08.10.2024

CH Media

«Moderieren ist ein sehr guter Ausgleich»

Von Radio 24 über Argovia bis zu Sunshine Radio: Acht regionale Sender erhalten mit Roman Unternährer einen neuen Chef. Der neue Leiter des Geschäftsbereichs «Radio Regional» bei CH Media sieht seine Aufgabe als spannende Herausforderung.
CH Media: «Moderieren ist ein sehr guter Ausgleich»
«Radio lebt von Menschen, von echten Stimmen und Persönlichkeiten», so Roman Unternährer, Leiter Geschäftsfeld «Radio Regional» von CH Media. (Bild: CH Media)

Roman Unternährer, Sie sind neuer Leiter von acht regionalen Radiosendern. Was überwiegt, Freude oder Respekt vor der neuen Aufgabe?
Die Freude überwiegt definitiv. Es ist eine spannende Herausforderung, die Vielfalt und Identität der regionalen Sender weiterzuentwickeln. CH Media kann auf ein grosses Team von leidenschaftlichen und sehr professionellen Radiomitarbeitenden zählen. Natürlich habe ich auch Respekt, strategisch die richtigen Entscheidungen zu treffen. Darin sehe ich mit meinem starken Team aber vor allem Chancen.

Zu ihrem Geschäftsbereich gehören die Radios 24, 32, Argovia, Bern1, Central, FM1, Pilatus und Sunshine. Klingen bald alle Sender gleich?
Nein, ganz im Gegenteil. Sechs Regionalsender verfügen zwar beim Musikprogramm und bei der Programmstruktur über verwandte Ansätze. Sie unterscheiden sich aber bei der Ausgestaltung des Programms, unter anderem mit regionalen Dialekten und einer anderen Ansprache in der Moderation. Auch die Wettbewerber und deren Positionierung sind je nach Region unterschiedlich –diese Chancen nutzen wir. Mit Radio Central als Informationsradio und Sunshine Radio, das seit Juni als Feel-Good-Station positioniert ist, grenzen sich zudem zwei der regionalen Sender klar vom Rest des Portfolios ab.

«Die Newsteams stellen die Grundversorgung mit Nachrichten in unseren Programmen sicher»

Die Nachrichten kommen von zwei zentralen Newsteams – eines ist in Zürich, ein neues in der Zentralschweiz. Wie gut bewährt sich diese Aufteilung?
Sehr gut. Die Newsteams stellen die Grundversorgung mit Nachrichten in unseren Programmen sicher. Ergänzend sind in allen sechs Regionen, in welchen CH Media regionale Sender betreibt, weiterhin Radioredaktorinnen und -redaktoren im Einsatz. Sie kümmern sich vor allem um die regionalen Inhalte.

Sie haben Ihre Wurzeln bei Radio Pilatus, dem aktuell reichweitenstärksten Schweizer Privatsender. War das die Referenz, wodurch Sie nun die Karriereleiter weiter emporklettern konnten?
Dass sich Radio Pilatus in den letzten 15 Jahren hinsichtlich Reichweite und Marktanteil am besten von allen Privatradios entwickelt hat, schadete sicher nicht. Das war aber vor allem die Leistung eines starken Teams. Zudem liegt die operative Verantwortung für das Programm von Radio Pilatus seit dem Jahr 2021 in den Händen von Thomas Zesiger als Programmleiter. Ich war in den letzten Jahren primär beim Aufbau und der Leitung des Bereichs Musik & Research für alle unsere Sender involviert.

Im ersten Halbjahr 2022 verdrängte der Zentralschweizer Sender die Platzhirsche aus Zürich. Was hat Radio Pilatus in der Vergangenheit besser gemacht als andere Sender?
Darüber kann man nur spekulieren. Die konsequente interne Forschung zu Musik und Hörerzahlen, welche mich fasziniert, war sicher ein wesentliches Element, um Abschaltimpulse zu vermindern. Die in den Nullerjahren gestartete Eventstrategie und die in den Zehnerjahren von mir lancierte Online-/Mobile-Offensive ebenso. Und dass der Grossteil des Programmteams über 10 bis 35 Dienstjahre verfügt, hat dem Vertrauen des Publikums sicherlich nicht geschadet.

Sie übernehmen das Geschäftsfeld «Radio Regional» von Radiochef Nicola Bomio, der sich künftig um die vier nationalen Sender Flashback FM, Eviva, Melody sowie Virgin Radio und andere Aufgaben kümmert. Wie frei werden Sie entscheiden können?
So frei wie in meinen bisherigen Funktionen auch. Wir haben im ganzen Managementteam von CH Media ein sehr vertrauensvolles Verhältnis und tauschen uns proaktiv aus.

Sie sind nun verantwortlich für den Erfolg der acht Sender sowohl auf dem Nutzermarkt als auch betriebswirtschaftlich. Die Hörerzahlen des Gesamtradiomarkts sind seit Jahren rückläufig. Seit 2018 verloren die Schweizer Radios 28 Prozent an Hörerinnen und Hörern. Was haben Sie für ein Gegenmittel?
Auf CH Media Radio trifft das nicht zu. Trotz Pandemie und Fragmentierung beträgt der Rückgang bei uns nur 8 Prozent. Abgesehen davon arbeiten wir stark daran, die Sender fit für die Zukunft zu machen. Wir schälen den Kern unserer Positionierung noch stärker heraus und werden weiterhin relevant und nah am Leben der Menschen in den Regionen sein. Eine Fokussierung auf die wichtigsten Publikumsbedürfnisse ist sowohl aus strategischer Sicht, aber auch hinsichtlich der Kosten notwendig.

«Automatisierung ist sicherlich in gewissen Bereichen sinnvoll»

Was unternehmen Sie für den betriebswirtschaftlichen Erfolg? Menschen zunehmend durch Maschinen ersetzen?
Automatisierung ist sicherlich in gewissen Bereichen sinnvoll, aber Radio lebt von Menschen, von echten Stimmen und Persönlichkeiten. Der persönliche Kontakt mit dem Publikum bleibt das Herzstück.

Sie sind ja auch Moderator. Haben Sie keine Angst, dass Sie künftig vor lauter Excel-Tabellen und PowerPoint-Präsentationen kaum mehr Zeit finden, um hinter dem Mikrofon zu stehen?
Mein Team wird sich über diese Frage amüsieren. Es bereitet mir tatsächlich grosse Freude, Publikumsbedürfnisse mittels Excel-Tabellen noch klarer zu erkennen und die Musik- und Programmforschung möglichst effizient zu gestalten. Neben dieser Tätigkeit und vielen Führungsaufgaben ist Moderieren ein sehr guter Ausgleich. Dafür nehme ich mir gerne Zeit. Ich habe diese Woche zwei Sendungen bei unserem Greatest-Hits-Sender Flashback FM moderiert und werde spätestens an der Fasnacht auch bei Radio Pilatus wieder einmal zu hören sein.

Zum Schluss: Weshalb ist Radio für Sie das beste Medium?
Weil es Musik, Information und Begleitung so gut vereint. Mit einem Knopfdruck und ohne weitere Auswahl erhält das Publikum einen Mix, der bei der Arbeit, zu Hause und vor allem unterwegs einzigartig ist. Und regionale Sender sind immer auch ein Stück Heimat.


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