03.12.2021

Stefan Barmettler

«Ich werde keine neuen Aufgaben übernehmen»

Die Handelszeitung feiert diesen Monat ihr 160-jähriges Bestehen. Chefredaktor Stefan Barmettler äussert sich über das Jubiläum, seinen designierten Nachfolger Markus Diem Meier – und seine Zukunft als Autor des Wirtschaftstitels.
Stefan Barmettler: «Ich werde keine neuen Aufgaben übernehmen»
«Der Frauenanteil in Schweizer Wirtschaftsredaktionen liegt etwa auf dem Niveau von Stahlfirmen, also sehr tief», sagt Handelszeitung-Chefredaktor Stefan Barmettler. (Bild: Ringier Axel Springer Schweiz)
von Tim Frei

Herr Barmettler, die Handelszeitung (HZ) feiert ihr 160-jähriges Bestehen mit einer Jubiläumsausgabe. Hand aufs Herz: Wie viele schlaflose Nächte hatten Sie und Ihr Team in den vergangenen Tagen und Wochen?
Schlaflose Nächte keine, aber sicher den einen oder anderen langen Tag. Allerdings haben wir mit der Planung bereits nach den Sommerferien begonnen. Und dann optimierten wir bis zum Schluss.

Zum Jubiläum steht die HZ nun ein Jahr lang unter dem Motto «Zukunft der Wirtschaft» – beginnend mit der Ausgabe vom 2. Dezember 2021. Auf welche Beiträge und Neuheiten kann sich die Leserschaft besonders freuen?
Wir werden uns noch stärker jener Themen annehmen, welche die Akteurinnen und Akteure der Wirtschaft umtreiben: Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz, Digitalisierung, E-Mobilität oder der Frage, welche Firmen sind nachhaltig und welche nicht.

Ein wichtiges Zukunftsthema ist Ihnen die Frage, wie Unternehmen Diversity fördern. Wie steht es damit bei der Handelszeitung selbst? Welche Massnahmen haben Sie konkret ergriffen?
Wir sind Teil des EqualVoice-Projekts von Ringier und Ringier Axel Springer Schweiz und arbeiten daran, die Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaft zu erhöhen. Dies lässt sich auch bereits in Zahlen belegen: Beim EqualVoice-Score, der die Sichtbarkeit von Frauen in unseren Produkten misst, haben wir massiv zugelegt – von 18,1 Prozent (2018) auf 25,6 Prozent (2021). Da liegen wir weit vor Financial Times oder Wall Street Journal. Potenzial haben wir beim Frauenanteil auf der Redaktion.

Das heisst?
Dieser liegt in Schweizer Wirtschaftsredaktionen etwa auf dem Niveau von Stahlfirmen, also sehr tief. Da müssen wir einiges aufholen, deshalb lancieren wir ein Programm für junge, qualifizierte Berufseinsteigerinnen und -einsteiger.   

«Wir werden auch zukünftig in den Ausbau der Redaktion investieren»

Wie wird während dieses einen Jahres sichergestellt, dass die Aktualität nicht zu kurz kommt? Wird die Redaktion nach dem Transfer von Markus Diem Meier weiter ausgebaut?
Viele dieser Zukunftsthemen sind hochaktuell, der nervöse Bitcoin-Kurs, der Verdrängungswettbewerb in der E-Mobilität, die neuen Führungsprinzipien. Und ja, wir haben uns in den letzten Monaten personell verstärkt und werden auch zukünftig in den Ausbau der Redaktion investieren.

Können Sie bereits Namen oder geplante Projekte nennen?
Nur eines: Wir haben ja mit unserem «Lunch Topic»-Newsletter einen Branchenstandard gesetzt, der in der Wirtschaftswelt unglaublich viel zu reden gibt. Klar wollen wir unser Newsletter-Angebot weiter ausbauen. 

Diem Meier wird Sie ab Januar als Co-Chefredaktor unterstützen. Inwiefern ist er in das Jubiläumsprojekt involviert?
Gar nicht, er ist ja noch bei TX Group in Lohn und Brot. Aber wir freuen uns, wenn er als profilierter Journalist mit breiter Erfahrung gerade auch im Digitalen bei uns anpackt.

Im Verlauf des nächsten Jahres soll er die alleinige Leitung übernehmen. Ist bereits klar, wann genau?
Nein, ich will da nicht vorgreifen, aber es wird ein geordneter, längerfristiger Prozess sein, in Absprache mit Markus. 

«Ich möchte mir wieder mehr Zeit nehmen für grosse Recherchen»

Sie werden dann als Autor tätig sein. Wir können uns nicht wirklich vorstellen, dass Sie tatsächlich kürzertreten werden. Übernehmen Sie also noch weitere Aufgaben?
Auch wenn Sie es nicht glauben: Ich werde kürzertreten und sicher keine neuen Aufgaben übernehmen. Und möchte mir wieder mehr Zeit nehmen für grosse Recherchen. Meine Reise in die Kobalt-Minen im Kongo musste ich schon zweimal verschieben – hier gehts übrigens um die beiden hochaktuellen Themen E-Mobilität und Nachhaltigkeit. Oder: Wie viel Kinderarbeit steckt in der Auto-Batterie? 

Der Gründer der Handelszeitung, Friedrich von Rothkirch, habe den Grundstein zum unabhängigen und kritischen Journalismus des Titels geprägt, heisst es. Inwiefern ist das heute durch die grosse Anzahl an Pressesprecher und PR-Leute schwieriger geworden?
Friedrich von Rothkirch schrieb vor 160 Jahren: «Wir werden jedem Schwindel und jeder beabsichtigten Täuschung des Publicums entgegentreten.» Das gilt heute noch, auch wenn dies mit den Heerscharen von professionellen PR-Leuten – auch beim Staat – anspruchsvoller geworden ist.

Zum Schluss nochmals zur Zukunft: Wohin soll sich die Handelszeitung in den nächsten Jahren bewegen?
Die wenig überraschende Antwort: Sie wird digitaler. Den Rest bespreche ich mit Markus und mit den Kolleginnen und Kollegen auf der Redaktion.



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