20.10.2004

Medientage München

"Kommunikations-Profis brauchen Managementwissen"

"Schreiben und Redigieren können reicht nicht."

Die Aus- und Fortbildung von Kommunikationsmanagern muss reformiert werden: Gefragt sind neue Angebote, die das Know-how von Public Relations und Management miteinander verbinden. Das forderten renommierte Experten bei einer Podiumsdiskussion am Mittwoch im Rahmen der diesjährigen Medientage München. Sie debattierten auf Einladung von MedienCampus Bayern und der Bertelsmann Stiftung unter dem Titel "Führend in Kommunikation“ über die Ausbildung von Kommunikationsmanagern.

Horst Avenarius, Romy Fröhlich, Helmut Krcmar, Sabine Kuhnert, Andreas Severin und Holger Sievert waren sich einig: Das Thema Qualifizierung in der Kommunikationsbranche ist hochaktuell. Einhellig bemängelten die Teilnehmer, dass nach wie vor einheitliche Ausbildungsstandards fehlten. Viele Unternehmen seien unzufrieden mit den Angeboten des Qualifizierungsmarkts. Insbesondere die bislang praktizierte Trennung von PR- und Management-Kompetenzen sei nicht mehr zeitgemäss. "Schreiben und Redigieren“ zu können, reiche für erfolgreiche PR-Arbeit längst nicht mehr aus, gaben die Fachleute zu bedenken. Zudem sei im Kommunikationsbereich die strategische Personalentwicklung nach dem Berufseinstieg unzureichend.

Zitate der Diskussionsteilnehmer:

Dr. Horst Avenarius (Bayerische Akademie für Werbung und Marketing): "Die Einsatzmöglichkeiten von Kommunikationsmanagern nehmen exponentiell zu. Um darauf vorbereitet zu sein, ist neben der fachlichen Ausbildung eine breite Allgemeinbildung erforderlich. Sie kann an PR-Ausbildungsstätten nicht gelehrt werden. Aber sie sollte für eine Aufnahme Voraussetzung sein. Und sie sollte immer und immer wieder mit Beispielen eingefordert werden.“

Prof. Dr. Romy Fröhlich (Ludwig-Maximilians-Universität München): "In Sachen PR-Ausbildung erscheint Deutschland immer noch extrem rückständig. Auch in der Informations- und Kommunikationsgesellschaft fristet Public Relations etwa im Vergleich zu Marketing in Deutschland immer noch ein stiefmütterliches Dasein. Wer es sich erlaubt, vor diesem Hintergrund die zukünftige PR-Elite immer noch nur in 'Schreiben und Redigieren' auszubilden, der kann einpacken.“

Prof. Dr. Helmut Krcmar (Technische Universität München): "Aus- und Weiterbildung von Kommunikationsmanagern muss mehr leisten als ein Toolset für Kommunikateure. Um den komplexer werdenden Anforderungen im Unternehmens-Umfeld gerecht zu werden, gilt es, sowohl Kommunikations- als auch Führungskompetenz zu vermitteln. Es ist notwendig, eine Brücke zwischen den bisher getrennten Feldern der Kommunikation und der Führung zu schlagen.“

Sabine Kuhnert (comm.passion group): "Kommunikations-Fachleute der Zukunft brauchen eine fundierte Management-Ausbildung, gepaart mit psychologischen, aber auch juristischen Kenntnissen. Wir benötigen einen neuen Typus von Fachleuten. Ich bin froh, dass auf einigen Plattformen wie hier bei den Medientagen bereits unter dem Begriff 'Kommunikationsmanager' über eine Profession diskutiert wird, die doch in weiten Teilen noch von klassisch journalistisch ausgebildeten Menschen betrieben wird.“

Andreas Severin (Gesellschaft Public Relations Agenturen): "Der Markt für die Qualifizierung von Kommunikationspersonal muss mehr Profil entwickeln. Hier ist ein neuer Professionalisierungsschub vonnöten. Wir brauchen im Weiterbildungssegment neue hochwertige Angebote, die die Kommunikationskompetenz anschlussfähig an Managementprozesse machen. Die Kommunikationsbranche muss die alte Selbsteinordnung, Kommunikationsberufe seien reine Begabungsberufe, endgültig überwinden.“



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