10.10.2018

Wemf Mach Basic

Welche Blätter Leser verlieren, welche zulegen

Alle Tageszeitungen mit nationaler Ausstrahlung verlieren im Vergleich zum Vorjahr Leser. Zulegen konnten nur einige kleinere Regionaltitel sowie Magazine und Fachpublikationen. Die Wemf-Zahlen in interaktiven Charts.
Wemf Mach Basic: Welche Blätter Leser verlieren, welche zulegen
Auch in der neusten Wemf-Erhebung büssten die meisten grossen Printtitel Leser und Leserinnen ein. (Bild: Keystone/Christian Beutler)
von Marius Wenger

Die Schweizer Verlage erreichen mit ihren Printausgaben immer weniger Leserinnen und Leser. Die Mehrzahl der Titel in der Deutschschweiz verzeichnet eine rückläufige Reichweite. Dies zeigt die aktuelle Leserschaftsstudie Mach Basic der Wemf AG für Werbemarktforschung, die von April 2016 bis März 2018 durchgeführt wurde. Befragt wurden 38'011 Personen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein.

Die Wemf veränderte auf diese Ausgabe der Mach Basic hin ihre Erhebungsmethode: Erstmals wurden die Leserschaftszahlen über vier statt wie bis anhin über zwei Semester erhoben (persoenlich.com berichtete). Die Verlängerung des Erhebungszeitraums sorgte im Vorfeld für Unmut. Der Schweizer Werbe-Auftraggeberverband (SWA) und die Leading Swiss Agencies (LSA) kritisierten, dass mit dem neuen Verfahren die Zahlen «gestreckt» würden.

Aufgrund der Umstellung ist die Vergleichbarkeit nur bedingt gewährleistet – aus diesem Grund werden in der Mach Basic 2018-2 keine Signifikanzen ausgewiesen. Die Wemf gab an einer Medienkonferenz jedoch selber an, dass die Vergleichbarkeit der Reichweiten mit den Vorjahren gegeben sei. Deshalb stellt nun auch persoenlich.com trotz veränderter Methodik die Zahlen von 2018 mit jenen des Vorjahres gegenüber.

«20 Minuten» bleibt an der Spitze

Mit Abstand die meistgelesene Zeitung ist weiterhin «20 Minuten». Das Pendlerblatt erreichte in der Befragungsperiode über 1,3 Millionen Leserinnen und Leser – rund 2 Prozent weniger als in der Erhebung vor einem Jahr. Auf Platz zwei liegt der «Blick am Abend» mit einer Reichweite von 550’000. Die Gratiszeitung von Ringier verliert damit 3 Prozent.

Das sinkende Interesse macht auch den Tageszeitungen mit nationaler Ausstrahlung zu schaffen. Der «Blick» bleibt mit 455’000 Leserinnen und Lesern die reichweitenstärkste Bezahlzeitung, verliert im Vorjahresvergleich aber etwa zwei Prozent der Reichweite. Nur gut ein Prozent verliert die «Neue Zürcher Zeitung» mit neu 244’000 Leserinnen und Lesern. Am stärksten vom Leserschwund betroffen ist der «Tages-Anzeiger»: 388’000 Personen erreichte der Printtitel – das sind minus 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Bei einigen Titeln – etwa der «Südostschweiz» und den meisten AZ-Zeitungen – sind die Zahlen aus methodischen Gründen nicht mit dem Vorjahr vergleichbar. Bei Letzeren weil sie aufgrund der Einstellung der Samstagsausgabe, welche seit März 2017 als «Schweiz am Wochenende» gedruckt wird, nur noch fünfmal wöchentlich erscheinen.

Die kleineren regionalen Zeitungen belegen sowohl die Spitzen- wie auch die Schlussplätze: Über die grösste Leserzunahme darf sich der «Rheintaler Bote» freuen – seine Leserschaft stieg um 25 Prozent auf 40'000. Dahinter folgen die «Luzerner Rundschau« (neu 54'000/+17 Prozent) und die «Zürichsee-Zeitung» (neu 71'000/+13 Prozent). Den grössten Leserschwund trifft den «Schaffhauser Bock»: Die regionale Wochenzeitung verliert 15,7 Prozent ihrer Leser. Ebenfalls mehr als zehn Prozent verloren haben «TagesWoche», «Toggenburger/See&Gaster Zeitung», «Tagblatt Stadt Zürich» und «Glarner Woche».

Alle vier Deutschschweizer Sonntagszeitungen tun sich schwer und verlieren an Reichweite. Am meisten Reichweite verlor die «Zentralschweiz am Sonntag: Sie büsst bei neu 184'000 Lesern innert Jahresfrist 13 Prozent ihrer Leserschaft ein. Der reichweitenstärkste Sonntagstitel ist nach wie vor die «SonntagsZeitung» mit neu 549'000 Lesern (-6 Prozent). Sie liegt damit nur noch hauchdünn vor dem «SonntagsBlick» mit 548’000 Leserinnen und Leser (-3 Prozent). Ebenfalls verloren hat die «NZZ am Sonntag» mit neu 386'000 Lesern (-5 Prozent).


Die reichweitenstärksten Magazine bleiben «Coopzeitung» und «Migros-Magazin» mit 2,6 Millionen beziehungsweise 2,4 Millionen Leserinnen und Lesern. Am meisten gewonnen haben «Faces» (neu 41'000 Leser/+17 Prozent), «Fritz + Fränzi» (neu 202'000 Leser/+13 Prozent) und «UFA-Revue» (neu 188'000 Leser/+11 Prozent.) Die grössten Verluste bei den Magazinen und Fachpublikationen mussten «Joy» (neu 37'000 Leser/-16 Prozent), «Brigitte» (neu 77'000 Leser/-13 Prozent) und «Kulturtipp» (neu 61'000 Leser/-13 Prozent)  hinnehmen.

Die reichweitenstärksten Pressetitel haben auch die reichweitenstärksten Webangebote: Den Spitzenplatz belegt «20 Minuten» mit 1 Million Unique User pro Tag (UupD) in der Deutschschweiz vor «Blick Online« mit 742'000 UupD. Dahinter folgen tagesanzeiger.ch mit 215'000 UupD und «NZZ Online» mit 189'000 UupD.



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Kommentare

  • Michael M. Maurantonio, 11.10.2018 15:03 Uhr
    Liebe Redaktion. Wer sich mit Statistik nur etwas auskennt, weiss, dass die einen Ergebnisse nicht mit den "alten" 1:1 verglichen werden können, um das Delta, wie im Artikel veröffentlicht, Delta = A(1) - A(0), zu bestimmen... Wenn also ein Wert A(0)= 20% (+/-2%) im Folgejahr A(1)=22% (+/-0.5%) ergibt, ist der echte Unterschied nun wie gross? Und ab welchem Wert, wird die Abweichung statistisch signifikant? #Standardabweichung #Standardfehler #t-Test Es gibt sicher einige grosse Verlierer. Dafür müsste man sich aber die Zeit nehmen, die Zahlen genauer zu untersuchen.

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