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Wir arbeiten ernsthaft an Diversity

Roman Geiser

Ich kann die Kritik von Edith Hollenstein am Umgang von Agenturen mit dem Frauenstreik durchaus nachvollziehen. Der Grundaussage, dass Diversity keine leere Worthülse sein darf, stimme ich uneingeschränkt zu. Aber uns Agenturen generell Etikettenschwindel und Lippenbekenntnisse vorzuwerfen, finde ich nicht fair. Damit wird den ernsthaften Anstrengungen vieler Agenturen im Bereich Diversity zu wenig Rechnung getragen. Ich will mit meiner Replik nicht den Status-Quo belobigen, denn wir wissen alle um die Herausforderung im Thema Diversity. Trotzdem sind wir mit Energie daran, die Realität im Agenturalltag zu ändern.

Zunächst die Erkenntnis, der wir sicher alle zustimmen: Vielfalt am Arbeitsplatz hat eindeutige Vorteile. Firmen mit diversen Teams in der Führungsetage performen im Schnitt besser, gemischte Teams arbeiten effektiver zusammen, Diversity fördert den Perspektivenwechsel und Innovation. Kunden wie Mitarbeitende beider Geschlechter fordern also zurecht gemischte Teams ein.

Auch die Agentur Farner – die selbstkritisch betrachtet in der Vergangenheit nicht gerade als Vorreiterin der Frauenförderung aufgefallen ist – hat das längst verstanden und sich klare Zielsetzungen gegeben. So verankert unser Mitarbeiterreglement die Lohngleichheit fest und schliesst jede Diskriminierung nach Geschlecht aus. Teilzeitarbeit wird auf allen Stufen unterstützt. Mit einer flexiblen Jahresarbeitszeit ermöglichen wir eine gute Work-Life-Balance. Nicht zuletzt hat die Agentur in den letzten Jahren den Anteil von Frauen in Führungsrollen deutlich ausgebaut. Damit wird Diversity nicht nur gepredigt, sondern konkret im Alltag gelebt. Daher ist es kein Lippenbekenntnis, wenn ich sage, dass Lohngleichheit und Schutz vor Diskriminierung bei uns selbstverständlich sind. Und ich weiss aus Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen aus den Managements anderer Agenturen, das mit gleicher Ernsthaftigkeit am Thema Diversity gearbeitet wird.

Aber let’s face it: Unsere Branche ist kein leichtes Pflaster und Beruf und Familie zu vereinen ist auch im Agenturalltag anspruchsvoll. Der Druck auf die Erreichbarkeit von Kundenseite ist immens, die Führung von grossen Teams oder Mandaten mit einem kleinen Teilzeit-Pensum nur schwer zu bewältigen. Nicht zuletzt zwingen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen viele Frauen dazu, das Pensum in einer wichtigen Karrierephase auf 50 oder 60 Prozent zu reduzieren. Hier braucht es ein bewusstes Schaffen von Möglichkeiten seitens der Agentur, um diese Phase zu überbrücken. Es braucht aber auch mutige Männer und Frauen, die die Möglichkeiten wahrnehmen und eine Gesellschaft, die bereit ist, veraltete Rollenbilder zu überdenken.

Ich stimme Edith Hollenstein zu. Einmal im Jahr mit opportunistischen Aktionen den Frauenversteher zu signalisieren, brächte niemanden weiter. Sich einmal im Jahr darüber zu nerven, wie schlecht es um den Frauenanteil steht, jedoch auch nicht. Denn Worte wirken. Wenn wir nur darüber reden, wie unmöglich die Gleichberechtigung in Agenturen sei, schrecken wir genaue jene ab, die das ändern möchten. Stattdessen brauchen wir Vorbilder: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Worten Taten folgen lassen.

Hierbei können auch wir Unterstützung brauchen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Portraitreihe auf persoenlich.com? Wir stellen gemeinsam Menschen in der Branche vor: Frauen in Führungspositionen, Menschen die Vollzeitstellen im Job-Sharing besetzen, oder Führungspositionen in Teilzeit ausfüllen. Oder Wiedereinsteiger, die Chancen ergreifen. Statt der ganzen Branche Etikettenschwindel vorzuwerfen, können wir so vielleicht gemeinsam Frauen und Männer ermutigen, die Agenturrealität aktiv zu verändern.

 


Roman Geiser ist CEO & Managing Partner der Kommunikationsagentur Farner


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