21.11.2017

Digitaltag 2017

«Die Verleger könnten auch mal Ja sagen»

Am schweizweiten Digitaltag fordert Bundespräsidentin Doris Leuthard im Gespräch mit persoenlich.com die Verleger dazu auf, die Angebote der SRG endlich anzunehmen: «Das ist ein Machtkampf, den ich manchmal irrational finde». Und, dass sich die SRG weiter ausdehne, sei Unsinn.
Digitaltag 2017: «Die Verleger könnten auch mal Ja sagen»
Bundespräsidentin Doris Leuthard eröffnet am Dienstag mit einer Drohne den Digitaltag im Zürcher Hauptbahnhof. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
von Edith Hollenstein

Spitzenvertreter der Schweizer Wirtschaft und Politik sind am Dienstag zur Eröffnung des Digitaltages von Bern nach Zürich gereist (persoenlich.com berichtete). Anlässlich dieser rund stündigen Fahrt im dicht besetzten SBB-Wagen äusserte sich Bundespräsidentin Doris Leuthard zur Bedeutung der Digitalisierung für die Medien- und Kommunikationsbranche.

Die Digitaliserung habe die Medien relativ früh erfasst. Klassische Verlagshäuser kämpften schon länger damit. Das sei ein schwieriger und langer Prozess, sagt Leuthard gegenüber persoenlich.com (siehe Video unten). «Jedoch haben diejenigen Vorteile, die früh dran sind. Jede Branche muss schauen, dass sie sich nicht zu spät anpasst», so Leuthard.

Demokratische Abläufe gewährleisten

Als Medienministerin ist es eine ihrer zentralen Aufgaben, für ein modernes Mediengesetz und eine zeitgemässe SRG-Konzession zu sorgen, welche die Meinungsbildung auch in einer digitalisierten Gesellschaft möglich machen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll jedoch erst 2018 in die Vernehmlassung gehen.

Wie die Medienmisterin im Video-Interview sagt, haben Medien auch in der künftigen, immer digitalisierteren Welt eine «sehr wichtige Funktion». Damit demokratische Abläufe gewährleistet sind, müssten vielfältige Informationskanäle erhalten bleiben. Ob Online oder Print, spiele aus Sicht des Staates keine Rolle – es sollen möglichst viele Bürgerinnen und Bürger erreicht werden, damit sie sich politisch beteiligen können.

Geld und Zeit sparen

Wenig Verständnis hat Leuthard für die Verleger. Dass diese immer wieder über mangelnde Kooperationsbereitschaft der SRG klagen, befremdet die Magistratin. «Jeder Verleger redet auf seine eigene Mühle. Es gibt schon lange Angebote für Kooperationen – und auch bereits bestehende. Die Verleger können auch mal Ja sagen», so Leuthard. «Das ist ein Machtkampf, den ich manchmal irrational finde». In der Schweiz mit vier Sprachen sind wir zu klein, da lohnt es sich nicht, sich die ganze Zeit die Köpfe einzuschlagen».

Machtspiele zwischen den Verlagen würden den Blick auf die wahre Konkurrenz verhindern. «International gesehen gibt es viel mächtigere Medienplattformen und Werbeanbieter», sagt Leuthard. Würden die Verleger kooperieren, könne man Zeit und Geld sparen.

Die Medienministerin ist der Meinung, dass sich die SRG seit zehn Jahren nicht gross verändert hat. «Dass sich die SRG weiter und weiter ausdehnt, ist Unsinn.» Die Anzahl Sender sei gleich geblieben. Der Bundesrat habe sich für eine Beschränkung der Gebührengelder bei 1,2 Milliarden Franken ausgesprochen (persoenlich.com berichtete). Diese Gebührenfinanzierung sei weiterhin elementar, denn viele SRG-Sendungen seien defizitär.

Die Bundespräsidentin selber informiert sich gerne online. Radio- und TV-Sendungen streame sie. Sie schaue nicht mehr linear Fernsehen. Leuthard dazu: «Dass die Nutzer selbstgesteuerter entscheiden können, welche Inhalte und welche Werbeanzeigen sie konsumieren wollen, ist ein grosser Vorteil der Digitalisierung».


Der schweizweite Digitaltag vom Dienstag geht aus Digitalswitzerland (früher Digital Zurich 2025) hervor. Die 40 Partnerfirmen unterstützten die Standorinitiative finanziell, darunter sind sowohl teilweise staatlich finanzierte Unternehmen wie Post, Swisscom, ETH als auch privatwirtschaftliche wie UBS, Credit Suisse, Ringier oder Swiss Life. Auch die SRG ist Partnerin. Ob der Tag wiederholt wird, wollen die Verantwortlichen erst im Nachgang der Erstaustragung entscheiden.

Laut den Veranstaltern haben 150’ 000 Personen diesen Tag in Zürich, Genf, Lugano, Chur und weiteren Orten miterlebt. Mindestens ebensoviele hätten den Tag digital miterlebt. Vor allem die Redaktionen der SRG, Ringier Axel Springer Schweiz und Ringier berichteten über den Anlass.



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