08.06.2022

Andrea Masüger

«Die Mittlerfunktion ist meine zukünftige Aufgabe»

Andrea Masüger soll im Herbst neuer Präsident des Verbandes Schweizer Medien (VSM) werden. Der Bündner Publizist erzählt im Interview über seine Motivation für die Zusage und seine Pläne.
Andrea Masüger: «Die Mittlerfunktion ist meine zukünftige Aufgabe»
Soll im Herbst von Pietro Supino das Amt des VSM-Präsidenten übernehmen: Andrea Masüger. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)
von Matthias Ackeret
Herr Masüger, Sie werden neuer Präsident des Verbandes Schweizer Medien. Was hat Sie bewogen, dieses Amt anzunehmen?
Vorerst mal bin ich erst nominiert. Die Mitgliederversammlung muss mich im September noch wählen. Ich muss mich also noch in Demut üben. Aber es hat mich gefreut, dass mehrere Kollegen im Präsidium der Ansicht waren, ich sollte das Amt übernehmen. Dieser Rückhalt war die Hauptmotivation für die Zusage, neben meiner Überzeugung, dass der Verband für die Schweizer Medienbranche eine ganz wichtige Aufgabe erfüllt. Diese in Zukunft noch aktiver mitzugestalten ist eine Herausforderung, die ich mit Freude annehme.
 
Mussten Sie lange überlegen, als Sie die Anfrage bekamen?
Nein. Als mich Pietro Supino fragte, war es für mich schnell klar.
 
Ihr Vorvorgänger ist Ihr langjähriger Chef und Geschäftspartner Hanspeter Lebrument. Haben Sie ihn vor der Zusage noch konsultiert und wenn ja, was hat er Ihnen empfohlen?
Vor meinem Ja habe ich es mit meiner Frau besprochen, die mich sofort unterstützt hat. Hanspeter habe ich informiert, als die Zusage feststand. Er hätte mir ohnehin geraten, das Amt anzunehmen. Und er hat sich dann sehr, sehr gefreut.

«Die Medienbranche tritt wieder geschlossen auf»

Sie sind als langjähriger Somedia-Geschäftsführer und Teilhaber ein Vertreter eines mittelgrossen Verlagshauses. Hat man da einen anderen Blick auf die Branche als ein Vertreter eines Grossverlages wie Pietro Supino?
Das ist naturgemäss so. Pietro Supino ist Präsident eines der grössten Medienhäuser der Schweiz, ein Grossverleger für hiesige Verhältnisse. Das ergibt mit Blick auf die Branche eine Perspektive, die schon anders ist als aus der Sicht eines kleineren Verlages. Doch Pietro hat immer versucht, die Kleinen und Mittleren einzubinden. Der VSM besteht ja zum Grossteil aus eher kleinen bis sehr kleinen Häusern. Ich bin ausserdem froh, künftig Peter Wanner als Vizepräsident an der Seite zu haben. Er ist ein klassischer Vertreter der Verleger alter Schule mit einer unglaublichen Erfahrung.
 
Was gedenken Sie anders als Ihr Vorgänger Pietro Supino zu machen?
Pietro Supino hat die Latte hoch gesetzt! Er ist unglaublich schnell im Denken und ein strategisches Talent. Seine Nachfolge wird anspruchsvoll werden. Ich werde in den Hauptpunkten sicher seine Politik weiterführen, weil sie sich bewährt hat. Und es wäre natürlich schön, wenn es wieder einmal einen richtigen Verlegerkongress gäbe wie zu früheren Zeiten. Aber das hat nicht gerade erste Priorität, zumal dieses Format natürlich auch den heutigen Zeiten angepasst werden müsste.
 
Der Verband steckt nach der verlorenen Medienförderungsabstimmung in einer schwierigen Phase. Gibt es nun von Ihrer Seite einen neuen Anlauf?
Wir sind schon mittendrin. Eine Arbeitsgruppe ist daran, unsere Position für eine künftige Medienförderung zu skizzieren, welche die Bedürfnisse der Branche aufnimmt, aber auch das Abstimmungsergebnis berücksichtigt. Das ist eine diffizile Aufgabe.
«Wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie die Öffentlichkeit unsere Branche wahrnimmt»
Vor der Medienförderungsabstimmung gab es immer wieder Spannungen zwischen den grossen sowie den mittelgrossen und kleinen Verlagshäusern. Sind diese nun überbrückt?
Die Spannungen entzündeten sich an der Medienförderungsvorlage, welche die unterschiedlichen Interessen der Grossen und der Kleinen scharf zu Tage treten liess. Als das Paket stand, akzeptierten aber alle den Kompromiss. Insofern sind wir wieder einer Meinung. Ich wurde nicht zuletzt auch deshalb als Präsident angefragt, weil es mir gelungen war, in dieser Phase zwischen den Grossen und Kleinen zu vermitteln. Diese Mittlerfunktion sehe ich auch als künftige Aufgabe in meinem Amt. Ausserdem ist jetzt auch Ringier wieder im VSM dabei, die Branche tritt wieder geschlossen auf. Das ist enorm wichtig und für mich eine grosse Erleichterung. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ladina Heimgartner.
 
Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen der Medienbranche in den nächsten Jahren?
Ich sehe vier Schwerpunkte: erstens die soeben angesprochene Neuauflage der Medienförderung, an der wir arbeiten. Zweitens das Leistungsschutzrecht, das jetzt in die wichtige Entscheidphase des Parlaments kommt. Die Verlage müssen für die Nutzung ihrer Inhalte durch die Techgiganten eine Entschädigung bekommen. Drittens müssen wir alles daransetzen, dass die Medienkompetenz, insbesondere der jüngeren Generationen, steigt, um gegen das Übel der Fake News und der Desinformation gewappnet zu sein. Der VSM ist hier schon sehr aktiv. Und viertens müssen wir uns darüber Gedanken machen, wie die Wahrnehmung unserer Branche in der Öffentlichkeit ist. Die Abstimmung zum Medienpaket hat gezeigt, dass hier nicht alles zum Besten bestellt ist. Wir müssen unser Gattungsmarketing verstärken.
 
Sie haben noch verschiedene andere Funktion wie beispielsweise Präsident des Stiftungsrates des Zürcher Journalistenpreises. Werden Sie diese Funktionen beibehalten?
Ich werde wohl das eine oder andere abgeben müssen, muss das aber noch konkret anschauen.
 
Worauf freuen Sie sich bei Ihrem neuen Job am meisten?
Auf den Austausch mit vielen Persönlichkeiten in- und ausserhalb des Verbandes. Besonders schmerzlich ist dabei, dass mein lieber Kollege Gilbert Bühler mich nicht mehr begleiten kann. Mit ihm war es im Präsidium und bei vielen Anlässen immer ein kleines Fest. 


Andrea Masüger ist heute VR-Delegierter bei Somedia Press. Zuvor war er 40 Jahre lang Journalist, Chefredaktor, Publizistischer Leiter und zuletzt CEO des Bündner Medienhauses.



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