25.05.2017

DAB+

Es herrscht dicke Luft im Radioäther

Im Vorfeld der Generalversammlung von SwissMediaCast, dem Betreiber eines DAB+-Netzes, wird Kritik laut. So soll der Firmensitz zu Ringier verlegt und Radio-Energy-Chef Dani Büchi zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt werden. Einige Branchenexponenten befürchten eine Machtkonzentration.
DAB+: Es herrscht dicke Luft im Radioäther
Dani Büchi, Geschäftsführer der Energy Schweiz AG, könnte Verwaltungsratspräsident von SwissMediaCast, dem Betreiber eines Digital-Audio-Broadcasting-Netzes, werden. Dies sorgt im Vorfeld der Generalversammlung für kritische Stimmen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)
von Christian Beck

Den Privatradios steht ein «heisser» Mittwoch bevor. In der Einladung zur Generalversammlung des DAB+-Netzbetreibers SwissMediaCast (SMC) vom 31. Mai stehen Traktanden, die bereits im Vorfeld zu Diskussionen Anlass geben. Kritiker stören sich unter anderem am Traktandum 6: Der Verwaltungsrat wird beantragen, den Sitz der Gesellschaft vom schwyzerischen Wangen nach Zürich an die Dufourstrasse 23 zu verlegen. Das Pikante daran: Das ist der Firmensitz von Ringier, Mitbesitzerin der Radios Energy Zürich und Bern und Minderheits-Aktionärin bei Energy Basel.

Zudem kursieren Gerüchte, dass Radio-Energy-Chef Dani Büchi neuer Verwaltungsratspräsident der SMC werden soll. Einzelne private Radiosender fürchten nun um ihre Existenz, wie es hinter vorgehaltener Hand heisst. Es entstehe eine Machtkonzentration bei Radio Energy, und bei der künftigen Vergabe von Programmplätzen bestehe die Gefahr von Willkür, so die gegenüber persoenlich.com geäusserten Befürchtungen.

Interessant zu wissen ist hier: Ab 2020 sollen regionale Radioveranstalter in den städtischen Agglomerationen mehr Autonomie erhalten. Dann unterliegen sie keiner Konzessionspflicht mit Leistungsauftrag mehr. Dieser Vorschlag ist Teil des Revisionsentwurfs der Radio- und Fernsehverordnung RTVV (persoenlich.com berichtete). Gleichzeitig wird ab 2020 das Digitalradio DAB+ die analoge UKW-Verbreitung in der Schweiz schrittweise ablösen. Die Radiosender müssen sich dabei selber um einen Platz auf einem DAB+-Netz bemühen. In der Schweiz gibt es derzeit drei grosse Netzanbieter: SRG, Digris und SMC. Die SRG benötigt ihr Netz für die eigenen Sender und Digris ist nicht flächendeckend, womit faktisch für kommerzielle Radiosender nur das Netz von SMC infrage kommt. Das alles führt bei den Privatradios zu Sorge oder sogar zu Existenzängsten (persoenlich.com berichtete).

Zu den Aktionären von SMC gehören private Radiostationen, Verlagsunternehmen, unabhängige Medienschaffende sowie Technologie- und Telekomunikationsunternehmen.

«Wir wollen keine politische Diskussion»

Dani Büchi bezeichnet diese Gerüchte im Vorfeld der Generalversammlung als «Stimmungsmache von einzelnen Branchenexponenten», die die Zeichen der Zeit nicht erkannt hätten. «Wir müssen gemeinsam DAB+ vorwärtsbringen. Politische Störfeuer bringen uns nicht wirklich weiter», sagt er in seiner Funktion als SMC-Verwaltungsrat auf Anfrage von persoenlich.com.

