07.11.2016

René Hildbrand

«Über unbedeutende Politiker gibt es keine Witze»

Der Autor veröffentlicht sein neues Buch «Schweizer Politik zum Lachen». Im persoenlich.com-Interview sagt er, warum Lachen in die Politik gehört und wer sich bereits erkundigt hat, ob er im Buch vorkommt.
René Hildbrand: «Über unbedeutende Politiker gibt es keine Witze»
René Hildbrand: «Es ist zwar ein sehr freches Buch, aber es wird niemand von mir geröstet.» (Bild: zVg.)
von Christian Beck

Herr Hildbrand, Sie stellen fest, dass sich das politische Klima in der Schweiz verändert hat. Inwiefern?
Wenn Sie die Sessionen oder öffentliche Polit-Veranstaltungen und -Diskussionen verfolgen, stellen Sie rasch fest, dass die Auseinandersetzungen härter und roher geworden sind. Respekt und Toleranz haben in allen politischen Lagern an Höhe verloren. Das ist nicht nur in unserem Land so. Zwischentöne werden kaum mehr wahrgenommen. Und manche Politiker ziehen schon mal die Krawatte aus, um lauter brüllen zu können. Schärfer geworden sind daher auch Sprüche und Witze über Volksvertreter und Regierung. Das können Sie in meinem witzig-satirischen Buch leicht feststellen. Der grosse deutsche Journalist, Aphoristiker und TV-Moderator Robert Lembke, den ich persönlich gut kannte, sagte einmal: «Das gefährliche an politischen Witzen ist, das manche ein Amt bekommen.»

Und Humor soll nun die ruppigen Auseinandersetzungen wieder lockern?
Lachen kann Konflikte entschärfen, Eis brechen und Nähe schaffen. Und das Lachen ist eine Waffe in der Auseinandersetzung. Klar: Politik ist eine ernste Angelegenheit. Der Witz und das Lachen sind aber Mosaiksteine, ohne die das Bild der Politik unvollständig wäre. Wirklich frei sind die Menschen ja nur, wenn sie über alles lachen dürfen. Politiker, denen die rhythmischen und geräuschvollen Atemstösse fremd sind, die nicht – auch nicht über sich selbst – lachen können, kann ich nicht ernst nehmen.

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555 Sprüche und Anekdoten haben Sie gesammelt. Verraten Sie uns Ihre Lieblingsanekdote?
Gespräch in der Kaffeepause am Arbeitsplatz: «Gestern habe ich Nationalrat Andreas Glar im Fernsehen gesehen.» – «Glar? Der heisst doch Glarner!» – «Da siehst du mal, wie schnell ich abschalte, wenn der auf dem Bildschirm erscheint.»

Muss irgendein Politiker Angst haben vor dem Buch?
Nein. Es ist zwar ein sehr freches Buch, aber es wird ja niemand von mir geröstet. Ich fürchte mich ja schliesslich auch nicht vor fähigen Politikern. Ich fürchte mich nur vor den zu allem Fähigen. Ein Berner Nationalrat hat sich übrigens schon vor Wochen sehr freundlich erkundigt, ob er auch in dem Buch vorkommt. Es ist allerdings schon so, dass manche Mitglieder der politischen Elite empfindlich sind, wenn es um kritische Witze und Sprüche geht. Sie fürchten die Pointe, aber sie nutzen sie ebenfalls. Etwa dann, wenn sie sich über ihresgleichen lustig machen. Über unbedeutende Politiker gibt es übrigens keine Witze oder Karikaturen. Und mein diesbezügliches Motto lautet: Lieber einen guten Bekannten in der Politik verlieren als eine gute Pointe.

Wie haben Sie diese 555 Sprüche und Anekdoten gesammelt?
Spätestens mit 16 Jahren, also schon vor über fünfzig Jahren, habe ich damit begonnen, mich intensiv mit Humor zu befassen. Und auch mit Politik. Über 50 Prozent der Sprüche, Reime, Anekdoten und Witze sind Eigenproduktionen. Ausserdem bin ich ein Dauersammler, wo immer ich mich aufhalte. Der Volksmund bemächtigt sich einer Anekdote und hängt sie wie einen Mantel einer politischen Figur um. Der Mantel muss allerdings passen.


 «Schweizer Politik zum Lachen» von René Hildbrand erscheint im Weltbild-Verlag und hat 176 Seiten. Hildbrand ist Journalist und langjähriger Fernsehkritiker. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star». Er schreibt in unregelmässigen Abständen TV-Kritiken für persoenlich.com.

 



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