08.03.2023

Sing meinen Song

«Es war einfach eine perfekte Reise»

Gran Canaria, ein Sofa, 42 Songs: Zum vierten Mal präsentiert CH Media das Tauschkonzert. Zum letzten Mal dabei ist Gastgeber Seven. Der 44-jährige Soulsänger sagt, was diese Staffel speziell macht, warum er sich auf Peter Reber freut und was er von Baschi lernen konnte.
Sing meinen Song: «Es war einfach eine perfekte Reise»
«Es stimmt einfach wirklich alles in dieser vierten Staffel», sagt Seven, Host von «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert». (Bilder: CH Media/Andrea Camen)

Herr Dettwyler – oder Seven, wie man Sie nennt –, welches ist eigentlich Ihr absoluter Lieblingssong überhaupt?
«Sometimes it Snows in April» von Prince. Wenn ich einen aussuchen müsste, dann wäre es dieser.

Und warum?
Der Song bedeutet mir so viel, weil ich ihn mit einer persönlichen Geschichte und einem Schicksalsschlag verbinde – mit mehreren sogar. Der Song taucht immer wieder auf in meinem Leben, immer wieder in den Momenten, in denen ich ihn brauche. Für mich ist er auf der einen Seite ein unglaublicher Eintrag in mein persönliches Tagebuch. Aber auch der Beweis, wie wunderschön Musik funktionieren kann. Musik kann Emotionen speichern, verstärken, schmeicheln, zudecken, wieder aufreissen, aber auch heilen. Der Song hat bei mir schon alles ausgelöst, was ein Lied auslösen kann.

Am Mittwoch startet auf 3+ die vierte Staffel von «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert». Es wird Ihre letzte Staffel als Gastgeber sein (persoenlich.com berichtete). Wie fühlt sich das an?
Ich bin sehr dankbar. Ich habe die Möglichkeit erhalten, mich vor über einem Jahr zu entscheiden, dass das meine letzte Staffel ist. Darum habe ich wirklich jeden Handgriff, jedes Telefon, jede Aufgabe, alles an dieser Staffel, über ein Jahr vorbereitet. Alle Vorbereitungen konnte ich bewusst zum letzten Mal machen, denn ich habe von Anfang an gewusst, die vierte ist die letzte. Ich habe für die vierte Staffel eine tolle Runde zusammengestellt und bin sehr froh, mit ihnen zum letzten Mal die Erfahrung als Host zu teilen. Es ist nochmals alles dabei, was es braucht. Es hat nochmals Sachen, die wir so noch nie hatten.

Wie zum Beispiel?
Ich bin sehr froh, dass Peter Reber dabei ist. Es war seit der ersten Staffel ein grosser Wunsch von mir, ihn irgendwann einmal dabei zu haben. Jetzt hat es endlich geklappt. Die Konstellation – es stimmt einfach wirklich alles in dieser vierten Staffel. Trotz allem ist das Schönste an dieser Staffel, dass wir uns so fest kennenlernen durften wie in keiner anderen Staffel. Es bestanden vorher nämlich noch keine grossen Freundschaften auf dem Sofa. Nicht wie in anderen Staffeln, in denen sich hin und wieder zwei, drei Künstlerinnen und Künstler gut kannten. In dieser Staffel haben wir wirklich sieben Leute, die sich schlecht bis gar nicht kannten, als wir auf die Insel reisten. Aus diesem Grund könnten in der ersten Sendung alle etwas zurückhaltender wirken. Und man sieht Folge für Folge, wie man vertrauter wird. Es ist schlussendlich bei keiner anderen Staffel so ausgeartet wie in dieser letzten, und wir haben wunderschöne Freundschaften aufgebaut. So gehen zu dürfen, fühlt sich wunderbar an. Es war einfach eine perfekte Reise, und ich hätte mir keine schönere Staffel vorstellen können.

«Die Sendung ist ultimativ wichtig für die Schweizer Musikszene»

Hätten Sie nicht Lust auf eine fünfte Staffel?
Klar habe ich Lust auf die Arbeit, und die Arbeit macht mir auch sehr viel Spass. Aber ich denke, es ist wichtig für die Schweiz, für die Schweizer Musikszene, dass es dieses Format sehr lange gibt. Man lernt etablierte Künstlerinnen und Künstler auf eine ganz andere Art und Weise kennen. Es ist eine Plattform für etablierte Künstlerinnen und Künstler, die in die Tiefe geht und eine Seite zeigt, die du sonst nirgends zeigen kannst. Du kannst deine Geschichte nirgends so gut erzählen wie bei «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert». Auf der anderen Seite ist es auch eine Möglichkeit, Künstlerinnen und Künstler, die noch in einer Nische sind – und dort sehr erfolgreich sind –, der breiten Bevölkerung zu zeigen. Zu zeigen, wer die nächsten Superstars sind oder wer im Untergrund schon gross ist. Darum ist die Sendung ultimativ wichtig für die Schweizer Musikszene, für das Schweizer Künstlerschaffen, um die Berufsgattung abzubilden, so wie sie in der Schweiz leider noch nie abgebildet wurde.

