24.05.2011

Zürcher Journalistenpreis

Michael Meier ausgezeichnet

Ehre für Kirchenjournalist.

Michael Meier, Dagmar Appelt und Katharina Baumann, Otto Hostettler und Dominique Strebel sowie Maurice Thiriet sind die Gewinner des Zürcher Journalistenpreises 2011, welcher am Dienstagabend im Casinotheater Winterthur verliehen wurde.

Michael Meier, der den Preis für sein Gesamtwerk erhielt, ist Fachjournalist für Religion und Gesellschaft und schreibt seit bald 25 Jahren für den "Tages-Anzeiger". Meier sei ein "Kulturkritiker im besten Sinne des Wortes", schreibt die Stiftung Zürcher Journalistenpreis. Meier kläre auf, indem er Sachverhalte nicht nur beschreibe, sondern zugleich unermüdlich einordne. "persoenlich.com" hat Michael Meier nach der Preisverleihung zu einem kurzen Interview getroffen.

Herr Meier, Sie haben in Ihrer Dankesrede angedeutet, dass Sie "Visionen verwirklichen wollen". Was meinen Sie damit?

Ich würde gerne ein Buch schreiben. Kein Sachbuch, sondern Belletristik. Dabei wird es sich um meine Themen gehen, jedoch nicht vom beobachtenden, äusseren Standpunkt sondern in Romanform.

Ist dieses Buch erst in Ihrem Kopf oder gibt es bereits Entwürfe?

Bis anhin ist es nur in meinem Kopf, aber ich habe einen Plot. Dann gibt es noch ein anderes Projekt, das mich interessiert. Ich würde gerne bei einem Alphabetisierungs- oder bei Medienprojekte in Zentralamerika mitarbeiten, in Nicaragua oder Honduras. Ob ich das machen werde, weiss ich noch nicht.

Als Religions- und Kirchenspezialist beschäftigen Sie sich mit Randthemen. War Ihre Stelle bei den diversen Sparrunden bei Tamedia nie in Frage gestellt?

Nein. Im Gegenteil, denn in letzter Zeit wandelte sich einiges. Als ich vor 25 Jahren anfing beim Tagi, war Religion marginalisiert. Doch dann kam Bischof Haas, der viele Schlagzeilen brachte und damit kontinuierliche Berichterstattung. Nun ist es der Islam, der viel von sich reden macht. Religions- und Kirchenthemen sind schon gefragt. Auf diesem Gebiet sind sehr spannende Recherchen möglich.

Sie kritisieren das Christentum, die Kirche und Rom. Sehen Sie auch Positives?

Ja sicher. Positives sehe ich im caritativen Engagement, hier haben die Kirchen viel Gutes getan. Im 19. Jahrhundert schafften die Frauenkongregationen Bildungsmöglichkeiten für Frauen in Spitälern, Altersheimen und in Schulen. Auch die Universitäten entstanden aus der Kirche heraus.

Und heute?

Heute ist es schwieriger. Aber etwa auch die Zürcher Kirche leitet Gutes. Doch diese caritativen Arbeiten könnte auch eine private Organisation machen. Dafür braucht es grundsätzlich keine Kirche.

Zahlen Sie Kirchensteuer?

Ja, denn die Volkskirche finde ich gut - ich unterstütze sie gerne. Ich will von dieser Institution auch mal beerdigt werden.

Was tun Sie mit den 10‘000 Franken Preisgeld?

Ich würde gerne ein Sabbatical machen, dabei meinen Horizont etwas erweitern. Gerne würde ich in ein arabisches Land reisen. Das wäre interessant, jetzt nach den Revolutionen. Oder auch Mittelamerika würde mich reizen.

Weitere Auszeichnugen:

Der Preis in der Kategorie Zeitung ging an die "Landbote"-Journalistinnen Dagmar Appelt und Katharina Baumann. Beide seien der Jury für ihre "fundierten Artikelreihen" aufgefallen. Appelt zeichnete in mehreren Beiträgen den Weg eines Stieres in die Freiheit nach, während Baumann die Armut in Winterthur zum Thema machte.

Für ihren Artikel über Heim- und Verdingkinder wurden die beiden "Beobachter"- Autoren Dominique Strebel und Otto Hostettler mit dem Preis in der Kategorie Zeitschrift geehrt. Ihr Beitrag habe mitgeholfen, einen Missstand aufzudecken und Wiedergutmachung einzufordern. Konkret habe ihr Artikel zu einer offiziellen Entschuldigung geführt und einen politischen Prozess in Gang gesetzt.

Die ausgezeichneten Arbeiten können auf zh-journalistenpreis.ch angeschaut werden. (eh)



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