26.08.2018

SRF

«Wir sind im Storytelling neue Wege gegangen»

Zum ersten Mal haben Radio SRF 1 und Radio SRF 3 gemeinsam eine Serie speziell für Podcast-Hörer produziert. «Ein eigentlicher Podcast hat andere Merkmale als eine Radiosendung», sagt Gesamtprojektleiterin Susanne Witzig im persoenlich-Interview.
SRF: «Wir sind im Storytelling neue Wege gegangen»
Besprechung der Aufnahmen der SRF-Podcast-Serie «Edi» (v.l.): Patricia Banzer (Journalistin), Aaron Hitz (Erzähler), Susanne Witzig (Gesamtprojektleiterin) und Sabine Meyer (Journalistin). (Bilder: SRF/Urs Rey)
von Christian Beck

Frau Witzig, am Freitag ist der sechsteilige Podcast «Edi» erschienen (persoenlich.com berichtete). Wie unterscheidet sich diese Serie von anderen Podcasts?
«Edi» ist die erste exklusive SRF-Podcast-Serie, die wir produziert haben. Das heisst, wir sind beim Produzieren und im Storytelling neue Wege gegangen. Wir erzählen die Geschichte mit szenischen Elementen und haben uns bewusst für einen starken Erzähler entschieden, der durch die Geschichte führt. Ausserdem haben wir auch bewusst Layoutelemente verwendet, welche «Edi» einen eigenen Anstrich, ein eigenes Hörgefühl vermitteln.

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Früher sagte man dem einfach «Hörspiel» …
Ein Hörspiel ist eine fiktive Geschichte, die mit Schauspielern umgesetzt wird. In unserem Podcast erzählt «Edi» selber aus seinem Leben. Es handelt sich um eine wahre Geschichte, die wir in sechs eigenen Episoden vertiefen und mit verschiedenen Personen aus seinem Leben beleuchten. Ausserdem spiegeln wir mit dieser Geschichte Aspekte der Schweizer Resozialisierungs- und Drogenpolitik. «Edi» ist also kein «Hörspiel», auch wenn man beim Hören dieser Geschichte manchmal denkt, das kann fast nicht sein.

«Podcasts unterscheiden sich in der sehr persönlichen Ansprache und Haltung»

Es gibt im Netz auch Radiosendungen, die als Podcast angepriesen werden. Das sind aber eigentlich gar keine Podcasts …
Das ist richtig. Es gibt unter dem Begriff Podcast viele Radiosendungen, die einfach ins Netz gestellt werden und die so individuell angehört werden können. Das ist auch gut so, aber das sind keine eigentlichen Podcasts. Ein eigentlicher Podcast hat andere Merkmale als eine Radiosendung. Abgesehen davon, dass ein Podcast keine Verkehrsmeldungen oder Musiktitel als Unterbrecher hat, unterscheiden sich Podcasts in der sehr persönlichen Ansprache und Haltung. Podcasts sprechen ein spezifisches Zielpublikum an. Wer sich für einen Podcast entscheidet, entscheidet sich bewusst für ein Thema und will sich darin vertiefen.

Umgekehrt: Eignet sich ein Podcast für die Ausstrahlung am Radio?
Ja, das denke ich schon. Bei SRF planen wir das mit «Edi» auch so. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das zu tun. Wir thematisieren «Edi» einerseits in anderen Sendungen mit verschiedenen Themenzugängen und werden die Podcast-Serie auch gesamthaft ausstrahlen. Der Zeitpunkt steht dafür allerdings noch nicht fest.

Weshalb haben Sie sich entschieden, mit «Edi» einen echten Podcast zu produzieren?
Wir wollen herausfinden, ob und wie das Schweizer Publikum auf eine solche Podcast-Serie – eine solch in sich geschlossene Geschichte – reagiert. Darüber gibt es zurzeit bei uns noch wenige Erkenntnisse, weil wenige originäre Podcasts produziert werden. Ausserdem möchten wir selber unser Know-how im Bereich Podcast erhöhen. Da anders erzählt und produziert wird, sind das auch für gestanden Radiojournalisten neue Erfahrungen und Kenntnisse, die sie in Zukunft brauchen werden, weil wir auf die Bedürfnisse des Publikums eingehen möchten.  

«Wir haben definitiv noch Potenzial in der Schweiz»

International boomen Podcasts schon länger. Die Schweiz scheint hinterher zu hinken.
Wir haben definitiv noch Potenzial in der Schweiz. Es gibt wenige wirkliche Podcast-Angebote. In anderen Ländern vergrössert sich das Podcast-Angebot zurzeit massiv – und das Publikum scheint zu reagieren. Technische Entwicklungen wie die Podcasts-App von Google oder der Gebrauch von Smart-Speakern unterstützen diese Entwicklung. Die Schweiz hat die Nase hier sicher nicht vorne, aber ich sehe zur Zeit Versuche und neue Produkte bei verschiedenen Verlagen, Sendern oder Redaktionen. Es dürfte in den kommenden Monaten spannender werden. Ich glaube jedenfalls sehr daran, dass Podcasts auch in der Schweiz Potenzial haben. Allerdings müsste man dafür auch mehr bekannt machen, wo man wie Podcasts suchen und herunterladen kann.

In Zahlen: Wie stark hat das Interesse an Audiobeiträgen auf Abruf bei SRF zugenommen?
Über alle Podcasts hinweg sind wir im Moment bei fast drei Millionen Downloads pro Monat. Alleine im ersten Halbjahr 2018 konnten wir durchschnittlich pro Monat rund 115’000 Downloads mehr verzeichnen.

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Ist «Edi» erst der Anfang? Kommt da noch mehr? 
Wir schauen uns jetzt erst einmal an, wie «Edi» ankommt, wie das Publikum darauf anspricht und wie die Reaktionen sind. Dann entscheiden wir, ob und wie wir weiterfahren. Allerdings gibt es bei SRF ja schon auch weitere Podcasts wie «Einfach Politik», «Input kompakt» oder «#SRFglobal», welche regelmässig erscheinen.



Ab sofort stehen alle sechs Folgen von «Edi» zum Download bereit.

Susanne Witzig, Programmentwicklerin Radio SRF, diskutiert am Swiss Radio Day vom Donnerstag auf dem Podium «Podcast boomt. Und die Schweiz?» mit.

 



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