10.01.2024

Dreikönigstagung

Das sagten die Medien-CEOs am Neujahrstreffen

Thomas Kundert (Somedia), Ladina Heimgartner (Ringier Medien Schweiz), Jessica Peppel-Schulz (Tamedia) und Michael Wanner (CH Media) haben über aktuelle Herausforderungen im neuen Jahr diskutiert. Ihr Fokus: KI-Innovationen und die Unternehmenskultur.
Dreikönigstagung: Das sagten die Medien-CEOs am Neujahrstreffen
Die CEO-Diskussion an der Dreikönigstagung (v.l.): Oliver Steffen (Moderator) neben Thomas Kundert (Somedia), Ladina Heimgartner (Ringier Medien Schweiz), Jessica Peppel-Schulz (Tamedia) und Michael Wanner (CH Media). (Bild: Oliver Rüesch)

Rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sassen am Mittwoch im Aura in Zürich im Publikum, als die CEOs von Somedia, Ringier, Tamedia und CH Media auf die Bühne traten. Tagungsmoderator und CH-Media-Journalist Oliver Steffen setzte zum Start gleich bei der Aktualität an und fragte Ladina Heimgartner: «Kann man sich in die Zukunft sparen?» Die Frage kam im Hinblick auf den am Dienstag bekannt gegebenen Abbau von 75 Stellen bei Ringier Medien Schweiz. «Wir führen zwei Firmen zusammen, da ist es logisch, dass man Doppelspurigkeit eliminiert», sagte Heimgartner, die Ringier Medien Schweiz seit Jahresanfang führt. Der Abbau fände daher auch eher im Service- und Support-Bereich statt. 

Michael Wanner, der vor wenigen Wochen mit 150 Stellen einen weitaus grösseren Abbau ankündigte, sagte: «Man kann sich nicht in die Zukunft sparen.» Aber bei CH Media als Familienunternehmen sei es eine unternehmerische Notwendigkeit gewesen, um investieren zu können. Grundsätzlich sei er mit Blick in die Zukunft nicht pessimistisch.

Jessica Peppel-Schulz, seit rund drei Monaten Tamedia-CEO, präsentierte sich an der Dreikönigstagung erstmals der ganzen Branche. «Auch Tamedia muss sparen, um zu investieren und die Tamedia-Marken in das digitale Zeitalter transformieren zu können», sagte sie auf der Bühne. Es gelte, eine kulturelle Veränderung mit den Tamedia-Mitarbeitenden aufzugleisen, die Leute mitzunehmen auf den digitalen Weg und in 360-Grad-Content zu denken. 

«Healthy Traffic» und Logins als Chance

«Ich habe in meinem Leben noch nie so ein Jahr erlebt», sagte Ladina Heimgartner mit Blick auf 2023. In den Weihnachtsferien in Spanien habe sie es für sich als Jahr des Lernens und Vorbereitens abgelegt. Bei Ringier Medien Schweiz liege der Fokus stark darauf, «Healthy Traffic» zu generieren – also Leserinnen und Leser nicht nur über Suchplattformen zu erreichen. Dabei seien Daten und Logins immer wichtiger. Das Thema, so Heimgartner, «wird völlig vernachlässigt, dabei ist es absolut zentral». Sie sagte: «Wenn wir es hinkriegen würden, uns auf die eingeloggte Nutzung – inklusive der SRG – einigen zu können, würde uns das viel mehr bringen als die Halbierungsinitiative, die der Branche eher schadet». 

Beim Wort Kooperation brachte sich Peppel-Schulz ein. Eine solche sei bei den privaten Medienhäusern in der Schweiz unbedingt verstärkt nötig. Mit Blick auf die Technologie seien die Investitionen für einzelne Häuser sehr gross. Auch Wanner findet Kooperationen innerhalb der Medienbranche gut. Allerdings glaube er, dass dies mit Blick auf die SRG nicht reiche. Zu oft habe es «leere Wahlkampfversprechen» gegeben. Wie schon zuvor sagte er, dass er das Subsidiaritätsprinzip unterstütze und die SRG das machen soll, was der Markt nicht erbringen könne. Er forderte klare Leitplanken für die SRG im Sinne des Leistungsauftrags. 

