08.10.2019

Wemf Mach Basic

Welche Zeitungen Leser verlieren, welche zulegen

Die NZZ verliert jeden siebten Leser. «Tages-Anzeiger», «Blick» und erstmals auch «20 Minuten» büssen stark an Reichweite ein. Ähnlich steht es um die Sonntagspresse. Bei den Magazinen glänzen «Migusto» und WoZ mit einem Leserplus. Die Wemf-Zahlen in interaktiven Charts.
Wemf Mach Basic: Welche Zeitungen Leser verlieren, welche zulegen
Zeitungen aufgehängt an der Universität St. Gallen. (Bild: Keystone/Christian Beutler)
von Michèle Widmer

Der Leserschwund bei den Pressetiteln ist ungebremst. Die Schweizer Verlage erreichen mit ihren gedruckten Zeitungen und Magazinen seit Jahren zunehmends weniger Menschen. Die aktuelle Leserschaftsstudie der Wemf bestätigt den Trend. Für die Herbststudie hat die Wemf AG für Werbemedienforschung im Zeitraum von April 2017 bis März 2019 insgesamt 37’583 Personen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein befragt.

Die mit Abstand meistgelesene Zeitung der Schweiz bleibt «20 Minuten» mit einer Reichweite von über 1,2 Millionen in der Deutschschweiz. Allerdings hat das Pendlerblatt in der Befragungsperiode so viele Leser verloren wie noch nie, nämlich 9 Prozent. Im gleichen Rahmen liegt der Rückgang bei den beiden Bezahlzeitungen «Blick» (419’000) und dem «Tages-Anzeiger» (257’000). Unter den Bezahltiteln mit nationaler Ausstrahlung muss die «Neue Zürcher Zeitung» mit 14 Prozent den grössten Reichweitenverlust hinnehmen. Neu erreicht die Zeitung mit der gedruckten Zeitung noch 210’000 Leserinnen und Leser. 




Von den grösseren Regionalzeitungen macht die «Basler Zeitung» am meisten vorwärts was die Reichweite angeht. Das Blatt, das vor einem Jahr von Tamedia übernommen wurde, erreicht laut der Studie 103’000 Menschen – ein Plus von 4 Prozent. Das Niveau halten konnten die «Nordwestschweiz» (392’000), das «St. Galler Tagblatt (260’000) und die «Luzerner Zeitung» (282’000). Die «Südostschweiz» hat laut der Studie eine Reichweite von 163’000, allerdings ist diese Zahl aus methodischen Gründen nicht mit dem Vorjahr vergleichbar.

Der Blick auf die kleinen Regionalzeitungen zeigt Leserverluste, aber auch -Gewinne. So verlieren die «Glarner Woche» bei neu 21’000 Leserinnen und Lesern 13 Prozent der Reichweite.  Beim «Bock», welcher 38’000 Menschen erreicht, sind es minus 12 Prozent. Zulegen konnten hingegen die «Nidwaldner Zeitung» (20’000 / + 11 Prozent), der «Furttaler» (20’000 / + 11 Prozent) sowie die «Urner Zeitung» (12’000 / + 9 Prozent).






Die Konkurrenz der Deutschschweizer Sonntagspresse ist mittlerweile auf drei Titel geschrumpft – und alle drei kämpfen weiterhin mit sinkenden Reichweitenzahlen. Am besten hat sich laut der Studie die «SonntagsZeitung» behauptet und erreicht 518’000 Leserinnen und Leser – minus 6 Prozent. Der «SonntagsBlick» sowie die «NZZ am Sonntag» verlieren mit je 11 Prozent stärker und erreichen neu 487’000 beziehungsweise 342’000 Menschen.






«Coopzeitung» und «Migros-Magazin» bleiben mit Abstand die reichweitenstärksten Titel unter den Magazinen und Wochenpublikationen. Die «Coopzeitung» hat 2,5 Millionen Leserinnen und Leser, das «Migros-Magazin» mit rund 2,3 Millionen etwas weniger. Beide mussten einen Leserrückgang von 3 Prozent hinnehmen. Nur vereinzelt konnten Zeitschriften ihre Leserschaft erweitern. Allen voran sind dies «Migusto» (543’000 / + 16 Prozent) und die WoZ (97’000 / + 15 Prozent). Ein Leserplus gabs auch für die Hefte «Wandern.ch» und «Die Alpen».

Mit 18 Prozent am stärksten verloren haben die Zeitschriften «Auto Illustrierte» (104’000) und «Freundin» (46’000). Auch «Brigitte» (68’000), «Schweizer Familie» (510’000), «Schweizer Illustrierte» (508’000) oder «Style» (239’000) haben 12 Prozent weniger Leserinnen und Leser erreicht als im Vorjahr.

Keine Signifikanzen ausgewiesen

Die Wemf liefert mit der Mach Basic zweimal im Jahr Daten über die Leserschaft von Zeitungen und Zeitschriften. Bei dem Jahresvergleich der Reichweiten ist anzumerken: Das Forschungsinstitut weist keine Signifikanzen mehr aus. Resultate also, die über den statistischen Fehlerbereich hinaus und damit nicht zufällig zustande gekommen sind.

