13.02.2020

Ringier kauft Admeira

Nach vier Jahren zurück auf Feld eins

Sie war angetreten um den Schweizer Werbemarkt vor Google und Facebook zu retten. Nun ist Admeira eine hundertprozentige Ringier-Firma, die SRG-Werbung vermarket. Das wirft viele Fragen auf. Wir liefern vier Antworten.
Ringier kauft Admeira: Nach vier Jahren zurück auf Feld eins
Ein Unternehmen in bewegtem Umfeld: Im Frühjahr 2016 wurde das Namensschild von Admeira an einem Standort montiert. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

1. Die SRG-Sender werden von der Ringier-Firma Admeira vermarktet: Wie lange noch?

Als die drei Partner im Sommer 2015 ihre Werbeallianz verkündeten, wurden die SRG-Kanäle durch das Tochterunternehmen Publisuisse vermarktet. Mit dem Start im April 2016 ging die Vermarktung an Admeira über. Der damalige Publisuisse-Chef Martin Schneider war zu Beginn auch CEO des neugegründeten Joint-Ventures. Nach Bekanntwerden des Projekts gab es politisch ein heisses Eisen: Die zielgruppenspezisische Werbung auf SRG-Kanälen. Noch vor dem Start erteilte die damalige Medienministerin Doris Leuthard der Allianz grünes Licht. Allerdings unter der Auflage, dass auf Zielgruppen zugeschnittene Werbung untersagt bleibt.

Mit Blick auf die Vermarktung fällt die SRG heute, vier Jahre später, zurück auf Feld eins – oder noch eher minus eins. Denn im Vergleich zu früher, als die SRG ihre Kanäle mit der Tochterfirma Publisuisse selbst vermarktete, übernimmt dies heute via Admeira das Medienhaus Ringier.

Auf Nachfrage sieht SRG-Sprecher Edi Estermann keinen Nachteil: «Die SRG hat mit Admeira einen hochprofessionellen und starken Vermarkter in einem für alle herausfordernden Marktumfeld. Die Fokussierung auf den TV-Markt erachten wir als Chance für die SRG.» Man habe mit Admeira zudem einen laufenden Vermarktungsvertrag und sei auch weiterhin an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert.



2. Warum löst sich die Swisscom erst jetzt aus diesem Deal?

Die Rahmenbedingungen für zielorientierte Werbung hätten sich nicht so entwickelt, wie vor vier Jahren angenommen, begründet die Swisscom ihren Admeira-Ausstieg. Hier stellt sich die Frage: Wenn doch bereits seit vier Jahren klar ist, dass die SRG keine zielgruppenspezifische Werbung ausstrahlen darf, warum macht Swisscom diesen Schritt erst jetzt? Die Swisscom will darüber keine langen Reden: Man könne sich immer fragen, wann der beste Zeitpunkt für eine solche Transaktion sei, schreibt Sprecher Sepp Huber. «Fakt ist: Kurz nach der Gründung von Admeira wurde die Diskussion zu den Radio- und Fernsehgebühren gestartet und die Politik hat das Verbot der SRG für die Radio- und Online-Werbung sowie zielgerichtete TV Werbung nicht aufgehoben. Aus diesem Grund konnten die innovativen Cross-Media-Formate nicht wie geplant lanciert werden». Damit sei ein wichtiger Treiber verschwunden. Und was ist mit den vergeudeten Ressourcen? Auf die Frage, wo sich die Swisscom durch das Admeira-Engagement allenfalls doch einen Marktvorteil verschaffen konnte, ging Huber gar nicht erst ein. Was aber ja eigentlich auch eine Antwort ist.

Swisscom lässt ihr Bluewin- und localsearch.ch-Inventar künftig von Ringier vermarkten. Von Ringier deshalb, weil es laut Huber «keinen Anlass gibt, den Vermarkter zu wechseln».

 

 

 

3. Was macht Ringier mit Admeira?

Admeira wird künftig nur noch TV vermarkten. Sie verkauft das Werbeinventar der SRG SSR sowie der TF1 Gruppe, Tele Regio Combi (TRC), von MySports und WetterTV. Zudem vermarktet Admeira Blick TV, das Live-TV-Angebot von Ringier, das bald starten soll. Trotz einem Abbau von 25 der aktuell 278 Stellen und der Auslagerung der Abteilung Sponsoring zur SRG gibt es keine Änderung bei den Standorten. «Der Berner Standort von Admeira bleibt genauso wie der Standort im Medienpark in Zürich Altstetten bestehen», sagt Ringier-Sprecherin Johanna Walser auf Anfrage.

 

 

 

4. Bringt die neue Struktur Vorteile für Ringier bei der Login-Allianz?

Ringier treibt derzeit mit grossen Anstrengungen die Login-Allianz voran, deren Ziel es ist, den Usern der Schweizer Newswebsites zielgruppenspezifische Inhalte und Werbung ausliefern zu können. Dabei sollen die Daten der beteiligten Medienhäuser nicht in einen gemeinsamen Topf kommen, sondern jedes Medium werde seine eigenen Daten verwenden und eigenständig für sich die eigenen Daten verbessern. «Wir als NZZ werden so unsere Daten verbessern können, 20 Minuten verbessert seine Daten und der Blick verbessert seine Daten – also jedes Medium für sich», sagte der Zuständige von der NZZ, Andreas Bossecker im Herbst 2019 gegenüber persoenlich.com. Kann nun allenfalls Ringier über das Swisscom-Inventar die eigenen Daten verbessern? «Nein», sagt Ringier-Sprecherin Walser, und weiter: «Es gibt keinen automatischen Datenaustausch. Der Blick könnte allerdings – wie alle anderen Marktteilnehmer auch – Swisscom-Daten auf kommerziellem Wege beziehen. Das hat aber nichts mit der Vermarktungstätigkeit beim Swisscom-Inventar zu tun.»

Mitarbeit: Michèle Widmer

 

Lesen Sie dazu den Kommentar auf dem persoenlich.com-Blog. 



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