden die Privatradios nicht erst am letzten Tag abschalten.
Wie geht es nun weiter in Sachen UKW?
Mit dem heutigen politischen Entscheid wurde der Bundesrat beauftragt, die UKW-Versorgung über 2026 hinaus sicherzustellen und die entsprechenden Funkkonzessionen zu verlängern oder neu auszuschreiben. Noch wissen wir nicht, wie dieses Szenario konkret aussehen wird. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir mit einem guten und pragmatischen Vorschlag des Bundesrats rechnen dürfen.
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