11.07.2021

Livesystems-Verkauf

«Es fliesst kein Geld von der Post»

Die Übernahme von Werbevermarkter Livesystems durch die Post hat für Gegenwind gesorgt. Kritik kommt unter anderem vom Verband Aussenwerbung Schweiz. Oliver Egger, Geschäftsführer Medien- und Werbemarkt bei der Post, über die Hintergründe des Deals.
Livesystems-Verkauf: «Es fliesst kein Geld von der Post»
«Livesystems muss aus eigener Kraft am Markt bestehen», sagt Oliver Egger, Geschäftsführer Medien- und Werbemarkt bei der Post. (Bild: Post)
von Matthias Ackeret

Herr Egger, die Post hat Livesystems gekauft und dringt nun in den DOOH-Markt ein (persoenlich.com berichtete). Was gab den Ausschlag für diesen Kauf?
Die Post ist bereits heute ein starker Partner im Versand von physischer Werbung. Das ist ein wichtiges Standbein und gehört zu unserem Kerngeschäft. Zunehmend erfolgt das Marketing heute digital. Die Post will diesen Bereich in die digitale Zukunft führen. Sie will für ihre Geschäftskunden auch künftig Werbebotschaften verteilen. Dies jedoch zunehmend physisch und digital. Deswegen hat die Post die Livesystems gekauft. Wir entwickeln uns so mit der zunehmenden Digitalisierung der Werbung. Ein logischer Schritt also.

Wo sehen Sie ein Potenzial für Livesystems?
Livesystems verfolgt heute ein mehrheitlich digitales Geschäftsmodell. Aussenwerbung kann jedoch ideal mit physischer Werbung kombiniert werden. Livesystems kann in diesem Bereich von der Post profitieren und die Post im Gegenzug von Livesystems. Eine Win-win-Situation für beide Unternehmen.

Man spricht von einem Verkaufspreis von etwa 110 Millionen Franken. Ist dies für einen Staatsbetrieb gerechtfertigt?
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Parteien über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart haben. Ganz grundsätzlich finanzieren wir die Übernahme mit selbst erwirtschaftetem Geld.

«Livesystems ist ein gesundes Unternehmen»

Kommt es durch Ihren Eintritt nicht zu wettbewerbsrechtlichen Verzerrungen im Aussenwerbungsbereich, wie dies auch der Verband Aussenwerbung Schweiz zu bedenken gibt?
Nein, jedenfalls nicht wegen Livesystems. Livesystems ist ein gesundes Unternehmen und hat heute einen Marktanteil im tiefen zweistelligen Prozentbereich. Das Unternehmen muss als eigenständiges Unternehmen des Post-Konzerns am Markt bestehen. Es fliesst kein Geld von der Post in Livesystems.

Nun baut die Post in ihrem Stammbereich dauernd Leistungen ab, indem sie Poststellen schliesst, die Posttaxen erhöht oder die Leerungszeiten bei den Briefkästen auf den Morgen verlegt. Wäre es unter diesen Prämissen nicht sinnvoller, sich auf den Service-public-Teil zu konzentrieren?
Wir investieren dort, wo Kundinnen und Kunden von einem direkten Nutzen profitieren. Und weil sich die Kundenbedürfnisse verändern, verändert sich auch die Post. Das hat sie in den letzten 170 Jahren erfolgreich unter Beweis gestellt. Im Unterschied zu anderen Service-public-Dienstleistungen, welche durch staatliche Subventionen finanziert werden, erbringt die Post die postalische Grundversorgung aus eigenen Mitteln. Die Post will auch in Zukunft Gewinne erwirtschaften, um damit den postalischen Service public ohne staatliche Mittel zu finanzieren – für die Menschen und Unternehmen in der Schweiz. Davon profitieren die Menschen als Kundinnen und Kunden, aber gleichermassen auch als Steuerzahlende.

«Das Management bleibt in der Verantwortung»

Wie werden Sie Livesystems künftig organisieren?
Alle Mitarbeitenden von Livesystems werden übernommen. Auch das Management bleibt in der Verantwortung. Livesystems soll weiterhin auf ihre Stärken bauen und so stabil in die Zukunft geführt werden. Eine Reorganisation oder Integration in die Post ist derzeit also nicht geplant.

Stellen Sie zusätzliches Personal ein?
Livesystems muss aus eigener Kraft am Markt bestehen und kann mit dem selbst erwirtschafteten Geld auch wachsen. Wenn das Wachstum betriebswirtschaftlich sinnvoll und nachhaltig ist, dann wird Livesystems auch mehr Leute einstellen.

Wer macht künftig die Werbung in den Postautos?
Die Bildschirme in den Postautos vermarktet Livesystems. Die physische Werbung in und an den Postautos hingegen macht ein Wettbewerber von Livesystems. An dieser Situation wird sich nichts ändern. Die entsprechenden Aufträge wurden öffentlich ausgeschrieben und die Verträge laufen noch mehrere Jahre.

Welche Vorteile hat Livesystems gegenüber den beiden grossen Mitbewerbern APG und Clear Channel?
Livesystems ist sehr präsent im öffentlichen Verkehr und in einem spezifischen Umfeld des nationalen Einzelhandels. Die genannten Mitbewerber sind ihrerseits an sehr stark frequentierten städtischen Lagen präsent, wo Livesystems weniger vertreten ist.



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