01.01.2020

Persönlichkeiten 2019

«Ich bin jetzt offiziell staatlich anerkannter Satiriker»

Der einzige verbleibende Talkmaster am Sonntagabend, Dominic Deville, spricht über den Konkurrenzkampf mit Michael Elsener, was mit seinem verkauften Browserverlauf passiert ist und wie er verhindert, dass Sidekick Karpi ihm die Show stiehlt.
Persönlichkeiten 2019: «Ich bin jetzt offiziell staatlich anerkannter Satiriker»
«Sollten die Zuschauer eines Tages tatsächlich bemerken, dass Karpi besser, beliebter, schöner und schlauer ist als ich, werde ich den Weg frei machen», sagt Dominic Deville. (Bild: Mali Lazell)
von Loric Lehmann

Herr Deville, welches ist die beste Pointe des Jahres 2019?
«….und dann hat das Pferd das Glas ausgetrunken und gesagt: Der nächste geht auf mich, Amigos!» Den Witz müssen Sie sich halt dazu denken. Humor und Satire sind eben harte Arbeit.

Sie sind nun laut Blick «das Flaggschiff von SRF am Sonntagabend». Was überwiegt: Stolz oder Druck, der nun auf dem Team lastet?
Stolz, dass wir es geschafft haben, einen unserer härtesten Kritiker mit unserer kleinen Nacht- und Nebel-Show weichzukochen: Ihren TV-Kritiker und Fernsehpapst René Hildbrand. Das war all den Druck wert! Ausserdem darf ich mich jetzt endlich offiziell als staatlich anerkannter Satiriker bezeichnen. Und Satiriker dürfen bekanntlich alles.

Was war für Sie die schwierigste Entscheidung in diesem Jahr?
Es sind immer die gleichen Entscheidungen, die am schwierigsten sind: Stehen bleiben und verharren oder weitergehen und dafür eventuell auf die Schnauze fallen.

Seit dieser Staffel haben Sie neben einem neuen Drehort auch eine neue Produktionsfirma. Hat sich die Sendung nun nach all den Neuerung gut eingespielt?
Wir sind hoch zufrieden. Aber wer wären wir, um über uns selber zu urteilen? Das müssen die Zuschauer entscheiden. Und natürlich Herr Hildbrand.

«Für eine Late Night Show klingt ‹Karpiczenko› schon nicht so süffig wie ‹Deville›, oder?»

In einer Sendung im November zum Thema Daten hatten Sie angekündigt, Ihren Browserverlauf auf ricardo.ch zu verkaufen. Wie zufrieden waren Sie mit dem erzielten Preis von 100 Franken?
Lieber verkaufe ich meine Daten ein wenig zu günstig als sie mir von irgendwelchen Konzernen klauen zu lassen.

Waren die von Ihrem privaten oder geschäftlichen Computer?
Ich habe nur einen Computer. Dementsprechend lang war der Verlauf. Viel Spass beim Durchlesen wünsche ich dem Käufer. Und nicht vergessen: Ich muss und darf all die komischen Links anklicken. Denn ich bin Satiriker.

Wissen Sie, wer diese Daten nun besitzt und was er mit ihnen anfangen wird?
Ich kenne den Käufer nicht. Aber ich habe gesehen, dass er sie – kein Witz – auf Ricardo zum Weiterverkauf angeboten hat. Wahrscheinlich zu einem Vielfachen des Kaufpreises. Und jetzt lebt er sicher in einem Strandhaus auf Mauritius.

Wie hart war der Konkurrenzkampf mit «Late Update» von Michael Elsener?
Hart war er nie, aber für beide Seiten äusserst fair – wie Michael und ich finden.

Seit dem Wechsel von «Deville» auf Sonntag haben Sie einen Sidekick: Karpi. Wie verhindern Sie, dass er Ihnen bald schon die Show stiehlt?
Glauben Sie mir: Ich bin im Augenblick um jeden froh der mir Arbeit abnimmt. Und sollten die Zuschauer eines Tages tatsächlich bemerken, dass Karpi besser, beliebter, schöner und schlauer ist als ich, werde ich den Weg frei machen! Aber Sie müssen zugeben: Für eine Late Night Show klingt «Karpiczenko» schon nicht so süffig wie «Deville», oder?

«Im Hause Deville gibt es kein Rasten und kein Ruhen!»

Darüber lässt sich streiten. Eine Frage, die Journalisten sonst nur Frauen stellen: Wie bringen Sie Job und Familie unter einen Hut?
«Deville» ist ein Familienunternehmen. Meine Frau macht bei den Einspielern mit, meine Mutter komponiert die Titelmelodie und meine Kinder schreiben die Gags.

Sie arbeiten ja vor allem am Wochenende auf Hochtouren, genau dann, wenn Ihre beiden Kinder frei haben. Wie machen Sie das?
Woher wissen Sie wann meine Kinder frei haben? Im Hause Deville gibt es kein Rasten und kein Ruhen. Und solange auch nur eine Regaleinräumerin in irgendeiner Bahnhofsmigros sonntags arbeiten muss, um ihre Familie durchzubringen, sind wir uns nicht zu schade, es ihr gleich zu tun!

Sie werden es sicher eines Tages bereuen, nicht mehr Zeit mit Ihren Kindern verbracht zu haben...
Falsch! Meine Kinder sind es, die es bereuen werden, nicht mehr Zeit mit mir verbracht zu haben als ich noch ein unbekannter Kindergärtner war. Aber nein: Ihre Legos und Freunde waren ja wichtiger damals! Pah!

Was erwarten Sie vom Jahr 2020 für «Deville»?
Das Übliche: Höher, schneller, weiter!

Was wünschen Sie sich generell fürs 2020?
Das Übliche: Gesundheit für meine Liebsten, den Rest für mich.

Wie verbringen Sie Weihnachten und Neujahr, respektive wie tanken Sie neue Energie fürs 2020?
Ich betrinke mich mit meiner Familie unter dem Weihnachtsbaum, während meine Kinder mir die letzte TV-Kritik von René Hildbrand auf der Blockflöte vorspielen. Kann es was Schöneres geben?

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In der Serie «Persönlichkeiten 2019» lassen wir Menschen, die im vergangenen Jahr von sich reden machten, nochmals zu Wort kommen.
Weitere «Persönlichkeiten 2019» finden Sie unten aufgelistet sowie auf der Übersichtsseite.

 



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