13.03.2019

SRF

«Diese Verantwortung gebe ich sehr gerne ab»

Ruedi Matter, Direktor von Schweizer Radio und Fernsehen, übergibt am Freitag das Zepter an Nathalie Wappler. Im letzten grossen Interview in seiner Funktion spricht der 65-Jährige über Höhepunkte, prominente Abgänge, den FC Basel und seine persönlichen Zukunftspläne.
SRF: «Diese Verantwortung gebe ich sehr gerne ab»
2011 wurde Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen zum Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) zusammengelegt. Ruedi Matter wurde zum ersten Direktor der neuen Unternehmenseinheit gewählt. Nun endet sein Arbeitsvertrag. (Bild: SRF/Oscar Alessio)
von Christian Beck

Herr Matter, als was für ein SRF-Direktor möchten Sie in Erinnerung bleiben?
Ich kann nur über jene Erinnerungen sprechen, die ich vermutlich haben werde – nämlich an acht grossartige Jahre, die beruflich sehr erfüllend waren. Geprägt waren sie von grossen Herausforderungen: von der Fusion von Radio und Fernsehen bis hin zu einer denkwürdigen Abstimmung, in der uns eine unglaubliche Mehrheit von Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern das Vertrauen ausgesprochen und signalisiert hat: Wir sind bereit, Gebühren zu bezahlen.

In der letzten «Aeschbacher»-Sendung von Ende 2018 sagten Sie, Direktoren würden rasch vergessen gehen. Sind Sie froh drum?
Ob ich darüber froh bin oder nicht, spielt gar keine Rolle (lacht). Es ist eine Tatsache: In Erinnerung bleiben jene Gesichter, die lange am Bildschirm waren und so zu legendären Figuren wurden – so wie Aeschbi, um ein Beispiel zu nennen.

Um bei Kurt Aeschbacher zu bleiben: Er musste gehen (persoenlich.com berichtete). Das sorgte in der Öffentlichkeit auch für Unverständnis. Hätte er nicht weiterhin funktioniert?
Aeschbi ist eine der ganz grossen Persönlichkeiten in der Geschichte des Schweizer Fernsehens. Wir waren uns einig – gemeinsam mit ihm –, dass er mal aufhört. Der Zeitpunkt wurde sparbedingt um ein paar Monate vorverlegt.

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Sie sagten bei «Aeschbacher» auch, dass Ihnen Fehler, die Sie als SRF-Direktor gemacht hätten, immer wieder vorgehalten würden. Aber Sie hätten auch Dinge richtig gemacht. Die Antwort blieben Sie dem Publikum schuldig.
Aeschbi hat mich auch nicht gefragt (lacht).

Jetzt frage ich.
Gelungen ist sicher der erwähnte Zusammenschluss von Radio und Fernsehen. Sehr viele Leute hielten ihn für unmöglich. Es lief aber besser als wir selbst erwartet hatten. Heute ist es selbstverständlich für alle, dass wir in diesem Unternehmen Radio machen, Fernsehen machen und Online eine starke Position haben. Mittlerweile weiss ich bei vielen Mitarbeitenden gar nicht mehr, wo ihr Schwerpunkt liegt, weil sie auf allen Kanälen und Plattformen aktiv sind.

Und sonst?
Kurz vor Abschluss und gut vorbereitet ist die Inbetriebnahme des Gebäudes in Basel, in dem die Abteilung Kultur zusammengefasst wird. Im grösseren Projekt am Standort Leutschenbach in Zürich ist die tagesaktuelle Information von Fernsehen und Online für eine neue Epoche gerüstet. Ab November werden im Newsroom alle ihre Kräfte bündeln und nicht mehr zwischen Kanälen und Plattformen unterscheiden.

«Es gibt eine für SRF neuartige Art der Zusammenarbeit»

Stichwort Basel: Im Juni zügeln 120 Mitarbeiter vom Leutschenbach nach Basel. Das neue Gebäude wird die Kulturabteilung mit 330 Leuten beherbergen. Soeben wurde die Organisationsstruktur dafür angepasst. Warum läuft dieser Umzug praktisch ohne Nebengeräusche ab?
Von diesem bevorstehenden Umzug weiss man seit ungefähr vier Jahren. Wer nicht dabei sein wollte, hatte genügend Zeit, sich neu zu positionieren. Es gibt eine tiefe zweistellige Zahl an Leuten, die nicht umziehen werden. Sie haben innerhalb des Hauses eine neue Funktion, andere haben sich selbstständig gemacht. Wer schon mal im Gebäude war, das übrigens nur drei Minuten vom Zugperron entfernt ist, stellt fest: Es gibt eine für SRF neuartige Art der Zusammenarbeit an einem tollen Ort, man freut sich einfach darauf, dort zu arbeiten.

