24.05.2020

SRF

Lob für Kampagne, Kritik an Medien

In der «Arena» vom Freitag mitdiskutiert haben auch Medienwissenschaftler Vinzenz Wyss und Werber David Schärer von Rod. Für die Coronavirus-Kampagne des BAG gab es gute Noten aus der Runde. Hitziger war die Diskussion bei der Rolle der Medien.
SRF: Lob für Kampagne, Kritik an Medien
Sprachen über die Kampagne des BAG (v.l.): «Arena»-Moderator Sandro Brotz und David Schärer, Gründungspartner von Rod Kommunikation. (Bilder: SRF)
von Christian Beck

Bereits zum 14. Mal hat die SRF-«Arena» am Freitagabend das Coronavirus thematisiert. Diesmal wurde über Macht, Missmut und Medien diskutiert – unter dem Titel «Corona – Bundesrat gegen Volk?». Gleich zu Beginn der Sendung ging es um die BAG-Kampagne aus dem Hause Rod Kommunikation. Moderator Sandro Brotz stellte seine erste Frage an Werber David Schärer: «Die Schweiz kennt Sie nicht, aber die ganze Schweiz kennt Ihre Plakate. Wie stolz sind Sie auf diesen Propaganda-Feldzug?» Schärer antwortete: «Ich bin vielmehr erleichtert, dass es mit der BAG-Kampagne gelungen ist, die wichtigsten Botschaften zu vermitteln.» Ob er das Wort «Propaganda» überhört habe, doppelte Brotz nach. «Propaganda ist nicht Bestandteil unserer politischen Kultur», so Schärer gelassen. Es liege in der Natur der Sache, dass die Kampagne monothematisch gewirkt habe.

Es sei eine «gelungene Kampagne» gewesen, lobte der Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer, fragte sich aber, weshalb dies nicht die Kommunikationsberater auf der Lohnliste des Bundes hätten erledigen können, sondern ein externes Büro habe beauftragt werden müssen. «Ich war beeindruckt, wie gut das BAG vorbereitet war», so Schärer – man habe klar gewusst, was man kommunizieren wolle. Brotz kam auf die Social-Media-Challenge mit prominenter Beteiligung zu sprechen und fragte Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik an der ZHAW, ob es klassische Medien überhaupt noch brauche. «Medien sind ein Gegenstück zu dieser öffentlichen Kommunikation», so Wyss. David Schärer habe einen sehr guten Job gemacht. «Da wurde sehr sachlich kommuniziert – nicht zu viel und nicht zu wenig, unaufgeregt und über alle Kanäle.»

«Es ist nichts anderes passiert»

Nach einer politischen Diskussion über das Notrecht im mittleren Teil der «Arena», leitete Brotz schliesslich über zum Thema Medien: «Corona, Corona und nochmals Corona, so sah es in den Medien in den letzten Wochen aus.» In der Schweizer Mediendatenbank SMD gebe es seit Januar über 245'000 Einträge zum Thema Corona – zum Vergleich: 35'000 seien es über US-Präsident Donald Trump.

Rod-Gründungspartner Schärer zeigte sich beeindruckt über die Arbeit der Medien: «Man kann den Medien nicht den Vorwurf machen, dass sie fast monothematisch über Corona berichtet haben – es ist schlicht und ergreifend nichts anderes passiert auf der Welt.» Gleichzeitig habe es ein grosses Informationsbedürfnis gegeben, der Qualitätsjournalismus habe seine Renaissance erlebt. Auch die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher fand, dass die Medien eine «fundierte und ausgewohnte Berichterstattung» gemacht hätten.

arenawyss

Einer, der die Arbeit der Journalisten schon früh kritisiert habe, sei Vinzenz Wyss, so Moderator Brotz. Der Medienwissenschaftler wiederholte seine Aussagen, die er bereits im persoenlich.com-Interview vom 10. April machte: Die Berichterstattung sei zu Beginn unkritisch gewesen, das habe durchaus seine Berechtigung gehabt. Die Kritik habe aber zu spät eingesetzt. «Es dominierte das Narrativ des bösen Virus und was man dagegen machen muss», so Wyss in der «Arena». Ökonomische, psychologische, soziologische oder religiöse Perspektiven hätten in der Berichterstattung weitgehend gefehlt. So hätte der Eindruck entstehen können, dass die Medien im Einklang mit dem Bundesrat seien, sozusagen unter einer Decke. Wyss: «Es ist ganz wichtig, dass sich die Medien selber erklären. Sie sollen nicht nur berichten, sondern sagen, weshalb sie so berichten.»

«Medien werden jetzt gekauft»

Heer fand, dass die Medien Angst und Schrecken verbreiten würden. Der SVP-Politiker vermisst positive Botschaften. «Wir dürfen die Lebensfreude nicht verlieren», so Heer. Hier könnten die Medien Gegensteuer geben. Später in der Sendung wurde es kurzzeitig etwas hitzig, als Heer bemerkte: «Medien werden jetzt gekauft. Das Parlament spricht mehrere Millionen Franken und der Steuerzahler muss die Medienhäuser finanzieren. Diese Abhängigkeit, die hier entsteht, erachte ich als eine grosse Gefahr.» Der Bundesrat konkretisierte am Mittwoch die vom Parlament verlangte Corona-Nothilfe für Medien. Insgesamt umfasst das Notpaket 57,5 Millionen Franken. In den kommenden Monaten wird das Parlament auch noch über ein Medienförderungspaket debattieren.

Brotz widersprach einem Abhängigkeitsverhältnis vehement: «Ich würde mir nie – weder von Herrn Berset noch von Herrn Koch – in den Mund legen lassen, was ich hier zu sagen habe.» Auch Wyss ist der Meinung, dass es nicht zu einer Abhängigkeit kommen wird. «Krankenkassen sind ja auch nicht abhängig, nur weil wir eine Krankenkassenpflicht haben.»

Zum Schluss der Sendung kam die Diskussion nochmals auf die Kommunikation zu sprechen. «Diese Kampagne war wie ein Flug auf Sicht», sagte Schärer. Alles sei sehr schnell gegangen. Nun folge aber der schwierigste Teil in der neuen Normalität: «Wie bringen wir die Leute dazu, dass sie uns weiterhin zuhören.»

Zuhören mussten auch die Fernsehzuschauer lange. Die «Arena» hatte weit überzogen.



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