Und warum nicht mehr mit Ihnen?
Ich kann das nicht zehn, fünfzehn Mal machen. Nach zehn Staffeln wäre es vermutlich nicht mehr das Gleiche. Irgendwann würde sich wahrscheinlich bei mir eine Routine entwickeln – und dann würde ich zum Moderator werden, total kaltschnäuzig. Wenn man das so machen würde, hätte es von Anfang an ein Ablaufdatum – und das Format sollte kein Ablaufdatum haben. Darum war es für mich klar, dass ich spätestens nach der vierten Staffel das Feld für eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger räume. Das ist übrigens in Deutschland auch so. Ich hoffe, dass es dieses Format noch ganz lange geben und ganz viel Schweizer Musik dort entdeckt und getauscht wird. Und vor allem viele Schweizer sich jedes Mal wieder bewusst werden, wie viel gute Schweizer Musiker wir haben.

Als 2020 die erste Staffel ausgestrahlt wurde, sagten Sie in einem persoenlich.com-Videointerview, dass Sie künftig lockerer sein werden. Wie locker sind Sie nun in der vierten Staffel?
Natürlich bin ich viel lockerer als in der ersten Staffel, aber kein bisschen weniger aufgeregt. Am Anfang gab es sehr viel, das ich nicht kannte. Wir wussten vieles selbst noch nicht. Der Prozess ist der Weg und der Weg ist das Ziel. Ja, ich bin viel lockerer als in der ersten Staffel. Aber ich wusste auch, dass es meine letzte ist und wollte es noch einmal richtig gut machen und in vollen Zügen geniessen. Ich wollte natürlich, wie bereits in den vorherigen Staffeln, den unglaublich tollen Künstlerinnen und Künstlern ein unvergessliches Erlebnis schenken. Da hat sich nichts verändert. Aber ich bin mit der Erfahrung lockerer geworden, konnte die Zeit besser einteilen. Die Aufzeichnungszeit war viel kürzer als bei der ersten Staffel. Erfahrung macht einen effizienter, aber sicher nicht weniger aufgeregt.

Apropos «kaltschnäuziger Moderator»: Sie konnten sich damals nicht vorstellen, ausserhalb von «Sing meinen Song» zu moderieren. Bleiben Sie dabei oder haben Sie nach vier Staffeln Blut geleckt?
Es hat mir extrem viel Spass gemacht. Aber ich kann mir immer noch nicht vorstellen, etwas zu moderieren, was mit Musik nichts zu tun hat. Aber: Wenn es irgendetwas ist, das auch mit Musik zu tun hat, kann ich es mir mittlerweile durchaus vorstellen. Es ist nichts geplant oder ich bereite nicht das Nächste vor. Aber ich bin immer offen, wie ich es auch war, als «Sing meinen Song» auf mich zugekommen ist. Wenn es kribbelt und wenn ich denke, auf das habe ich Bock, dann verfolge ich das.

Doch bevor Sie gehen, werden nun acht neue Folgen ausgestrahlt, dieses Mal mit Luca Hänni, Peter Reber, Baschi, Anna Rossinelli, Joya Marleen und EAZ (persoenlich.com berichtete). Wie unterscheidet sich diese Konstellation von den letzten drei Konstellationen?
Wir haben eine musikalische Kombination, die wir so noch nie hatten. Wir haben viele verschiedene Sprachen, von Albanisch zu Italienisch, Schweizerdeutsch, Englisch, Hochdeutsch – fünf Sprachen. Den Alters- und Generationenunterschied zwischen Peter Reber und Joya Marleen, 73 und 20, finde ich auch unglaublich spannend. Das ist der grösste Altersunterschied, den es jemals zwischen zwei Teilnehmenden von «Sing meinen Song» weltweit gab.

«Man darf, muss und kann mit Vorurteilen aufräumen»

Auf welche Musikerin oder welchen Musiker darf man sich besonders freuen?
Man darf sich immer auf die Musikerin oder den Musiker am meisten freuen, den man noch nicht kennt oder im Moment noch doof findet. Ich höre immer wieder von Leuten, dass sie mit gewissen Künstlerinnen und Künstlern nichts anfangen können und andere viel besser finden. Für das ist «Sing meinen Song» super, weil man darf, muss und kann mit Vorurteilen aufräumen. Genau das finde ich spannend, denn das sind oft die schönsten Überraschungen und Entdeckungen. Ich bin unglaublich stolz, dass wir es geschafft haben, Peter Reber auf die Insel zu holen. Er feierte Erfolge, als es uns alle noch gar nicht gab. Das ist ein grosses Geschenk und gab dieser Staffel etwas ganz Spezielles.

