16.06.2020

Serie zum Coronavirus

«Ich war nie an einem Frauenstreik»

Folge 66: Model, Moderatorin und Unternehmerin Anita Buri hält sich bei Events mit mehreren Menschen zurzeit noch zurück. Im Interview spricht sie zudem über die Frauenquote und Übergriffe in der Modelbranche.
Serie zum Coronavirus: «Ich war nie an einem Frauenstreik»
«Ich hoffe, dass diese Zeit eine nachhaltige Wirkung hat und die Menschen nicht gleich wieder los stressen», sagt Model und Moderatorin Anita Buri. (Bild: Bolzerntwins)
von Matthias Ackeret

Frau Buri, wie erleben Sie die jetzige Zeit?
Es ist Spannung in der Luft. Die Menschen waren lange zu Hause, einige stürmen nun von 0 auf 100 raus. Meinungen gehen auseinander, es wird scharf diskutiert. Ich wünsche mir, dass man überlegt und respektvoll handelt. Ich beobachte und mache mir so meine Gedanken.      

Inwiefern hat sich Ihr Leben durch die Aufhebung des Lockdowns wieder verändert?
Seit dem 8. Juni ist bei uns der Alltag zurück. Ich lerne gerade den neuen Berufsalltag mit Vorsicht und Respekt kennen. Ich hatte bereits ein Fotoshooting für aktuelle Kundenbilder. Im Homeoffice bereite ich einen Sommerevent vor. Ich starte langsam, Schritt für Schritt. Events mit mehreren Menschen gegenüber bin ich noch vorsichtig. Ich halte mich da momentan zurück und beobachte.

Sie sind hauptberuflich als selbstständige Unternehmerin, Moderatorin und Modell tätig. Hatten Sie viele Ausfälle während dieser Zeit?
Ich war in Kurzarbeit, das hat gut funktioniert. Zum Glück wurden viele meiner Aufträge auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Drei grosse Anlässe wurden ganz abgesagt. Modeshows und Moderationen für den Herbst stehen auf Option. Bei guter Entwicklung der Situation arbeite ich im Herbst wieder normal.

Verspüren Sie bereits wieder einen Aufschwung? Lidl Schweiz, den Sie ja repräsentieren, dürfe es ja momentan nicht so schlecht gehen.
Für Lidl Schweiz arbeite ich seit 2014 in guter Zusammenarbeit als Markenbotschafterin. Dank meinem Auftraggeber konnte ich trotz Lockdown via Social Media etwas arbeiten. Die Crew hat einen super Job gemacht während des Lockdowns und jetzt natürlich auch, ein grosses Kompliment meinerseits. Allgemein spüre ich, dass es langsam wieder aufwärts geht in der Berufswelt, aber eben langsam. Wir müssen Geduld haben.

«Leider legen sich Frauen manchmal auch gegenseitig Steine in den Weg, dies ist eine Frage des Charakters und nicht des Geschlechts.»

Was wird von dieser aussergewöhnlichen Zeit bleiben?
Wir haben gesehen, dass wir mit dem Nötigsten zurechtkommen. Wir sind eine verwöhnte Gesellschaft und leben im Überfluss. Wir hatten ein Dach über dem Kopf, zu Essen und konnten telefonisch die uns wichtigen Menschen erreichen. Das liess sich aushalten und war machbar. Es war mir eine Freude, die Natur zu beobachten wie sie sich erholt. Ich hoffe, dass diese Zeit eine nachhaltige Wirkung hat und die Menschen nicht gleich wieder losstressen und dem gleichen Trott verfallen wie vorher. Man darf sich Auszeiten gönnen und muss nicht rund um die Uhr erreichbar sein.

Vor genau einem Jahr fand der Frauenstreik statt. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Ich war nie an einem Frauenstreik. Ich bin auch kein Fan der Frauenquote. Bei uns kann man als Frau viel erreichen. Lohngleichstellung muss selbstverständlich sein. Frauen sollen sich zeigen, mutig und stolz sein, fleissig arbeiten und das Weibliche zelebrieren. Eine Frau kann sexy und erfolgreich zugleich sein. Leider legen sich Frauen manchmal auch gegenseitig Steine in den Weg, eine Frage des Charakters und nicht des Geschlechts. Wenn alle Frauen anfangen sich gegenseitig den Rücken zu stärken, dann ist meiner Meinung nach viel erreicht. 

Hat sich die Stellung der Frau in unserer Gesellschaft zwischenzeitlich verbessert?
Ich fühle mich absolut wohl als Frau in unserem Land. Anstrengend finde ich, dass heute hinter jeder Berufsbezeichung ein «/in» stehen muss.

«Schmudelangebote haben mich nie beeindruckt»

Momentan ist verschiedentlich von Übergriffen in der Modellbranche zu lesen. Haben Sie selbst – wie einige Ihrer Kolleginnen – solche Erfahrungen gemacht?
Ich denke, dass es in jeder Branche seriöse und unseriöse Menschen gibt. Machtpositionen werden teils ausgenutzt. Unmoralische Angebote gibt es. Gute Erziehung, Selbstvertrauen und Selbstverteidigung schaden sicher nicht. Man darf aber nicht vergessen, dass es auch sehr viele gute Leute gibt in der Modelbrache. Als Model startet man sehr jung als Teenager, man ist alleine international unterwegs, das kann ausgenutzt werden. Junge Models sollten in Begleitung an Castings, oder Shootings gehen und die Familie immer informieren, wo sie sich gerade aufhalten. Ich habe mit 16 Jahren mit dem Modeln angefangen und die Mama oder Oma waren oft mit von der Partie. Ich finde es gut, dass darüber gesprochen wird. Mich hat die Modelbranche stark geformt und mir einen starken Willen mit auf den Lebensweg gegeben. Schmudelangebote haben mich nie beeindruckt, ich habe mich klar davon distanziert.

Was war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Wochen?
Ich habe mit Freude spüren dürfen, dass ich ganz gute Menschen um mich herum habe. Der Kontakt mit Freunden, Familie, aber auch Kunden war viel intensiver als sonst. Ich sage Danke.


Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.



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