15.11.2018

Sparprogramm CH Media

«Der Stellenabbau wird alle Bereiche treffen»

CEO Axel Wüstmann nimmt im Interview Stellung zum angekündigten Abbau von 200 Vollzeitstellen. Zudem gibt er weitere Einzelheiten zum Sparprogramm bekannt und sagt, wo momentan die grössten Schwierigkeiten liegen.
Sparprogramm CH Media: «Der Stellenabbau wird alle Bereiche treffen»
«Wir rechnen mit einem weiteren Rückgang des Printwerbemarkts von rund zehn Prozent pro Jahr», sagt Axel Wüstmann im Interview. (Bild: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Wüstmann, CH Media – das Joint Venture zwischen NZZ und AZ Medien – gibt den Abbau von 200 Vollzeitstellen bekannt. Wissen Sie bereits, welche Bereiche betroffen sind?
Das können wir heute noch nicht sagen. Wir haben am Mittwoch und Donnerstag unsere Mitarbeitenden über das Integrationsprogramm informiert, das aus 40 Projekten und 100 Teilprojekten besteht und über die nächsten 24 Monate umgesetzt wird. Das Integrationsprogramm betrifft sämtliche Unternehmensbereiche. Die einzelnen Projekte laufen zeitlich unterschiedlich an und dauern auch unterschiedlich lang. Wir werden unsere Mitarbeitenden regelmässig informieren.

Wieviel kann durch Frühpensionierung oder Fluktuation bewerkstelligt werden?
Den Anteil der möglichen Fluktuationen kennen wir aktuell noch nicht. Grundsätzlich wollen wir den Stellenabbau so sozialverträglich wie nötig umsetzen, sprich Fluktuation, Frühpensionierung etc. nutzen. Kündigungen wird es trotzdem geben.

«Die regionale Verwurzelung insbesondere unserer Redaktionen wollen wir natürlich erhalten»

Gibt es regionale Unterschiede?
Nein. Das Integrationsprogramm ist darauf ausgelegt, die beiden Unternehmen mit über 25 Standorten zu integrieren. Es geht darum CH Media für die Zukunft aufzustellen und nicht um regionale Unterschiede. Eins ist klar, die regionale Verwurzelung insbesondere unserer Redaktionen und die Kundennähe wollen wir natürlich erhalten. Kein anderes Medienunternehmen in der Schweiz ist regional so verankert wie CH Media. Das ist unsere Stärke. Nahe beim Leser, Zuschauer, Hörer und unseren Kunden.

Betrifft es eher Produktion oder Redaktion?
Das Integrationsprogramm wird auf alle Bereiche ausgerollt. Dementsprechend werden auch alle Bereiche vom Stellenabbau betroffen sein.

Gibt es einen Sozialplan?
Ja, einen Sozialplan wird es geben. Wir werden diesen gemeinsam mit der Personalkommission in den nächsten Wochen ausarbeiten.

Werden Sie einzelne Zeitungstitel, Zeitschriften oder Sender einstellen müssen?
Die Frage können wir heute nicht beantworten. Grundsätzlich wollen wir unsere über 80 Marken in den Regionen stärken und pflegen. Und wir wollen ein wirtschaftlich gesundes Portfolio. Entsprechend überprüfen wir dieses regelmässig, wie auch in der Vergangenheit.

«In dieser Phase ein positives Zukunftsbild zu vermitteln, ist wichtig und schwierig zu gleich»

Sie sprechen von einer «äusserst angespannten Marktsituation». Mit welchen Prognosen rechnen Sie für die nächsten zwei Jahre?
Wir rechnen mit einem weiteren Rückgang des Printwerbemarkts von rund 10 Prozent pro Jahr. Auch die Abonnementerlöse werden leicht rückläufig sein. TV & Radio stabil, Digital wachsend, aber mit schwachen Margen im journalistischen Geschäft. Insgesamt ist der Druck enorm und die nötigen Investitionen für die Transformation und Zukunftssicherung sind hoch.