Ich persönlich tippe darauf, dass Peter Reber auch für die grössten Überraschungen sorgen dürfte. Liege ich daneben?
Peter sorgt für einige Überraschungen, aber wie immer bei «Sing meinen Song»: Hört auf zu antizipieren. Ich habe auch jedes Mal versucht zu antizipieren, wer mich am meisten überraschen wird – und ich lag oft daneben.

Können Sie, nebst Peter Reber, ein weiteres Highlight aus den kommenden Sendungen verraten?
Wir haben ganz viele wunderbare Highlights. Ein wunderschönes Highlight ist, dass sich alle auf andere Sprachen eingelassen haben. Alle haben sich Sachen getraut, um dem anderen gerecht zu werden oder dem anderen den grösstmöglichen Respekt entgegenzubringen. Für mich ist die ganze sprachliche Geschichte, fünf unterschiedliche Sprachen dabei zu haben, ein Highlight. Jede und jeder auf dem Sofa hat in dieser Staffel in einer Sprache gesungen, in der man noch nie gesungen hat.

Gab es auch Pannen, die den Zuschauenden vorborgen bleiben?
Das ist das Schöne an «Sing meinen Song»: Es gibt keine Pannen, die verborgen bleiben. Wir zeigen alles. Wir zeigen, wie mein Mikrofon runterfällt, wenn der Text verkackt wird und nochmals angesetzt werden muss. Wir zeigen alles. Das ist das Spezielle an dieser Sendung.

Ganz generell: Fiel es Ihnen von Staffel zu Staffel einfacher, Musiker von diesem Format zu überzeugen?
In der ersten Staffel war es so, dass ich Leute anrief, die ich so gut kannte und denen ich so nahe bin, dass das Vertrauen schon da war. Ab der zweiten Staffel konnte ich mich an Leuten wagen, die ich überhaupt nicht kannte oder zu denen ich keinen persönlichen Kontakt hatte. Das konnte ich machen, weil wir bereits eine Staffel gedreht hatten und sich die Künstlerinnen und Künstler sich an dieser orientieren konnten. Durch den Erfolg des Formats wurde es einfacher, den Leuten zu erklären, was das Format ist und ausmacht. Doch das heisst nicht, dass alle gleich mitmachen. Wenn es jemand gesehen hat, dann weiss er sofort, ob er Bock darauf hat.

«Ich bin so viel reicher und so viel erfahrener»

Gehen die Künstlerinnen und Künstler nicht bald mal aus in unserer kleinen Schweiz?
In der Schweiz gehen Künstlerinnen und Künstler noch lange nicht aus. Ich durfte in diesen vier Jahren 24 talentierte Menschen einladen, und die Liste von Personen, die man noch fragen kann, ist immer noch extrem lang. Das Schöne ist: Es kommen immer Neue dazu. Wir haben von Anfang an manifestiert, dass «Sing meinen Song» immer mindestens einen Platz offen lässt für neue Leute, für Leute, die die nächste Generation sind. Und das zu verbinden mit Leuten, die lange dabei sind. Diese Kombination, dieser Spirit, das ist «Sing meinen Song». Also: Ich habe das Gefühl, dass uns die Künstlerinnen und Künstler nie ausgehen.

Rückblickend auf die Zeit bei «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert»: Was haben Sie für sich persönlich gelernt?
Ich habe von allen 24 etwas gelernt, und von jedem Einzelnen nehme ich etwas mit. Wenn Baschi, ohne viel zu überlegen einfach drauflosspricht, ohne sich viel Gedanken zu machen – und ich jemand bin, der zu viel überlegt, denke ich mir: Sprich einfach und überleg weniger. Ich bin so viel reicher und so viel erfahrener, weil ich mit diesen 24 Couchnachbarinnen und -nachbarn nicht nur das unglaubliche Erlebnis teilen konnte, sondern weil ich das Gefühl habe, dass ich wirklich in ihr Leben eingetaucht bin. Ich habe mich unglaublich intensiv mit ihren Leben auseinandergesetzt, mit ihrem Umfeld befasst, bin mit ihren Partnerinnen und Partnern oder Familien zusammengehockt. Ich habe so viele schöne Erinnerungen und Erfahrungen gemacht, die ich für immer in meinem Herzen tragen werde.

Zum Schluss: Wenn dieses Interview ein Song wäre, welcher wäre es?
«Potpourri», das ist der Song des französischen Rappers Creu. Spass, das gibt es gar nicht.



Mitarbeit: Dania Capra


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