Für Augenreiben in der Medienbranche sorgte der Abgang von «Arena»-Moderator Jonas Projer, der von SRF zur Blick-Gruppe wechselt. Wie gross war Ihr Erstaunen, als Projers Kündigung auf dem Tisch lag?
Mein Erstaunen hielt sich in Grenzen. Ich war etwa so alt wie Jonas Projer, als ich selber zu Ringier wechselte – ein Schritt, den ich nie bereut habe. Es waren spannende Jahre – und ich lernte in diesem Unternehmen viel. Ringier ist auch heute noch sehr gut geführt und aufgestellt. Viele grosse Schritte in eine neue Epoche wurden bereits gemacht. Dass man als Journalist mit einer grossen Erfahrung in diesem Alter mal etwas anderes sehen will, finde ich richtig. Es ehrt uns, dass Ringier für ein so grosses Projekt das Personal bei uns findet.

Projer ist längst nicht der einzige prominente Abgang. Steffi Buchli ging zu MySports, Roman Kilchsperger zu Teleclub, Matthias Hüppi zum FC St. Gallen, Urs Gredig zu CNN Money Switzerland, und Annina Frey wollte sich selbst verwirklichen …
… und wir könnten noch etwa 20 weitere aufzählen, die in den letzten zehn Jahren pensioniert wurden.

«Was ist los am Leutschenbach?», fragte sich die «NZZ am Sonntag». Haben Sie eine Antwort?
Es gibt heute im Fernsehen einen stärkeren Wettbewerb. Dass jemand wie Steffi Buchli eine solche Chance kriegt und auch packt, verstehe ich. Das gilt auch für Urs Gredig. Zudem steht ja allen die Türe offen, wenn sie zurückkehren wollen. Ich bin überzeugt, dass man Einzelne auch wieder bei uns sehen wird. Mit ihren neuen Erfahrungen in anderen Unternehmen werden sie unser Haus bereichern. Jeder ist willkommen, vor allem jene, die wir hoch geschätzt haben. Wen haben Sie noch genannt?

Kilchsperger …
… er hat sich entschieden, etwas anderes zu machen. Eine Tätigkeit im Sport konnten wir ihm einfach nicht bieten. Wir haben in den letzten zehn Jahren viel Nachwuchs entwickelt und haben heute gerade im Sport eine Reihe von 30- bis 50-jährigen Spitzenleuten.

«Leider kommt niemand auf die Idee, mir das Präsidium des FC Basel anzubieten»

Hüppi …
Der Abgang von Matthias war doch nicht problematisch! Er war einer der ganz grossen Stars, hatte bei SRF als Sportjournalist alles erreicht, was man erreichen kann. Und er hatte noch ein paar Arbeitsjahre vor sich. Man muss sich auch mal vorstellen, mit welchen Reisestrapazen es verbunden ist, einen ganzen Winter lang Skirennen zu kommentieren. Dann kommt in diesem Alter ein Angebot, den Fussballclub in seiner Heimat als Präsident zu übernehmen… als leidenschaftlicher Sportjournalist muss er eine solche Chance einfach packen. Leider kommt niemand auf die Idee, mir das Präsidium des FC Basel anzubieten.

Sie würden das Angebot sofort annehmen?
Dieses Präsidium würde mir niemand anbieten. Matthias traut jeder diese Kompetenz zu, zu Recht, mir nicht mal ansatzweise, ebenfalls zu Recht (lacht).

Und Annina Frey …
… hat über zehn Jahre «Glanz & Gloria» moderiert. Sie wünschte sich mehr Freiheiten. Als ich hier begann, sagte man, SRF hätte ein riesiges Problem, weil der Moderatoren-Nachwuchs fehle. Heute haben wir eine Mischung von Moderatorinnen und Moderatoren aus allen Generationen, vom fehlenden Nachwuchs spricht niemand mehr. Wir haben junge Top-Kräfte, gerade auch bei «Glanz & Gloria». Diese jungen Kolleginnen und Kollegen sind aber auch schon um die 30 – und da spricht man von «Jugendwahn». Da muss ich manchmal einfach schmunzeln.

Die Führung von SRF scheine sich nicht auf die neue Konkurrenz eingestellt zu haben. Man erwarte Dankbarkeit, dass man überhaupt beim öffentlichen Sender arbeite dürfte, sagte ein Kadermann der «NZZ am Sonntag».
Diesen immer wieder zitierten anonymen Kadermann würde ich gerne kennenlernen (lacht). Jede der Moderationspositionen, die frei wurde, konnten wir problemlos wiederbesetzen. Wir sind darauf vorbereitet, dass hin und wieder jemand SRF verlässt.

