Nach dem Heiratsantrag von Sven Epiney an seinen Freund Michael Graber in der SRF-Tanzshow «Darf ich bitten?» Ende März sind nebst vielen gehässigen und teils homophoben Kommentaren, auch bei SRG-Ombudsmann Roger Blum Beschwerden eingegangen. Am Dienstagnachmittag hat er zu fünf Fällen einen Schlussbericht veröffentlicht. Vier davon beanstanden, dass ein solcher Antrag nicht in eine solche Sendung gehört. Ein weiterer argumentiert, die Bibel verbiete Homosexualität und daher dürfe sie auch im Fernehen nicht gezeigt werden. Blum weist alle fünf Beanstandungen ab.
«Ich bin christlich erzogen, lebe traditionsbewusst und versuche mein Leben nach den Inhalten der Bibel zu leben», heisst es in der Beanstandung. Sie schaue damit einhergehend auch keine Sendungen, zum Beispiel zu einer Love-Parade in Zürich oder auch keine Diskussionssendungen zu, aus ihrer biblischen Sicht, «abartigen Themen», schreibt die Person weiter. Bei einer Tanzsendung dürfe man grundsätzlich davon ausgehen, dass man nicht mit solchem konfrontiert werde.
Kein «Radio Maria»
«Genauso wie in anderen Sendungen von SRF, kennen wir in Unterhaltungsshows ganz generell keine Diskriminierung jeglicher Gruppen oder einzelnen Personen», antwortet Blum der Person im Schlussbericht. Das gelte dementsprechend auch für eine Tanzsendung wie «Darf ich bitten?». Von daher fehle ihm das Verständnis für die «diskriminierenden Äusserungen».
Die SRG sei nicht «Radio Maria» und auch kein evangelikaler Sender, so Blum weiter. Sie stelle die Offenheit in den Vordergrund und nicht die Ausschliesslichkeit. Sie spiegle die eidgenössische Realität und nicht ein Zerrbild der Vergangenheit bzw. eine traute «Bluemetetrögli-Schweiz». Deshalb sei den Programmen von Radio und Fernsehen SRF ein Konzept, wie es die beanstandende Person vertrete, fremd.
«Emotionen» gehören dazu
Vier weitere Beanstandungen kritisieren, dass ein Heiratsantrag nicht in eine solche Sendung gehört. Es sei «eine unrechtmässige Ausnutzung einer öffentlichen Sendung, die mit unseren Gebührengeldern finanziert wird, um damit unter anderem seinen privaten Bekanntheitsgrad zu fördern», heisst es dazu in einem Schreiben.
«Emotionen und Überraschungen gehören zur Fernsehunterhaltung», argumentiert Blum in der Antwort. In Interview- und Diskussionssendungen könne die Überraschung darin bestehen, dass jemand etwas völlig Unerwartetes preisgibt, das der Sendung eine Wendung verschafft, oder dass jemand in Tränen ausbricht oder davonläuft. Ähnliches könne in Unterhaltungssendungen passieren. In Livesendungen müssten die Medienleute sogar auf noch Gravierenderes gefasst sein. (wid)
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25.04.2019 12:50 Uhr
24.04.2019 04:40 Uhr