14.10.2021

Papiermangel

«Ende Monat normalisiert sich die Situation»

Der Papiermangel trifft sämtliche Kundinnen der Druckerei von Tamedia. Andreas Schaffner, Co-Geschäftsführer von Tamedia, ist auch verantwortlich für die drei Druckzentren und nimmt Stellung.
Papiermangel: «Ende Monat normalisiert sich die Situation»
Tamedia steht mit seinen Druckzentren unter Druck: Durch den Papiermangel kann es die Konkurrenz nicht beliefern, leidet aber auch selber unter den Kürzungen bei den eigenen Zeitungen. (Collage: persoenlich.com, Bilder: pixabay, Tamedia)
von Loric Lehmann

Herr Schaffner, warum genau fehlt es an Papier – abgesehen vom Brand in der Papierfabrik Perlen (persoenlich.com berichtete)? Stimmt es, dass wegen des E-Commerce-Booms mehr Materialien für Verpackungen gebraucht werden und daher auch das Papier für Zeitungen fehlt?
Korrekt. Der europäische Zeitungspapiermarkt sieht sich aufgrund des Mangels an Rohmaterial bereits seit mehreren Monaten mit einer Papierknappheit konfrontiert, wovon auch die Schweiz betroffen ist. Deshalb ist es leider auch nicht möglich, die aktuell fehlenden Kontingente kurzfristig durch Lagerbestände oder Zukäufe bei weiteren Lieferanten auszugleichen.

Zeitungen bestehen ja zu einem grossen Teil aus rezykliertem Papier. Hat der mengenmässige Rückgang des Altpapiers ebenfalls Einfluss auf das verfügbare Papier in der Schweiz?
Ja. Siehe Antwort eins.

«Es tangiert besonders die Tages- und Sonntagszeitungen»

Wie konkret wirkt sich die momentane Papierknappheit in der Schweiz auf die gedruckten Zeitungen und Zeitschriften der Druckerei von Tamedia aus? Wird bei allen Zeitungen gleich gespart? Oder priorisiert man die Publikationen der TX Group?
Von den kurzfristigen Auswirkungen des Brandes in der Papierfabrik Perlen sind grundsätzlich sämtliche Medientitel, die in den drei Tamedia Druckzentren Bussigny, Bern und Zürich gedruckt werden, tangiert, in erster Linie aber die Tages- und Sonntagszeitungen, da sie den höchsten Papierbedarf aufweisen.

Ringier ist offenbar nicht von den Kürzungen betroffen – zumindest vorerst. Dies, da deren Publikationen wie der Blick sowieso schon weniger Seitenumfänge haben als grosse Regionalzeitungen. Warum müssen diese Zeitungen mehr Seiten streichen?
Alle betroffenen Titel müssen ihren Papierbedarf vorübergehend um rund zehn Prozent reduzieren. Über die konkrete Umsetzung entscheiden die einzelnen Zeitungen bzw. Medienhäuser selbst, entsprechend kann diese variieren.

«Wir sind genauso betroffen wie unsere Kunden»

Was wird denn Kundinnen und Kunden der Druckerei als Entschädigung angeboten? Oder wer haftet genau für diese Kürzungen als Konsequenz?
Wir bedauern sehr, dass wir gezwungen sind, die Zeitungsumfänge aufgrund der unvorhergesehenen externen Einflussfaktoren vorübergehend anzupassen und setzen alles daran, die Produktionsumfänge so rasch wie möglich zu normalisieren. Letztlich sind wir genauso betroffen wie unsere Kunden, die ihre Zeitungen bei uns drucken, sowie generell alle Kunden von Perlen Papier.

Ab wann gehen Sie von einer Besserung aus?
Wir gehen davon aus, dass sich die Situation bis Ende Monat normalisiert und wir ab November wieder die gewohnten Umfänge drucken können.

Printmedien wurden in den letzten Jahren aus Spargründen immer stärker gekürzt. Rechnen Sie damit, dass die Kürzungen der Zeitungen kurzfristig Leserinnen und Leser vergraulen könnte?
Wir versuchen, die vorübergehenden Umfangreduktionen so umzusetzen, dass unsere Leserinnen und Leser möglichst wenig davon spüren und redaktionelle Inhalte weitgehend davon verschont bleiben. Zudem ist das volle Angebot unserer Zeitungen jederzeit online auf den Newssites und in den Apps verfügbar.



Das Interview wurde schriftlich geführt.



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Kommentare

  • Andi Neukomm, 14.10.2021 08:16 Uhr
    Die Coop- und die Migros-Zeitung mit allen ihren Beilagen sind richtige Papierverschwender. Und auch 20 Minuten bleibt je länger desto mehr in der Box liegen → reine Papierverschwendung.

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