Dann muss SRF im Arbeitsleben nicht mehr die letzte Station sein?
Genau. Und SRF kann auch später wieder eine Station sein. Das ist bei einigen der von Ihnen genannten Leute durchaus eine Option. Viele von ihnen treffe ich gelegentlich, und es sind durchwegs freundschaftliche Begegnungen. Um zum ursprünglichen Thema zurückzukehren: Natürlich bin ich durchaus dankbar, dass viele gute Leute in allen Sparten bei uns arbeiten. Und die intrinsische Motivation ist in diesem Haus extrem hoch.

«Kein einziger hat je ein strafendes Wort von mir gehört»

Wissenschaftsjournalistin Hanna Wick, die nun Gymi-Lehrerin werden will, sagte in einem persoenlich.com-Interview: Bei SRF einfach mal etwas auszuprobieren, sei schwierig. Es sei alles sehr kontrolliert. Müsste SRF mutiger werden?
Diese Wahrnehmung habe ich zur Kenntnis genommen, sie entspricht nicht dem, was ich erlebe. Gerade Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die noch nicht so lange bei uns sind, beispielsweise im Bereich Junge Zielgruppen, probieren viel aus. Und kein einziger hat je ein strafendes Wort von mir gehört. Meine Aussage war mehrfach: Wir wollen, dass man etwas ausprobiert. Vielleicht geht dabei auch mal etwas schief. Wichtig ist, dass wir dabei etwas lernen.

Das heisst, man muss heutzutage mutig sein, insbesondere, um die Jungen zurückzuholen?
Bei den 15- bis 29-Jährigen haben wir den grössten Marktanteil von allen – am Hauptabend rund ein Viertel. Aber in absoluten Zahlen sind es natürlich nicht mehr so viele wie früher. Bei SRF schauen die Jungen ziemlich intensiv Live-Sport, ansonsten nutzt diese Altersgruppe nicht primär lineares Fernsehen, sondern ist auf anderen Plattformen unterwegs. Und genau deshalb haben wir die Präsenz auf srf.ch oder Drittplattformen wie Instagram oder Youtube ausgebaut, wo wir die jungen Zielgruppen sehr gut erreichen.

Auch wenn die Jungen weniger klassisches Fernsehen nutzen: SRF vermeldete für 2018 einen Rekord. Mit 32,7 Prozent wurde der höchste Marktanteil in fünf Jahren gemessen. Macht Sie das stolz?
Es hat mich eher überrascht. 2010, als wir die Fusion von Radio und Fernsehen vorbereiteten, gingen wir von sehr viel tieferen Werten schon im Jahr 2015 aus. Stolz bin ich auf das ganze Haus. Es ist ja nicht der Direktor, der das Programm macht, sondern ganz viele Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen. Klar, die Strategie war offenbar nicht kreuzfalsch, aber im Alltag sind es die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die alles motiviert umsetzen.

Sie sagen es: In absoluten Zahlen geht es abwärts. Genauer: In fünf Jahren, seit der Einführung der neuen Messmethode, sank die Zahl der TV-Zuschauer um 65‘000 auf 2,26 Millionen. Sind Sie überrascht, dass der Rückgang nicht stärker war?
Ich schaue natürlich noch tiefer in diese Zahlen hinein. Mich interessieren vor allem die Ratings einzelner Sendungen – und wie viele Personen eine Sendung von A bis Z schauen. Hier sieht man, dass die Ratings zurückgegangen sind, obwohl die Marktanteile gleich geblieben sind. Das heisst: Wir konnten uns in einem schrumpfenden Markt gut behaupten. 50 Prozent Marktanteil bei der «Tagesschau» waren vor zehn Jahren etwa eine Million Zuschauer, heute sind es 700'000.

«Schliesslich bezahlen die Jungen auch Gebühren»

Und Ihre Erkenntnis daraus?
Das Publikum im klassischen Radio und Fernsehen wird älter, die Jungen schauen nicht mehr im gleichen Ausmass lineares Fernsehen wie noch vor 20 Jahren, lineares Radio hören sie noch eher. Dafür sind sie auf anderen Plattformen unterwegs, und dort spielen Audio und Video eine sehr wichtige Rolle. In einem Markt, in dem Audio und Video wichtig sind, haben wir eine hervorragende Ausgangslage. Aber: Wir können Video und Audio nicht nur über unsere eigenen Kanäle ausspielen, sondern müssen auf Drittplattformen präsent sein und die eigenen Plattformen ausbauen. Und das erachte ich als unsere Pflicht, schliesslich bezahlen die Jungen auch Gebühren. Denken wir an die «No Billag»-Abstimmung zurück: Die jüngsten Abstimmenden lehnten die Initiative am stärksten ab. Das hatte so niemand erwartet.

