03.07.2017

Coup-Magazin

Geldgeber mit grösseren Beträgen fehlten

Das Onlinemagazin wird eingestellt, da das Crowdfunding-Ziel von 120'000 Franken nicht erreicht wurde. Mitinitiant Pascal Sigg gibt zu, dass sie nach «mehr Aufmerksamkeit hätten schreien müssen». Dies hätte aber ihrem publizistischen Konzept fundamental widersprochen.
Coup-Magazin: Geldgeber mit grösseren Beträgen fehlten
Das Coup-Team (v.l.): Joel Bedetti, Pascal Sigg, Andres Eberhard, Konrad Mazanowski und Anna Miller. (Bild: www.coup-magazin.ch)
von Tim Frei

Um das erfolgreiche Crowdfunding der «Republik» war ein regelrechter Hype entbrannt (persoenlich.com berichtete). Weniger Erfolg war der Onlinepublikation «Coup-Magazin» beschieden: Da das Finanzierungsziel von 120'000 Franken für das zweite Jahr bis Ende Juni nicht erreicht werden konnte, wird das Onlinemagazin eingestellt. Am Ende fehlten knapp 25'000 Franken. Dies teilten die Macher des vor einem Jahr lancierten Medienprojektes via Facebook (vgl. Beitrag unten) am Samstag mit.

«Wir haben dieses Ziel bewusst so hoch gesetzt, da der Crowdfunding-Betrag des letzten Jahres einfach zu klein war, um unsere Projekte erfüllen zu können», erklärt Pascal Sigg vom «Coup-Magazin» auf Anfrage von persoenlich.com.

Von der Stiftung Medienvielfalt aus Basel sei ihnen 40'000 Franken zugesichert worden, sofern sie mit dem Crowdfunding ebenfalls 40'000 Franken erreichen würden. «Die 120'000 Franken hätten sich aus 40'000 Stiftung Medienvielfalt, 25'000 bisherige und neue Mitglieder beziehungsweise Abonnenten und 55'000 Crowdfunding zusammensetzen sollen», sagt Sigg. Vor allem das Crowdfunding-Ziel hätten sie nicht erreicht, weil sie kaum Geldgeber mit grösseren Beträgen hätten finden können.

«Das zweite Crowdfunding war – ähnlich wie bei anderen Medienprojekten – schwieriger als das erste», so Sigg weiter. Circa 300 der fast 600 Leserinnen und Leser hätten das Onlinemagazin im ersten Jahr unterstützt, «weil sie uns kannten und nicht in erster Linie, weil sie das Produkt ‹Coup-Magazin› unbedingt wollten». Insofern sei das zweite Crowdfunding, das den ganzen Juni lief, viel stärker ein Produkttest gewesen. «Dieser verlief allerdings ganz ordentlich, weil die meisten der bisherigen Mitglieder verlängerten», ergänzt der freischaffende Journalist.

Mit «Republik» nicht vergleichbar

Miteinander vergleichen könne man die «Republik» und das «Coup-Magazin» nicht. «Einerseits hatten wir nie den Anspruch, ein Massenmedium zu machen und in grösserem Stil Veränderungen im Journalismus zu erwirken – wie das die ‹Republik› will», erläutert Sigg. Anderseits hätten ihr andere Mittel zur Verfügung gestanden, um Medienaufmerksamkeit zu generieren. «Ausserdem waren wir im Vergleich zu Constantin Seibt und Christof Moser keine bekannten Journalisten». Bei Seibt habe es ja bereits bei dessen Kündigung beim «Tages-Anzeiger» eine grosse Medienaufmerksamkeit für seinen Abgang und sein neues Projekt gegeben.

Die Macher des «Coup-Magazins» taten sich schwer, dieselbe Aufmerksamkeit für ihr Projekt zu erhalten. «Wir hätten marketingmässig viel mehr tun müssen – zum Beispiel nach mehr Aufmerksamkeit schreien oder ‹falsche Konflikte› inszenieren», gibt Sigg zu. Nebst den fehlenden Mitteln hätte dies aber «fundamental» ihrem publizistischen Konzept widersprochen. «Wie schreit man nach mehr Aufmerksamkeit für etwas, das bewusst eben nicht nach Aufmerksamkeit schreien will?», fügt er an.

«Das wäre feige»

Sie hätten es zurückhaltend zwar immer wieder versucht – unter anderem beim «Tages-Anzeiger». Doch man habe immer abgelehnt. «Ich hoffe für die anderen Medien einfach, man lehnte uns nicht ab, weil wir als mögliches Konkurrenzprodukt angesehen wurden. Das wäre feige: Denn wir waren ein Nischen- und kein Massenprodukt», so Sigg.

Auch seien sie wohl etwas naiv gewesen. «Wir dachten, wir würden mehr Leute erreichen», sagt der 33-Jährige. Ihnen sei beispielsweise zu wenig bewusst gewesen, dass viele Leute ihre Emails nicht lesen oder dass nicht alle, die ihre Seite auf Facebook liken auch ihre Posts angezeigt erhalten würden. «Mit diesen Fragen hatten wir uns vorher schlicht nicht beschäftigt.»

Ende Woche soll es mehr Informationen geben

Am Freitag trifft sich das Coup-Team, um über das weitere Vorgehen befinden. «In der nahen Zukunft stehen wohl aber bei uns allen persönliche Projekte im Vordergrund», betont Sigg. Laut Facebook-Post vom Samstag soll Ende dieser Woche dann auch mitgeteilt werden, was aus dem Verein werde und ob das «Coup-Magazin» in anderer Form weiter existieren werde. Personen, die während dem letzten Jahr eine Jahresmitgliedschaft erworben hätten, könnten die bereits bezahlten Jahresbeiträge anteilsmässig zurückerstattet erhalten – entsprechend dem Beginn der Mitgliedschaft.

Ziel des «Coup-Magazins» war es laut Website, jeden Monat eine «packend erzählte, gründlich recherchierte und elegant illustrierte Geschichte aus der Schweiz – ausschliesslich online» zu publizieren. Im Rahmen des erfolgreichen Crowdfundings im März 2016 wurden bereits drei erste Storys – sogenannte Nullnummern – veröffentlicht. Ab Juli kam dann monatlich ein Artikel heraus. So sind total 15 Geschichten entstanden.



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