Um der digitalen Transformation in der Branche Rechnung zu tragen, publiziert die Wemf seit Herbst 2015 nebst der Reichweitenstudie Mach Basic zusätzlich die Studie Total Audience. Sie ermöglicht die Gesamtbetrachtung von Medienmarken, in dem sie Auskunft über die Reichweiten von Pressetiteln, Webangebot und Doppelnutzern gibt. Eine Auswertung dieser Intermedia-Studie lesen Sie im Laufe des Mittwochs auf persoenlich.com.



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Kommentare

  • Sebastian Renold, 08.10.2019 15:53 Uhr
    Die NZZ verlor jeden siebten Lesers: Gujers finanzstarke Expansion nach Deutschland hat dem Blatt anscheinend nicht gebracht, was es im Inland einbüsste. Dafür erhält der "grosse Bruder" jetzt auch noch einen festen Platz auf der Frontseite.
  • Robert Weingart , 08.10.2019 17:19 Uhr
    Kein Wunder verlieren die Sonntagstitel, insbesondere die SoZ „glänzt“ mit Schreibtischjournalismus, statt rauszugehen. Und nun die Quittung.
  • Victor Brunner, 08.10.2019 18:35 Uhr
    TAmedia verliert auf der ganzen Linie, so gewollt und voran getrieben vom Management. Zusammenschlus von Regionalzeitungen, Goldküste und Zimmerberg neu in einer Zeitung, ZSZ, Region neu definiert vom Management. TA gestern und heute, Bund Zürich ca. 2 3/4 Seiten Berichterstattung für den grössten und wichtigsten Kanton der Schweiz. Dafür im Bund viel wo es sich nicht einmal lohnt mehr als 3 Zeilen zu lesen. Zürich Bund sollte neu mit VARIA betitelt werden, da weiss jeder anspruchsvolle Leser dass er den Bund unbeschen zum Altpapier lesen kann. SOZ, immer mehr Sponsored Contents, oder Hinweise dass der Journalist im Auftrage schreibt. Leider ist die NZZ am Sonntag auch keine Alternative! Verständlich dass die Verleger an die Honigtöpfe der SteuerzahlerInnen wollen. Leistung abbauen, Gewinne von der Allgemeinheit sichern lassen! Verständlich dass Werber in den Schrumpfblättern keine oder nur Werbung mit hohen Rabatten schalten. Die VR von NZZ und TAmedia sind gefordert Managements zu installieren die den Anforderungen gewachsen sind.
  • Tiziana Billeter, 08.10.2019 19:50 Uhr
    Nun kommen sie wieder, all die Besserwisser mit Berufserfahrung in der vordigitalen Epoche. Die wissen noch, wie man's machen sollte. Lasst sie wieder ans Ruder, die Brunners & Co, und die Auflagen steigen wieder. Aber sicher.
  • Ueli Custer, 09.10.2019 07:27 Uhr
    Interessant finde ich vor allem, wie sich links aussen und rechts aussen annähern. Konkret: Die WOZ hat seit 2013-2 immerhin 29,3% Leser dazu gewonnen während die Weltwoche seither 33,7% verloren hat. Mit 3,4% Reichweite liegt die Weltwoche aber immer noch klar vor der WOZ mit 2,0%.
  • Victor Brunner, 09.10.2019 08:50 Uhr
    Tiziana Billeter, Qualitätsabbau hat nichts mit der digitalen Epoche zu tun, sondern mit dem Unvermögen der handelnden Protagonisten.
  • Oliver Brunner, 09.10.2019 11:04 Uhr
    Diese Studie ist vor allem eine Nabelschau in Zürichs Kreisen 1-5. Immer Wewo, Woz, Republik. Dabei hat etwa die Bündner Zeitung täglich mehr Leser. Aber das sind ja keine "Extremmeinungen" darüber diskutieren Fachleute in den PR-Agenturen von Zürich 1-5 nicht.
  • Peter Herzog, 09.10.2019 17:12 Uhr
    La Liberté aus Freiburg schreibt, dass im Welschland Le Matin Dimanche und 20minutes mit jetzt 330‘000 (-51000), resp. 469‘000 (-31000) Leserinnen und Leser am meisten Rückgang zu verzeichnen hatten. Im Plus sind Le Temps mit 113‘000 Leserinnen und Leser (+5000) und 24heures 168‘000 (+4000). La Liberté, eine der ganz wenigen Abo-Zeitungen in der Westschweiz, die nicht unter dem Diktat aus Zürich, Berlin oder einem französischen Verleger steht, vermochte laut Artikel seine Leserzahl um 1000 auf 102‘000 zu steigern. In den vergangenen Jahren verzeichnete La Liberté insgesamt ein Plus von 9000 Leserinnen und Leser.
  • Ueli Custer, 10.10.2019 08:39 Uhr
    Peter Herzog: La Liberté weist langfristig tatsächlich eine vergleichsweise positive Entwicklung aus. Der aktuelle Zuwachs von 1000 Leser liegt allerdings mit Sicherheit weit unter dem Vertrauensbereich, auch wenn ihn die WEMF aus unerfindlichen Gründen und ohne Begründung nicht mehr ausweist. Ein weiterer eklatanter Fehlentscheid der Printbranche, die gegenwärtig alles unternimmt, ihr Vertrauen zu verspielen. Zum Beispiel mit "Sponsored Content".

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