Jede Woche ein neues KI-Feature

Die Entwicklung rund um künstliche Intelligenz wird das Jahr 2024 prägen. Die grossen Medienhäuser haben Arbeitsgruppen eingesetzt, um der Herausforderung zu begegnen. Bei Tamedia zum Beispiel hat eine solche laut Peppel-Schulz den Auftrag gefasst, jede Woche ein neues sinnstiftendes Feature basierend auf bestehenden Tools einzuführen. 

Dennoch gäbe es auf dem Markt auch Innovation ohne KI im Hintergrund, sagte Moderator Steffen und blickte fragend zu Kundert. Dieser nannte die Datenallianz Drive, der Somedia letztes Jahr beigetreten ist, um die Zahl der Digitalabos zu erhöhen (persoenlich.com berichtete). Weiter sprach er von der Geschenkbox für Feinschmecker oder dass sie Abonnentinnen und Abonnenten ein Mobile-Angebot machen. «Das sind nun keine gewaltigen Innovationen», sagte der Somedia-CEO. Aber es gehe darum, stets neue Erlösmodelle zu finden und Dinge zu probieren. 

Hier appellierte Heimgartner für ein grösseres Verständnis fürs Probieren innerhalb der Branche. «Wir sollten uns nicht gegenseitig zerfleischen», sagte sie. Sie habe das bei Blick TV erlebt, als sie dort letzten Herbst Anpassungen vorgenommen hatte.

Angesprochen auf den Verkehrsmonitor, den Tamedia im letzten Jahr lanciert hat, sagte Tamedia-CEO Peppel-Schulz. «Es geht darum, neue Zielgruppen zu erreichen und weg von klassischen News hin zu mehr Servicethemen zu kommen.» Das sei auf jeden Fall eine wichtige Komponente.  

Technologieplattform bei CH Media

Mit Blick aufs neue Jahr will Wanner die Marktpositionen seiner Medienmarken weiter ausbauen. Dabei nannte er explizit das Streamingportal Oneplus sowie das Onlineportal Watson. Ein Ziel sei es zudem, die Zahl der Digitalabos zu erhöhen. Er sprach auch von einer neuen Technologieplattform, an der man bei CH Media arbeite. 

Heimgartner bezeichnete die Kultur im Unternehmen in Bezug auf die technologische Weiterentwicklung als «grösste Herausforderung». In unserem Fall müssten bei Ringier Medien Schweiz tausend Mitarbeitende mitgehen. Man müsse sie sehr früh mit auf die Reise nehmen und gemeinsam Erfahrungen machen. Es brauche die richtigen Leute, zum Teil brauche es neue Skills, aber auch Menschen, die eine Affinität hätten und mit einer gewissen Neugier in die Welt gehen. «Es braucht eine Kultur, die nicht mehr top down ist, sondern auf das gemeinsame Lernen abzielt.»


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KOMMENTARE

Victor Brunner
11.01.2024 07:32 Uhr
Den Medien-CEOs ist zugute zuhalten das sie alles ehrlich meinen was sie sagen, nur ist ihre Hilflosigkeit spürbar. Alle haben irgendwelche Visionen und Rezepte nur "wie fesseln wir mit gutem Journalismus LeserInnen an uns" ist nicht zu hören. Sie haben sich verabschiedet. Der Bauchladen der CEOS ist voll, nur wer kauft ihnen noch etwas ab. Ladina Heimgartner (immer gut für die Integration von Englisch in die deutsche Sprache) hat einen neuen Begriff lanciert, «Healthy Traffic». Die Distanz von Heimgartner zu den LeserInnen wird immer grösser. Beruhigend, von der NZZ war niemand auf dem Podium, wahrscheinlich haben sie zur gleichen Zeit gute Artikel für ihre Kunden geschrieben!
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