Büchi blendet kurz zurück und erwähnt, dass SMC nur dank der Bereitschaft einzelner Aktionäre die nötigen hohen Investitionen in der Vergangenheit überhaupt erst tätigen konnte. «Nur wenige wollten in die Firma investieren», so Büchi. Schliesslich seien Swisscom Broadcast, die SRG und Ringier in die Bresche gesprungen. Swisscom Broadcast sei ein wichtiger Partner von SMC. Die Firma vermietet Antennenplätze und Zuleitungen. Die SRG wollte mit ihrem Engagement die Privatradios bei der Entwicklung von DAB+ unterstützen, auch für die eigenen Programme. Und Ringier habe von Beginn weg an die Zukunft von Digitalradio geglaubt. «Heute machen dieselben Personen Stimmung, die sich damals hinter dem Baum versteckt haben, als es darum ging, SMC mit zusätzlichem Kapital zu versorgen», sagt Büchi. «Es ist bezeichnend, dass die Stimmungsmacher nicht mit Namen hinstehen».

Büchi nimmt im Gespräch mit persoenlich.com ausführlich Stellung zu den anonym geäusserten Befürchtungen, so auch zum geplanten Wechsel des SMC-Geschäftssitzes. Dieser ist momentan an der Wohnadresse des jetzigen Geschäftsführers, der Ende Jahr zurücktreten wird. «Ringier hat als grösster Aktionär den eigenen Firmensitz zur Verfügung gestellt. Wir hätten natürlich auch Büros irgendwo mieten können, was wiederum für Kritik gesorgt hätte», sagt Verwaltungsrat Büchi.

Und ja, er sei vom bestehenden Verwaltungsrat gebeten worden, das Präsidium im neuen Verwaltungsrat zu übernehmen. Fünf von sieben Verwaltungsräten treten an der kommenden Generalversammlung zurück, darunter Präsident Günter Heuberger von Radio Top. Sechs neue Mitglieder sollen gewählt werden. «Natürlich fühle ich mich geehrt über diese Anfrage. Ich habe mich aber noch nicht definitiv entschieden», sagt Büchi. Aber selbst wenn der neue Verwaltungsrat ihn zum Präsidenten wählen würde: «Ein Verwaltungsrat ist keine Diktatur.» Er entscheide nicht alleine und schon gar nicht über die Vergabe von Programmplätzen, sondern der Gesamtverwaltungsrat – «ein kompetentes Gremium aus allen Bereichen» – halte sich an ein definiertes Reglement.

Statutenänderungen sind vorgesehen

Büchi räumt ein, dass bei SMC in der Vergangenheit sicher nicht immer alles richtig gemacht worden sei. Vor allem bezüglich Kommunikation zu den Radiosendern. «Der aktuelle Verwaltungsrat beschloss deshalb eine Blutauffrischung für die bevorstehenden Herausforderungen», so Büchi weiter. Zudem werden an der Generalversammlung mehrere Statutenänderungen beantragt, um SMC professioneller und breiter aufzustellen. Einerseits soll künftig kein Aktionär über 10 Prozent des Aktienkapitals mehr halten können, sofern er dies zum heutigen Zeitpunkt nicht schon tut. Andererseits sollen «untereinander verbundene Aktionäre» – wie dies mit den Admeira-Partnern SRG, Swisscom und Ringier der Fall ist – künftig kein bestimmendes Stimmrecht erhalten, deshalb sollen zusätzlich Stimmrechtsbeschränkungen eingeführt werden.



Die SRG werde nun ihren Anteil auf 10 Prozent reduzieren, ebenso Swisscom Broadcast. Ringier ist momentan mit rund 20 Prozent an SMC beteiligt. Dadurch, dass nun ein neues Aktienkapital im Umfang von 300’000 Franken auf den Markt gelange, um neue Aktionäre zu finden, könne sich der Anteil der bestehenden Aktionäre nochmals reduzieren. All diese Reformen seien in der Radiobranche abgestützt und das Bakom sei ebenfalls informiert, soweit es überhaupt nötig sei. «Alle diese Gerüchte im Vorfeld sind unnötige Stimmungsmache», fasst Büchi zusammen. Und dafür habe er «null Verständnis».



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