Gewisse Service-public-Sendungen holen ja auch nicht gerade die Massen an den Bildschirm. Ist Service public für Sie mehr Fluch oder Segen?
Ein Segen, weil es einem erlaubt, das zu machen, was man selber gerne schaut und richtig findet. Bei einem privaten Sender würde man eine anspruchsvolle Serie wie beispielsweise «Wilder» nicht realisieren, das Risiko wäre zu gross. Auch eine «Tagesschau» oder ein «10vor10» würde es nicht geben. Solche Sendungen mit starker politischer Berichterstattung und viel Auslandanteil wären ohne Gebühren nicht machbar.

Ist es wirklich immer nur Segen? Gibt es keine Sendung, die Sie am liebsten streichen würden, wegen des Service-public-Auftrags aber ausstrahlen müssen?
Nein, die gibt es nicht. Der Inbegriff einer Service-public-Sendung sind die «Sternstunden» am Sonntag: kleines Publikum, anspruchsvoll. Jedem Manager eines privaten Senders liefe der kalte Schauer über den Rücken, wenn er eine solche Sendung im Programm haben müsste. Ich dagegen freue mich über das Format. Wir haben dort Gäste, die in ihrem Fach, in der Kunst, in den Natur- oder Geisteswissenschaften, zu den Grössten gehören. Mit diesem Panorama an Leuten, die dort auftreten, ist die Sendung ein hinreissendes Angebot. Die Zuschauerzahl ist überschaubar, aber ein Fussballstadion füllen wir.

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«No Billag» war wie ein reinigendes Gewitter, fand Bakel Walden von der SRG-Geschäftsleitung. Auch für Sie die treffenden Worte?
Die Abstimmung hat ganz klar wie ein reinigendes Gewitter die Verhältnisse geklärt. Deutlich über 70 Prozent haben bei einer guten Stimmbeteiligung ein klares Nein zu dieser Initiative in die Urne gelegt. Auf die «Ja, abers» sind wir eingegangen, haben den Dialog intensiviert und haben unser Haus noch weiter geöffnet. Die Aussage, dass wir effizienter werden sollen, haben wir ernst genommen. Eines dieser Projekte stösst allerdings auf einen gewissen Widerstand …

… Sie sprechen das Radiostudio Bern an. Ein Teil der Infoabteilung des Radios soll nach Zürich kommen.
Mit dieser Teilverschiebung kann man zum einen sparen, vor allem aber wird die Zukunft des Audioangebots von SRF gesichert. Der Nationalrat wird sich voraussichtlich noch diese Woche mit mehreren Vorstössen zum Thema Radiostudio Bern befassen.

Und dann übernimmt Nathalie Wappler. Am Freitag kommt es zum grossen Chefwechsel. Was hat die Bald-SRF-Direktorin, was Sie nicht haben?
Sie hat eine andere Biografie als ich – und damit einen anderen Blick auf die Dinge. Ich bin überzeugt, dass man eine Position, wie ich sie jetzt noch die letzten Tage habe, in jedem Lebensalter nur sieben bis zehn Jahre machen sollte, maximal. Ich war während acht Jahren Direktor. Da ist es richtig, wenn jemand Neues kommt, der eine neue Perspektive hat, andere Erfahrungen mitbringt und einer anderen Generation angehört. Nathalie bringt ideale Voraussetzungen für den Job mit.

Dann wird es Ihnen leicht fallen, die Verantwortung abzugeben?
Diese Verantwortung gebe ich sehr gerne ab. Ich bin überzeugt, dass Nathalie Wappler es gut machen wird.

Und was geben Sie nicht gerne ab?
Ich werde vieles vermissen, etwa das Arbeiten in Gruppen, wenn Mitarbeitende aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Generationen zusammen grössere Projekte realisiert haben. Das waren die besten Tage, wenn man zusammensass und im Gespräch die Zukunft entwickelte.

Sie behalten innerhalb der SRG noch einige Aufgaben. Sind Sie froh, dass Sie den Badge nicht sofort abgeben müssen?
Den Badge gebe ich ab. Bis Ende Jahr behalte ich im Auftrag der SRG zwei Mandate. Eines im Bereich der Publikumsforschung, das zweite in der von uns gegründeten Stiftung, die sich um die Sicherung und Zugänglichmachung der Archivbestände kümmert.

