09.01.2024

Ringier Medien Schweiz

Medienhaus plant Abbau von 75 Stellen

Nach der Übernahme von Ringer Axel Springer Schweiz durch Ringier zeigen sich die Konsequenzen des Zusammenschlusses. Am Dienstag leitete Ringier Medien Schweiz ein Konsultationsverfahren ein. Der Berufsverband Impressum kritisiert die kurze Dauer des Verfahrens.
Ringier Medien Schweiz: Medienhaus plant Abbau von 75 Stellen
Umbau bei Ringier Medien Schweiz: Die Integration der Blick-Gruppe, Ringier Axel Springer Schweiz, Ringier Advertising und Ringier Mediatech & Services unter dem neuen Dach wird Veränderungen mit sich bringen. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Ringier Medien Schweiz plant einen Abbau von 75 Stellen in allen Bereichen des neu formierten Unternehmens. Dazu wurde am Dienstag ein Konsultationsverfahren eingeleitet. Für die betroffenen Mitarbeitenden kommen Sozialpläne zur Anwendung, wie es in einer Mitteilung heisst.

Im September wurde der Zusammenschluss der Blick-Gruppe und der ehemaligen Ringier Axel Springer Schweiz AG (Rasch) kommuniziert (persoenlich.com berichtete). «Wenn man einen solchen Merger macht, schaut man sicher, wo es Überschneidungen gibt. Der Fokus liegt aber sicher nicht auf den Redaktionen», sagte Ladina Heimgartner, CEO von Ringier Medien Schweiz, bereits im September. In einem Interview, das in der Dezember-Printausgabe von persönlich erschien, ergänzte sie: «Schlussendlich leben wir in derselben Welt wie Tamedia und CH Media und sind mit denselben Herausforderungen konfrontiert. Wir bewegen uns momentan in einem äusserst schwierigen Marktumfeld. Will man als Verlagshaus langfristig erfolgreich bleiben, muss man die Kostenseite im Griff haben.»

Schon länger kommuniziert wurde, dass die Gesamtkosten um fünf Prozent reduziert werden sollen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist laut Mitteilung neben der Nichtbesetzung von Vakanzen und einer Reduzierung der Sachkosten auch ein Stellenabbau unerlässlich. Dabei seien die Servicebereiche – wie zum Beispiel die Betreuung des Nutzermarkts, Marketing und Mediatech – von den Massnahmen stärker betroffen als die Redaktionen und Ringier Advertising.

«Bündelung der Kompetenzen»

Die Zukunftsorganisation ist laut Communiqué nach einer mehrwöchigen Evaluation definiert worden. Ziel sei es, «dank mehr als 20 etablierten Titeln, einem breiten Themenspektrum, grosser Reichweite und konzentrierter Expertise in allen Bereichen das innovativste und führende Medienhaus der Schweiz zu werden». Die Anpassungen seien in zwölf Arbeitsgruppen erarbeitet worden. Diese Gruppen waren laut Mitteilung zusammengesetzt aus rund 30 Mitarbeitenden aus allen Bereichen, der Geschäftsleitung von Ringier Medien Schweiz und einer auf Unternehmensfusionen spezialisierten, externen Beratungsfirma.

Der Fokus der Analyse lag dabei auf der Wirtschaftlichkeit, auf dem Abbau von Doppelstrukturen und Überschneidungen, aber auch auf dem Aufbau einer modernen Organisation, wie es weiter heisst. Um «Schlagkraft, Agilität, Effizienz und damit auch die Zukunftsfähigkeit von Ringier Medien Schweiz» in einem anspruchsvollen Marktumfeld weiterhin zu gewährleisten, sehe die Geschäftsleitung deshalb «eine Bündelung der Kompetenzen in mehreren Bereichen» vor.

Die Mitarbeitenden und die Personalkommissionen wurden am Dienstag von CEO Ladina Heimgartner über das geplante Massnahmenpaket zur Neuausrichtung von Ringier Medien Schweiz und die Eröffnung des Konsultationsverfahrens informiert. Dieses endet am 19. Januar 2024.

«Mit der geplanten neuen Organisationsstruktur schaffen wir für Ringier Medien Schweiz eine gesunde und nachhaltige wirtschaftliche Basis. Das ist zentral», lässt sich Heimgartner zitieren. «Ich bedaure es sehr, dass wir dieses Ziel nicht ohne Stellenabbau erreichen können. Doch erachten wir es als besser, einmal einen klaren Schnitt zu tätigen, danach dann aber Ruhe einkehren zu lassen. Mit den bestehenden Sozialplänen verfügen wir immerhin über bewährte Instrumente, um die Folgen für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen abfedern zu können.»

Über das Ergebnis des Konsultationsverfahrens wird Ende Januar informiert. Anschliessend soll die neue Struktur ab Februar 2024 implementiert werden.

Impressum kritisiert Verfahrensdauer

Der Berufsverband Impressum verurteilt in einer Mitteilung «diesen weiteren Schlag gegen die Schweizer Presse, nachdem im Jahr 2023 bereits 220 Stellen bei Tamedia und CH Media abgebaut wurden». Für Livia Lehner, Zentralsekretärin von Impressum, «ist es unverantwortlich, von den Angestellten zu verlangen, diesen Konzern zum Marktführer zu katapultieren, und gleichzeitig so massiv bei den treibenden Kräften zu kürzen».

Die Personalkommissionen und das gesamte Personal seien am Dienstag über diese Massnahmen informiert worden. Impressum sei vom Medienunternehmen nicht einbezogen worden, heisst es weiter.

Das vom Unternehmen am Dienstag eröffnete Konsultationsverfahren soll am 19. Januar – also nach zehn Tagen – enden. «Dies hinterlässt den Eindruck, dass das Konsultationsverfahren nur eine Farce ist, dass alle Beschlüsse bereits gefasst sind und möglichst schnell umgesetzt werden sollen, ohne die Mitarbeitenden tatsächlich anzuhören», kristisiert Lehner. Ihrer Meinung nach könne unter solchen Umständen kein konstruktiver Dialog entstehen. «Auch wenn diese Massnahmen nicht vorrangig die Redaktionen betreffen, werden mit einem solchen Personalabbau alle Ringier-Angestellten in ihrem Arbeitsalltag unter Druck gesetzt.» (pd/cbe)



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Kommentare

  • Victor Brunner, 09.01.2024 17:56 Uhr
    Ringier hat zu viele "Heads of...", da ist ein gewaltiges Sparpotential!
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