02.12.2020

Nebelspalter

Verleger will «nicht einfach verkaufen»

Herausgeber Thomas Engeli will die Satirezeitschrift fit machen für die Zukunft. Er ist deshalb auf der Suche nach «unabhängigem Kapital». In einem Brief stellt Engeli Bedingungen. Offen bleibt, ob Kaufinteressent Markus Somm diese akzeptiert.
Nebelspalter: Verleger will «nicht einfach verkaufen»
Der 1875 gegründete Nebelspalter ist heute die älteste Satirezeitschrift der Welt. (Bild: Nebelspalter)

«Markus Somm will den Nebelspalter kaufen», so titelte letzte Woche die Handelszeitung (persoenlich.com berichtete). Doch ganz so einfach dürfte dies nicht sein. Nebelspalter-Verleger Thomas Engeli wandte sich mit einem Brief «in eigener Sache» an die Community. Dieses Schreiben liegt auch persoenlich.com vor. «Es ging nie darum, den Nebelspalter einfach zu verkaufen, sondern das Blatt für die Zukunft zu rüsten», heisst es darin. Engelis Wunsch sei, unabhängiges Kapital zu beschaffen, um den Onlinebereich «professionell ausbauen zu können».

«Gleichzeitig will ich weiterhin Herausgeber der Printausgabe bleiben und alle Arbeitsplätze in Horn erhalten», schreibt Engeli weiter. Wie die CH-Media-Zeitungen am Mittwoch berichteten, besteht die Redaktion im thurgauischen Horn aus zwei Personen, daneben gebe es externe Mitarbeiter. «Einige Mitarbeiter sollen unter einen Kündigungsschutz gestellt werden», so CH-Media-Autor Francesco Benini.

Die Meldung in den Medien über einen möglichen Verkauf habe zu Unsicherheiten geführt, schreibt Engeli in seinem Brief weiter – «bis hin zur Angst, der Nebelspalter könnte den Weg des pointierten Witzes und der politischen unabhängigen Schlagkräftigkeit verlieren und zum Sprachrohr einer einseitigen politischen Ausrichtung mutieren». Die Satirezeitschrift habe eine beglaubigte Auflage «von mindestens 18'000 Exemplaren» und 160'000 Leserinnen und Leser. «Das ist zu wenig zum Leben – aber zu viel zum Sterben», so Engeli, der den Nebelspalter 1998 übernahm und so vor dem Aus rettete.

Er sei 60 Jahre alt und überlege seit zwei Jahren, wie er den Nebelspalter «in die nächsten hundert Jahre führen» könne, schreibt der Thurgauer Unternehmer im Brief. Der Verlag kenne sich im Print und der Vermarktung von Printprodukten aus. «Defizite bestehen im Onlinebereich.» Hier bleibe «enorm viel Potenzial» ungenutzt. «Ohne Spezialisten und neues Kapital geht das nicht», so Engeli. Der Einstieg ins Online-Tagesgeschäft brauche nebst gut recherchierten Beiträgen auch «ein mehrköpfiges Redaktionsteam und viel Kapital». Deshalb stehe Engeli im Kontakt mit möglichen Investoren. Aber, so stellt der Verleger vom Bodensee am Schluss des Schreibens nochmals klar: Der Nebelspalter wisse, wo seine Wurzeln seien.

Markus Somm wollte sich bislang zu seinen Plänen nicht äussern. (cbe)



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