«Es freut mich sehr, die Herrschaft über meinen Kalender zurückzuerlangen»

Ab Samstag sind Sie sozusagen ein freier Mann. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Es freut mich sehr, die Herrschaft über meinen Kalender zurückzuerlangen. Auch wenn ich mit meiner Assistentin eine wunderbare und freundschaftliche Arbeitsbeziehung hatte: Die Macht über meinen Kalender lag bei ihr.

Wissen Sie überhaupt, wie man einen Kalendereintrag erstellt?
Das weiss ich, und zwischendurch habe ich auch mal einen selber erstellt – und bekam gleich eins auf die Finger (lacht). Ich weiss auch, wie man einen Flug selber bucht und wie man ein Auto parkiert.

Es wurde Ihnen in den letzten acht Jahren also nicht alles aus dem Weg geräumt?
Da herrschen viele falsche Vorstellungen. Wir sind kein Weltkonzern, sondern ein bescheidenes Schweizer Unternehmen.

Haben Sie sich schon neue Hobbys zugelegt oder reaktivieren Sie welche?
Mit Musik und Film kann ich mich nun wieder intensiver beschäftigen, nicht nur beruflich, sondern auch rein privat. Auf Reisen werde ich jetzt wieder Zeit haben, zwei, drei Tage etwas zu besichtigen. Und es gibt eine Reihe von Themen, mit denen ich mich beschäftigen will. Ich habe nicht im Sinn, von 150 auf 0 zu reduzieren.

«Ich will intellektuell fit bleiben»

Und mit welchem Verwaltungsrats-Mandat liebäugeln Sie?
Das schauen wir an, wenn konkret etwas auf dem Tisch liegt. Ich glaube aber, dass es in Verwaltungsräten heute eher Leute zwischen 50 und 60 braucht als über 60. Das Sammeln von Verwaltungsratsmandaten ist weder mein primäres noch mein sekundäres Ziel, insbesondere nicht in der Medienbranche.

Warum nicht?
Die letzten zwölf Jahre war ich zunächst Chefredaktor von Radio DRS, dann SRF-Direktor. Meines Erachtens wäre es völlig falsch, wenn ich mit dieser Biografie in der Schweiz Aufgaben in privaten Medien übernähme. Auch nicht in einem Verwaltungsrat. Ich werde 66 Jahre alt, und will intellektuell fit bleiben. Deshalb will ich mich mit Themen beschäftigen, von denen ich noch nicht so viel verstehe, sondern teilweise für mich Neuland sind.

Was finden Sie spannend?
Schöpferische Kultur – von Musik über Theater bis zu Oper – sind alles Bereiche, die mich seit meiner Jugend interessieren, auch der Film gehört dazu. Als langjähriger Wirtschaftsjournalist sind für mich auch Wirtschaft und Finanzmärkte spannend. Obwohl ich selber Historiker bin, faszinieren mich zunehmend auch die Naturwissenschaften. Die neuen Möglichkeiten von Big Data eröffnen hier völlig neue Welten.

Sie wollen geistig fit bleiben. Wie bleiben Sie körperlich fit? Als ich Sie Anfang 2018 fragte, wie Sie den «No Billag»-Abstimmungssonntag verbringen, hofften Sie, auch etwas Sport treiben zu können.
Ich ging länger walken. Nach zwei Hüftoperationen wurde mir abgeraten, zu joggen. Aber walken und Skifahren gehen mittlerweile wieder wunderbar. Ich habe wieder mehr Sport gemacht. Aber es gibt noch Luft nach oben.

 



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Kommentare

  • Dieter Widmer, 13.03.2019 07:33 Uhr
    Ruedi Matter wird in die Geschichte eingehen als wenig talentierter Direktor. Seine öffentlichen Auftritte waren mühsam, weil er rethorisch unbegabt ist. Ihm zuzuhören ist eine Qual. Bei wesentlichen Projekten hat er versagt. Seine widersprüchlichen Argumente beim Projekt Umzug Radiostudio Bern gehören zum Scheusslichsten, was ich je gehört habe. Wegen seiner Ignoranz könnte das grosse Umzugsprojekt sogar noch scheitern. Bald entscheiden die eidg. Räte über die Forderungen der Politik, auf das Umzugsprojekt zu verzichten, weil es sich nicht rechnet, im neuen Newroom in Zürich gar kein Platz für die Radioleute ist und über 1 Million Leute im Espace Mittelland vor den Kopf gestossen wurden.

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