Könnte es sein, dass es nochmals zu einem Stellenabbau kommt?
Das Integrationsprogramm läuft bis 2020. Wir wollen dies konsequent umsetzen. Alles andere sehen wir dann.

Welche weiteren Sparmassnahmen fassen Sie ins Auge?
Wir sparen in allen Bereichen und nicht nur bei den Personalkosten. Sachkosten, Fremdleistungen etc. tragen über die Hälfte zum Sparziel von 45 Millionen Franken bei.

Sie sprechen von 40 Projekten und 100 Teilprojekten. Können Sie Beispiele nennen?
Eine gemeinsame Mantelredaktion ist offensichtlich, die Zusammenführung von HR und Finanzen der beiden Unternehmen gehört ebenso dazu, wie die Vereinheitlichung der IT Services. Vom gemeinsamen Einkauf bis zu einer Eventstrategie im Bereich TV & Radio. Wie gesagt, sämtliche Bereiche des Unternehmens sind eingebunden.

«Wo die Mantelredaktion sein wird, wissen wir noch nicht»

Wo stehen Sie mit dem Joint Venture?
Am Anfang. Der operative Betrieb wurde zum 1. Oktober 2018 aufgenommen und CH Media wurde für die nächsten Jahrzehnte gegründet, nicht für ein paar Jahre. Es geht jetzt darum, fit zu werden für die Zukunft.

Wo liegen die grössten Herausforderungen?
Die Unsicherheit der Mitarbeitenden in der aktuellen Umbruchphase aufzufangen ist wohl die grösste Herausforderung. Die Chancen von CH Media, mit 470 Millionen Franken Umsatz, mit über 80 Marken in der Schweiz aufzuzeigen auch wenn wir gerade reorganisieren. In dieser Phase ein positives Zukunftsbild zu vermitteln, ist wichtig und schwierig zu gleich. Aber das kennen wir in unserer Branche. Und ich sage jedem Mitarbeitenden, dass wir mit CH Media in den kommenden fünf Jahren viel mehr Chancen haben als die beiden Ursprungsunternehmen NZZ-Regionalmedien und AZ Medien im Alleingang je gehabt hätten.

Wissen Sie bereits, wo der Hauptsitz ist?
Der steuerliche Sitz von CH Media ist in Aarau. Ansonsten sind wir aufgrund der regionalen Verwurzelung über 13 Kantone breit verstreut. Ein Vorteil und manchmal auch ein Nachteil.

«Man kann sich nicht in die Zukunft sparen»

Kommt es zu einer Zentralredaktion?
Ja. Klar ist, dass wir die sogenannte Mantelredaktion zusammenführen werden. Wo dies sein wird, ist jedoch noch nicht entschieden.

Was sind die nächsten Schritte?
Wir werden jetzt konsequent die 40 Projekte umsetzen, um die beiden Unternehmen – NZZ-Regionalmedien und AZ Medien – zu integrieren. Dies wird, neben dem Tagesgeschäft, unsere gesamte Aufmerksamkeit beanspruchen. Ab Anfang 2019 beginnen wir einen Strategieprozess mit dem Ziel, CH Media in die Zukunft zu führen und das nächste Kapitel zu schreiben. Man kann sich nicht in die Zukunft sparen.

 

 

 



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Kommentare

  • Raphael Weber, 15.11.2018 19:07 Uhr
    Toll! Kaufe die Konkurrenz und lebe von 15Mio aus dem Gebührentopf. Sende den ganzen Tag Mediashop, streiche individuelles Programm zu Gunsten von einem Mantelprogramm, streiche 200 Arbeitsplätze, Predige mediale Vielfalt und jammere weiter, es rentiere nicht... Private Medien sollten ab einer gewissen Grösse von Gebührengeldern ausgeschlossen werden!

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