23.03.2020

Wegen verschleierter Werbung

Tamedia kassiert Rüge vom Presserat

Beanstandet wird Native Advertising von Swisscom, Mazda, Proviande und Genève Invest: Der journalistische Charakter der Zeitungsseiten habe Werbung nicht als solche erkennbar gemacht.

Der Presserat hat drei Beschwerden gegen die Zeitungen Tages-Anzeiger und Sonntagszeitung wegen verschleierter Werbung gutgeheissen. Die Lesenden seien getäuscht worden, weil sie den nicht journalistischen Charakter der Seiten nicht auf den ersten Blick hätten erkennen können.

Solche Werbeformen, sogenanntes Native Advertising, seine zwar nicht untersagt, schreibt der Presserat am Montag in einer Mitteilung zu den Entscheiden. Sie müssten aber klar, eindeutig, genügend gross und deutlich sichtbar als Werbung deklariert sein. Dies sei bei allen drei Werbebeiträgen nicht der Fall gewesen. 

Bei den gerügten Beiträgen handelte es sich um ganz- und doppelseitige Werbebeiträge von Swisscom, Mazda, Proviande und Genève Invest, die journalistisch aufgemacht waren und fast deckungsgleich gestaltet waren wie redaktionelle Seiten. Der Presserat erinnerte an seinen Leitentscheid zu dieser Werbeform von Ende letzten Jahres. Damals hatte er die NZZ am Sonntag für eine verkappte Werbeseite gerügt.

Der Presserat zeigt sich schon seit längerer Zeit besorgt über Native AdvertisingDiese immer subtilere Form der Werbung sei so gestaltet, dass sie für die Leserschaft nicht eindeutig als solche erkannt werden könne, warnte das Gremium im Sommer 2019. (sda/eh)

 

 



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Kommentare

  • Ueli Custer, 24.03.2020 09:03 Uhr
    Am 18. Oktober 2019 habe ich Frau Wittwer folgendes Mail geschickt: Grüezi Frau Wittwer In der heutigen Ausgabe bin ich einmal mehr über eine redaktionell aufgemachte Seite gestolpert mit der mir ein kommerzieller Beitrag untergejubelt wurde. Ich weiss nicht, welcher Teufel Sie bzw. Herrn Supino geritten hat, alles zu unternehmen, um die Glaubwürdigkeit des Tagi zu unterminieren. Die faulen Ausreden, es stehe ja «Sponsored» und «Tamedia Commercial Publishing» oben auf der Seite sind für mich völlig unerheblich. Wenn es Ihnen wirklich darum gehen würde, solche Inhalte klar vom redaktionellen Inhalt abzugrenzen, könnten Sie das auch wesentlich klarer durch eine entsprechend deutlich abweichende Gestaltung tun. Indem sie Verwechslungen bewusst in Kauf nehmen, muss ich als Leser davon ausgehen, dass dies auch die Absicht ist – und werde verstimmt. Als einer der die einheimische Medienszene während über 30 Jahren intensiv verfolgt hat und auch längere Zeit in der Lauterkeitskommission aktiv war, habe ich durchaus Verständnis für die schwierige Ertragslage der Presse. Nur reagieren sie darauf leider mit der denkbar verkehrtesten Massnahme: Sie – pardon – «verarschen» ihre Leserinnen und Leser, die das dann sehr schnell als Beweis für den unseligen Begriff «Lügenpresse» nehmen. Sie leisten mit diesem Vorgehen einen gewichtigen Beitrag als Totengräber der freien Presse. Als langjähriger Abonnent von Tagi und SoZ bedauere ich das sehr. Freundliche Grüsse Ueli Custer Eine Antwort habe ich – wie erwartet – nie erhalten. Zu vermuten ist, dass Frau Wittwer nicht antworten durfte. Und dass der Konflikt zwischen Redaktion und Verlag beim Thema "Native Advertising" mit ein Grund für den Weggang von Frau Wittwer war.
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