07.09.2021

Roger Köppel

«Ich bin ja noch ein TV-Lehrling»

Der Journalist ist auf allen Kanälen unterwegs: mit eigener Sendung auf ServusTV, als Dauergast in Bild TV und jetzt auch noch Weltwoche Deutschland. Wie bewältigt man dies alles?
Roger Köppel: «Ich bin ja noch ein TV-Lehrling»
«Meines Erachtens ist die Bild-TV-Sendung ‹Viertel nach Acht› die beste Talkshow in Deutschland», sagt Roger Köppel. (Bild: Keystone/Anthony Anex)
von Matthias Ackeret

Herr Köppel, Sie moderieren neu eine Talksendung bei ServusTV. Was ist die Motivation, plötzlich neutraler Moderator zu sein? 
Der österreichische Unternehmer Dietrich Mateschitz liess mich anfragen, ob ich Lust hätte, auf seinem TV-Kanal ServusTV eine neue Sendung zu moderieren. Es gehe darum, pointiert, lehrreich und unterhaltsam die brisantesten Zeitfragen mit spannenden Gästen von allen Seiten zu durchleuchten. Das Konzept überzeugte mich, und ich sagte spontan zu. Ausserdem bewundere ich den Red-Bull-Unternehmer Mateschitz für seine Superleistungen in vielen Feldern.

Stellen Sie die Sendung selber zusammen?
Wir haben erst begonnen. Da wurde alles vorbereitet, von einer sehr kompetenten Redaktion. Sie gestaltet ein monatliches Magazin «Der Pragmaticus». Zu diesem Magazin machen wir die Sendung jeden Monat, aufgezeichnet in Wien. Gerne bringe ich mich jetzt auch inhaltlich ein. Ich finde es grossartig, dass sie bei ServusTV eine solche Sendung machen: Fakten. Verstehen. Wirklichkeit. Rasiermesserscharf auf den Punkt gebracht. Das gefällt mir. Der Start gelang erfreulich, ich bin ja noch ein TV-Lehrling. Wir hatten trotz spätem Sendeplatz eine überdurchschnittliche Einschaltquote. 

Gleichzeitig sind Sie Dauergast bei Bild TV. Was ist da anders als beim Schweizer Fernsehen?
Bild-Chefredaktor Julian Reichelt hat meinen grössten Respekt. Er macht eine hervorragende, mutige Bild-Zeitung, die unerschrocken Missstände im Staat und in der Politik aufdeckt. Oder wie Spiegel-Gründer Augstein sagte: Schreiben, was ist. In diesem Geist hat er einen neuen Nachrichtensender lanciert mit einem Senkrechtstart. Da haben sie mich gefragt, ob ich bei der neuen täglichen Diskussionssendung «Viertel nach Acht» dabei sein möchte. Ich habe zweimal teilgenommen. Meines Erachtens ist dies die beste Talksendung in Deutschland, weil wir hier etwas erleben, was im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr vorkommt: offene Diskussionen, Rede und Gegenrede, eine echte Leidenschaft an der Debatte. Nicht dieses vorgespurte, schablonenhafte, robotermässige Talk-Unwesen, das sich auf unseren Bildschirmen bedauerlicherweise ausbreitet.

Früher waren Sie regelmässig Gast in deutschen TV-Shows, plötzlich nicht mehr. Ist dies eine Ersatzhandlung?
Es ist ja kein Geheimnis, das ich mich öffentlich gerne und gelegentlich auch ein bisschen provokativ in die Debatten einschalte. Ich stehe überall dort zur Verfügung, wo man das Gefühl hat, ich könnte einen produktiven Beitrag zur Horizonterweiterung und zur interessanten Meinungsvielfalt leisten. 

«Wir sind die Souffleure des intelligenten Tischgesprächs» 

Anfang dieser Woche haben Sie auch noch Weltwoche Deutschland lanciert. Wie funktioniert dies?
Ich bin Deutschland-Befürworter, habe Land und Leute gern, die Geschichte fasziniert mich seit meiner Kindheit und den ostpreussischen Grosseltern. Ich habe in Berlin mit Begeisterung gearbeitet. Ich glaube, dass etwas wie die Weltwoche in Deutschland noch fehlt. Wir sind ein unkonventionelles Blatt, keine politische Linie, grösstmögliche Vielfalt an Meinungen, auch unerwünschten, aber hoffentlich interessanten, wir wollen niemanden heilen, retten oder erziehen, sondern zum Denken und zur Diskussion anregen, und, ja, warum nicht, auch Zuversicht verbreiten. Die Welt ist nicht verdammt, hört auf mit der Apokalypse. Nach dem Lesen soll man sich besser fühlen als vorher. Wir sind die Souffleure des intelligenten Tischgesprächs. 

