19.09.2018

Umzug Radiostudio Bern

Geharnischte Reaktionen auf Züglete

Die SRG wird für ihre Entscheidung scharf kritisiert: Von einem «Schlag für die Mitarbeiter» ist die Rede. Das sei von Anfang an so geplant und keine richtige Wahl gewesen. In Bern ist man «besorgt über die Konzentration der News-Medien in Zürich».
Umzug Radiostudio Bern: Geharnischte Reaktionen auf Züglete
Diese Mikrofon-Popschütze werden nun bald eingepackt werden müssen: Die Infoabteilung des Radios zügelt von Bern nach Zürich. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Der Entscheid des SRG-Verwaltungsrats, 170 Mitarbeitende von «Echo der Zeit», «Rendez-vous» und anderen Infosendungen von Bern nach Zürich zu verlegen (persoenlich.com berichtete), löste scharfe Kritik aus.

Die Zentralisierung stehe einem öffentlich finanzierten und national tätigen Medium «nicht gut an», schrieb die Genossenschaft SRG Bern Freiburg Wallis. Sie ist Teil der SRG-Familie. Intern werden nun alle möglichen Szenarien diskutiert, bis zu einem Austritt. Der Vorstand werde sich am Donnerstag treffen und über das weitere Vorgehen diskutieren, sagte Präsident Leander Jaggi im Regionaljournal von Radio SRF. Das letzte Wort werden die Genossenschafter haben.

«Schlag für Mitarbeiter»

Der «Entscheid gegen Bern» dürfte für viele Mitarbeitende ein schwerer Schlag sein und Existenzen gefährden, befürchtet die Genossenschaft. Sie fordert die SRG auf, gegenüber dem Personal Verantwortung zu übernehmen.

Das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) will die Rechtmässigkeit des Umzugsentscheids prüfen. Dieser sei gefällt worden, ohne dass dem SSM sein Recht auf Anhörung zugestanden worden sei, schreibt die Gewerkschaft.

«Das zeugt von einem Verwaltungsrat, der seinen Job nicht sonderlich ernst nimmt», twitterte derweil die Gruppe Pro Radiostudio Bern. «Von Anfang an hätte er auf der parallelen Ausarbeitung alternativer Sparvorschläge beharren müssen, um am Schluss eine echte Wahl zu haben.»

Die Gruppe zeigte sich auch enttäuscht darüber, dass weder das SRG-Management noch der Verwaltungsrat auf ihre Gesprächsangebote eingegangen seien. Die Gesprächsverweigerung sei ein Affront gegenüber den Mitarbeitenden, schreibt Pro Radiostudio Bern in einer separaten Stellungnahme.

Besorgte Behörden

Deutliche Worte fanden auch Stadt und Kanton Bern sowie die Hauptstadtregion in einem gemeinsamen Communiqué. Die SRG drohe an Rückhalt in der Bevölkerung zu verlieren. «Wir sind besorgt über die Konzentration der News-Medien in Zürich.»

Für den Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried, Regierungsrat Christoph Ammann und den Freiburger Stadtammann Thierry Steiert ist das «kompromisslose Vorgehen» des gebührenfinanzierten öffentlichen Medienunternehmens «sachlich falsch und politisch unsensibel».

«Mit diesem Vorgehen wird sich die SRG mittelfristig schwächen, nicht stärken», wird Ammann zitiert. Die SRG-Spitze stosse nicht nur die Region Bern vor den Kopf, sondern verabschiede sich zunehmend von der Grundidee eines regional verankerten Service public. (sda/eh)



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Kommentare

  • Andreas Willy Rothenbuehler, 21.09.2018 09:57 Uhr
    Herr Widmer,Sie machen mich zum klammheimlichen Sympathisanten von Cina und Matter.Dank den Beiden haben Sie Ihre Amnesie gegenüber der geschützten Werkstatt Leutschenbach überwunden. Nobillagabstimmung wiederholen !
  • Dieter Widmer, 20.09.2018 09:13 Uhr
    Ich fühle mich von Direktor Ruedi Matter und dem SRG-Verwaltungsrat mit Jean-Michel Cina an der Spitze verarscht. Ich habe mich wochenlang eingesetzt, dass die gegen die SRG gerichtete Initiative abgelehnt wird. Jetzt macht die SRG ihren "idée suisse"-Slogan zum inhaltslosen Papiertiger. Es wird jetzt langweilig werden, weil Radio und TV von einem Pult in Leutschenbach gleichgeschaltet werden. Dabei ist es längst bekannt, dass es in der "Wohlfühloase" Leutschenbach Zürich viel Sparpotenzial gäbe. Noch immer kommen gleich mehrere TV-Filmequipen an die gleichen Anlässe, um für Schweiz aktuell, Tagesschau, 10vor10 und Rundschau zu berichten. Matter und Cina werden noch merken, dass sie einen fatalen Fehler gemacht haben. Westlich der Limmat haben sie nämlich einige hunderttausend Fans verloren und zu Gegnern gemacht.
  • Peter Liechti, 20.09.2018 07:37 Uhr
    Das ist ein journalistisch recht einseitiger Beitrag, liebes Persönlich. Für einen Frontbeitrag umso mehr. Man müsste vielleicht auch erwähnen, dass während der No-Billag-Kampagne alle unisono von der SRG verlangt haben, dass sie anfange, als Unternehmen unternehmerisch zu denken. Und jetzt, wo sie das tut, wird sie kritisiert. Dabei ist das nichts als konsequent. Trifft ein Unternehmen aus der Privatwirtschaft so eine Zusammenlegungsentscheidung, ist das kein Skandal, sondern normal. Das muss man - auch journalistisch - in Relation bringen.
  • Ueli Custer, 20.09.2018 07:20 Uhr
    Jetzt passiert genau das, was bereits vor der No-Billag-Abstimmung vorhersehbar war. Damals hiess es ja, die SRG können problemlos mit halb soviel Geld auskommen. Und jetzt wird bereits der Untergang der Schweiz herbeigeschrieben weil ein paar Millionen gespart werden müssen. Ganz gleich, wie die SRG die 100 Millionen einspart, es wird immer von jemandem mit dem Satz "Sparen muss sein, aber nicht so." beklagt werden. Wenn die SRG auf alle diese Stimmen Rücksicht nehmen würde, könnte kein Franken gespart werden.
  • Martin Lüthi, 20.09.2018 06:11 Uhr
    Was die SRG hier demonstriert ist pure Aroganz. Da folgt noch mehr. Garantiert.
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