12.03.2019

Jahresbilanz 2018

Diese fünf Themen gaben bei Tamedia zu reden

An der Medienkonferenz vom Dienstag hat vor allem die geplante neue Unternehmensstruktur interessiert. Zu erfahren war auch, welche Ziele sich der Verlag punkto Digitalabos setzt. Und dass CEO Christoph Tonini über Print-Werbeeinbussen bei «20 Minuten» rätselt.
Jahresbilanz 2018: Diese fünf Themen gaben bei Tamedia zu reden
CEO Christoph Tonini spricht mit Finanzchef Sandro Macciacchini an der Bilanzmedienkonferenz von Tamedia in Zürich. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
von Michèle Widmer

1. Umstrukturierung: Eine Vermarktungs-Unit aus Goldbach und Tamedia Advertising
Tamedia will sich strukturell neu aufstellen und damit die «Transparenz und das Wachstum in allen Geschäftsbereichen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Kulturen erhöhen», wie es in der Mitteilung heisst. Aktuell besteht das Organigramm aus den Bereichen Bezahlmedien, Werbung & Pendlermedien, Goldbach Group, Rubriken & Marktplätze, Technologie & Beteiligungen, Verlagsdienstleistungen sowie Finanzen & Personal.

An der Medienkonferenz nennt CEO Christoph Tonini als Beispiel die zwei Vermarktungsabteilungen, welche Tamedia neu mit Goldbach und Tamedia Advertising hat, in eine Vermarktungs-Unit zu bündeln. Möglich wäre auch, eine Drittvermarktung aufzubauen, auch für kleinere und mittlere Verlage. Die Profile der Bereiche Bezahlmedien und Pendlermedien sollen geschärft werden. Zudem werde geprüft, ob man die Bereiche Bezahlmedien und Verlagsdienstleistungen zusammenfasst.

Auf dem Slide dazu an der Medienkonferenz sucht man vergeblich das Wort «Synergien». Aus Erfahrung wisse man, dass es pro Mediengattung spezialisierte Verkaufsteams brauche, antwortet Tonini auf die Frage eines Journalisten nach einem Stellenabbau. Wie Tonini auf Nachfrage von persoenlich.com ergänzt, geht es bei der Umstrukturierung nicht um Kostenreduktion. «Wir wollen bis im Sommer 2020 organisatorisch richtig aufgestellt sein für die Zukunft.»

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2. Digitalabos: Der «Durchbruch» ist laut Pietro Supino geschafft
Im letzten Jahr hat der Verlag die Anzahl Digitalabos auf 70’000 gesteigert (2017: 50'000) und 100’000 Tagespässe verkauft. Verwaltungsratspräsident Pietro Supino nannte dieses Ergebnis an der Medienkonferenz «einen Durchbruch». Es sei gut zu wissen, dass die Strategie funktioniere und dass man darauf aufbauen könne. Tamedia will die Zahl der Bezahlbeziehungen weiter ausbauen. Konkret will CEO Christoph Tonini die Käufer von Tagespässen zu Abonnenten umwandeln. «Wir haben ihre Kontakte und versuchen sie mit einem Angebot angepasst auf ihre Interessen dazu zu bringen, ein Abo zu lösen», sagte er dazu auf Nachfrage.

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3. Digitale Bezahlmedien erhalten 30 Millionen: Diese Ziele müssen die Teams erreichen
«Die 70’000 Digitalabos müssen in den nächsten fünf Jahren auf 300’000 wachsen», sagt Tonini gegenüber persoenlich.com. In den kommenden drei Jahren strebe Tamedia ein Wachstum von 50 Prozent des Digitalumsatzes aus dem Lesermarkt an. Vielleicht seien es dann nur 90’000 Digitalabos, dafür aber mehr mit einem teureren Abotyp. Er ergänzt: «Wir prüfen alle Investitionsideen in diesem Bereich, ob sie zu diesem Ziel einen Beitrag leisten können.»

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4. Rückläufiger Print-Werbemarkt: «20 Minuten» verliert gleich wie Bezahlmedien
Der Betriebsertrag des Geschäftsfeldes Bezahlmedien sank 2018 um 5,6 Prozent auf 553,2 Millionen Franken. Der Umsatzrückgang wurde durch den stark rückläufigen Printwerbemarkt herbeigeführt, heisst es in der Mitteilung. Brisant: Für einmal ist der Print-Werbeerlös von «20 Minuten» wohl gleich stark rückläufig, wie jener der Bezahlmedien. Auf eine entsprechende Frage eines Journalisten sagte Tonini an der Medienkonferenz: «Ich habe noch keine abschliessend logische Erklärung dafür.» Bei den Bezahlmedien sei der Rückgang bei den Werberlösen auf die schwindende Leserzahl zurückzuführen. Dass jetzt «20 Minuten» ohne solche Leistungsrückgänge bei der Leserschaft gleich stark rückläufig sei, sei für ihn nicht ganz erklärbar. Tonini hofft, dass dies ein einmaliger Effekt 2018 ist.

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5. «Youthlab»: «20 Minuten» lanciert Whatsapp-Newsletter
Das Gratisblatt sowie das Onlineportal haben je länger je mehr Mühe, das junge Zielpublikum zu erreichen. Um mehr über den Medienkonsum von Jugendlichen zu erfahren, hat «20 Minuten im Herbst die Initiative «Youthlab» lanciert und ist in 12 Sessions mit 23 Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren zusammengesessen. Die Erkenntnisse daraus sowie konkrete Massnahmen durfte «20 Minuten»-Chef Marco Boselli am Dienstag vor den Medien präsentieren. «Die Jugendlichen nutzen hauptsächlich Whatsapp, Instagram, Youtube und Snapchat. Facebook ist für sie nicht relevant», sagt Boselli. Folglich konzentriere sich «20 Minuten» im Bereich Social Media auf Instagram.

Geplant ist zudem ein neuer Whatsapp-Newsletter, der «so schnell wie möglich, wahrscheinlich im September oder Oktober» lanciert wird, wie Boselli auf Nachfrage sagt. Die technische Umsetzung sei sehr aufwändig. Man sei mit Whatsapp direkt sowie mit einem Drittanbieter in Kontakt. Die Jugendlichen müssten «20 Minuten» in die Kontaktliste aufnehmen, damit man ihnen Nachrichten zustellen könne.

Aufgrund des Projekts angepasst hat die Redaktion zudem seine Push-Policy. «Jugendliche stören sich nicht an Breaking News aufs Handy», sagt Boselli. Also verschicke die Redaktion nochmals 2 bis 3 Pushs mehr pro Tag. Als weitere Massnahmen hat «20 Minuten» kürzlich einen Redaktor für das Game Fortnite angestellt und lanciert Mitte März das Jugendmagazin «Venty».



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