Aber konkret: Was machen Sie redaktionell in Deutschland? 
Ich habe unseren jüngsten Kollegen, Roman Zeller, als Korrespondent und Redaktor Weltwoche Deutschland nach Berlin geschickt. Er soll dort einfach mal voll eintauchen und sich inspirieren lassen, einen möglichst breiten Strauss an Autorinnen und Autoren schreiben lassen, in Printform und online. Es lebe die Vielfalt, die intelligente Provokation und die gute Laune. Journalismus ohne weltanschauliche Grenzen und ohne Überheblichkeit.  

«Die NZZ ist Journalismus im Anzug mit der eleganten Seidenkrawatte»

Ist dies als Konkurrenz zur Deutschland-Ausgabe der NZZ zu verstehen? 
Die NZZ ist Journalismus im Anzug mit der eleganten Seidenkrawatte, wir sind eher das lockere Boulevardblatt für Intellektuelle und anspruchsvolle Leser, die Fluchtwege aus dem Mainstream schätzen.

Daneben moderieren Sie jeden Morgen um fünf Uhr auch noch Ihre tägliche Internet-Show Weltwoche-daily, sind Chefredaktor, Verleger, Nationalrat und Familienvater. Wie bringt man dies alles unter einen Hut? 
Gute Frage, aber im Moment sind einfach journalistisch sehr interessante Zeiten, während es in der Politik immerhin gelungen ist, diesen unseligen EU-Anbindungsvertrag zu beerdigen, sodass jetzt wieder Energien fürs Kerngeschäft freiwerden. Zum Glück!

Nochmals zu Ihren Deutschlandaktivitäten: Müssen Ihre Anhänger traurig sein oder können Ihre Gegner jubeln, dass Sie bald auswandern? 
Ich stelle zu meiner eigenen Irritation fest, dass die Zahl meiner Gegner und Kritiker laufend kleiner wird! Was mache ich falsch?



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Kommentare

  • manuel caraballo, 07.09.2021 17:18 Uhr
    "Wir sind ein unkonventionelles Blatt, keine politische Linie, grösstmögliche Vielfalt an Meinungen, auch unerwünschten" selten so einen Blödsinn gehört, das übertrifft sogar fast sein naziarmbindenvergleich bei der LGBT Diskussion. Köppel ist ein reiner populist, voreingenommen absolut gar nicht neutral, keine Ahnung was man geraucht haben muss wenn man dies anders sieht. Köppel hat aber rein gar nichts mit Horizont erweitern zu tun hat, das ihm Bühne geboten wird und sich als "wahrer journalist" präsentieren darf ohne sich auch nur einer einziger kritischen frage stellen zu müssen und man noch fast Gefühl hat er ist zum Komplimente abholen eingeladen worden ist echt schwach. Zum Schluss noch: "Es lebe die Vielfalt, die intelligente Provokation und die gute Laune."" Ich Zitiere von Köppel dazu passend: "Ein Tisch heisst Tisch. Ein Stuhl ist ein Stuhl. Eine Ehe ist die Verbindung zwischen Mann und Frau. Das soll so bleiben. Wo Worte ihre Bedeutung verlieren, beginnt die Despotie." Sehr Intelligent. Schönen Abend.
  • Karl Wild, 07.09.2021 09:10 Uhr
    Roger Köppel mischt die deutschsprachige Medienszene seit Jahren auf wie kein anderer. Wunderbar, dass es neben den vielen Langeweilern noch innovative Vollblutjournalisten ohne Scheuklappen gibt.
  • Victor Brunner, 07.09.2021 09:03 Uhr
    Köppel zu Deutschland " was im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr vorkommt: offene Diskussionen, Rede und Gegenrede, eine echte Leidenschaft an der Debatte". Ist natürlich üblicher Köppel-Quatsch, er meint immer noch nur wo er dabei ist ist gut. Hart aber fair, Maybritt Illner, Anne Will und andere sind gute Formate, kritisch, auch angriffig. Das einzig Beständige und überzeugende an Köppel ist seine Selbstüberschätzung. Trotzdem, beim Gute-Nacht-Wappler-TV wäre eine Diskussionssendung mit Köppel wünschenswert, CLUB, ARENA, Gredig direkt sind doch nur noch langweilig und banal!
  • Peter Martin, 07.09.2021 08:43 Uhr
    Die Weltwoche hat keine politische Linie? Who is the "Populistli" kidding?!
  • Stefan Halter, 07.09.2021 06:54 Uhr
    «Wir sind die Souffleure des intelligenten Tischgesprächs» > GROSSARTIG formuliert. R.K. der Grossmeister der Inszenierung mit Worten. Die grosse Show auf der Bühne der Gelehrten. Das kristallklare Statement einer durchdachten Meinung. Stets die Demokratie als Grundpfeiler der Duelle in der Arena als Basis ehrend. Frei jedes Social-Media-Bullshits. Einfach herrlichst frisches Wasser für jedes Gehirn das (noch) lebt.
Kommentarfunktion wurde geschlossen

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