23.09.2020

Aus wirtschaftlichen Gründen

NZZ entlässt Filmredaktor

Nach nur einem Jahr muss Kulturjournalist Lory Roebuck die Falkenstrasse auf Ende Dezember verlassen. Die NZZ-Medienstelle schreibt, man habe viel Expertise zu Film auf der Redaktion und werde die Stelle deshalb «intern nachbesetzen».
Aus wirtschaftlichen Gründen: NZZ entlässt Filmredaktor
«In der Medienbranche kann es heute, scheinbar, jeden jederzeit treffen», sagt Roebuck zu seiner unerwarteten Kündigung. (Bild: zVg)
von Loric Lehmann

Die Stelle von Lory Roebuck wurde am Mittwoch unter Einhaltung der Kündigungsfirst auf Ende Jahr gekündigt. «Aus wirtschaftlichen Gründen», wie Roebuck gegenüber persoenlich.com sagt.

Für den Familienvater kam die Kündigung aus heiterem Himmel: «Ich hatte nicht damit gerechnet. Aber: In der Medienbranche kann es heute, scheinbar, jeden jederzeit treffen. Das ist allen bewusst, das geistert also immer im Hinterkopf herum», so Roebuck.


Im Juli 2019 hat er gegenüber persoenlich.com noch gesagt, er und NZZ-Feuilleton-Chef René Scheu seien beide an einem Filmjournalismus interessiert, «der die zunehmend ändernden Sehgewohnheiten stärker berücksichtigt».

Von inhaltlichen Differenzen will er jedoch nichts wissen – Man habe sich im Team gut verstanden. «Die Zusammenarbeit war zu jeder Zeit angenehm und hat mich als Journalist weitergebracht. Besonders gefreut hat mich die Zusammenarbeit mit der NZZ-Live-Abteilung. Die Livediskussionen und Premierenmoderationen waren eine tolle Herausforderung.»

Besonders bitter: Am Donnerstag startet das Zurich Film Festival. «Eines der Highlights des Jahres für mich als Filmredaktor. Ich kann nicht leugnen, dass es dieses Jahr ein bittersüsses Erlebnis sein wird.»

Roebuck ist seit zehn Jahren Film- und Kulturredaktor. Was er jetzt mache? «Mich umschauen. Die Branche für Leute wie mich wird aber nicht unbedingt grösser.»

Stelle werde man intern «nachbesetzen»

Laut der NZZ-Sprecherin Seta Thakur sei die Kündigung im Rahmen der Sparmassnahmen, die Ende Juni bekannt wurden, vorgenommen worden. Dazu gehöre eben auch ein Stellenabbau von weniger als fünf Prozent, wie NZZ-CEO Felix Graf damals in einem persoenlich.com-Interview sagte. Zu einzelnen Personalien nehme man bei der NZZ aber grundsätzlich keine Stellung.

Der Filmjournalismus geniesse bei der NZZ eine hohe Bedeutung, «was für regelmässige Leserinnen und Leser unseres Feuilletons offensichtlich ist», so Thakur. In der Redaktion habe man viel Expertise zu Film und Serien und werde das Jobprofil deshalb intern nachbesetzen.



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Kommentare

  • Rudolf Penzinger, 23.09.2020 17:28 Uhr
    Gujers Präferenzen: In Berlin wird geheuert - in der Schweiz wird gefeuert.
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