09.10.2022

Teuerungsausgleich

Pekos der grossen Medienhäuser machen Druck

Letzte Woche hat der Branchenverband Impressum in einem Brief an 150 Medienhäuser eine Lohnerhöhung für Journalistinnen und Journalisten gefordert. Auch die Personalkommissionen von Tamedia, CH Media und Keystone-SDA sind bei den Chefs vorstellig geworden.
Teuerungsausgleich: Pekos der grossen Medienhäuser machen Druck
Hier werden vier Prozent Teuerungsausgleich gefordert: Die Mantelredaktion von CH Media in Aarau. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Zurzeit werden lauthals Lohnerhöhungen für Journalistinnen und Journalisten verlangt: Der Branchenverband Impressum hat letzte Woche 150 Medienhäuser in einem Brief adressiert (persoenlich.com berichtete). Für ihn ist 2023 der «Zeitpunkt für Lohnanpassungen gekommen». Im Schreiben heisst es: «Die Nichtgewährung des Teuerungsausgleiches würde für die Betroffenen faktisch einer Lohnkürzung gleichkommen», war darin zu lesen. Konkret fordert Impressum die Medienhäuser auf, den Ausgleich der Teuerung von 3 bis 3,5 Prozent zu gewähren.

Die Forderung von Impressum ist Wasser auf die Mühlen der Personalkommissionen der grossen Medienhäuser. Einige sind in den letzten Tagen bei den Unternehmensleitungen vorstellig geworden.

So haben die Tamedia-Geschäftsführer Marco Boselli und Andreas Schaffner am 4. Oktober ein solches Schreiben erhalten. Wie Impressum fordert die Personalvertretung darin, den Teuerungsausgleich von 3 bis 3,5 Prozent zu gewähren – auch im Hinblick auf den Produktionsgewinn durch den gerade veranlassten Stellenabbau. Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass Tamedia mehrere Entlassungen ausgesprochen hat (persoenlich.com berichtete).

Schon vor zwei Wochen hat sich die Personalkommission von Keystone-SDA in der Sache bei der Geschäftsleitung gemeldet. Im Schreiben wurden vollständiger Teuerungsausgleich sowie eine darüber hinausgehende Lohnperspektive für alle Angestellten gefordert. 88 Mitarbeitende haben den Brief unterzeichnet. 

Bei CH Media vier Prozent mehr Lohn gefordert

Auch die Unternehmensleitung von CH Media wurde letzte Woche mit einer konkreten Forderung von der Personalkommission kontaktiert. Mit Verweis darauf, dass in den letzten Jahren nie ein genereller Teuerungsausgleich entrichtet wurde, wird nun ein solcher von vier Prozent verlangt. Die Peko von CH Media hatte die Lohnerhöhungsforderung bereits im Sommer bei einem Besuch von CEO Axel Wüstmann an einer Peko-Sitzung thematisiert.

Auch die Peko der Neuen Zürcher Zeitung beschäftigt sich mit dem Thema Teuerung. Zu weiteren Details will sie jedoch keine Auskunft geben.

Auf einem Panel mit den CEOs von SRG, NZZ, CH Media, TX Group und Ringier in Luzern Mitte September hatte sich CH-Media-Verleger Peter Wanner konkret auf die Frage nach einer möglichen Lohnerhöhung für die Mitarbeitenden geäussert. «Ein Prozent kann ich mir gut vorstellen», sagte er dazu. TX-Group-Chef Pietro Supino verwies darauf, dass Lohnerhöhungen sowieso erst im nächsten Frühjahr diskutiert würden. Bei den restlichen war zum damaligen Zeitpunkt noch nichts entschieden.

Nun steigt der Druck auf die Chefetage der Medienhäuser, dazu Stellung zu beziehen. Impressum forderte die 150 angeschriebenen Medienhäuser im Schreiben auf, bis Ende November zu kommunizieren, in welcher Form sie der aktuellen Wirtschaftslage Rechnung tragen werden. Die Pekos erwarten wohl schon früher eine Reaktion auf ihre Briefe.


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KOMMENTARE

Thomas Baumann
10.10.2022 14:50 Uhr
Jammern, man solle chillen... Werter Petar, es wäre doch nett, wenn man zwischendurch auch bloss über die Sache diskutieren könnte, anstatt ungefragt immer irgendwelche psychologischen Ferndiagnosen und Verhaltenstipps zu erhalten. Aber danke für die Bemühungen. Ich kann das Vorgehen von Frau Widmer übrigens nachvollziehen (und in einem anderen Artikel auf persoenlich.com wurde er ja bereits früher auch korrigiert). Einen Fehler absichtlich zu reproduzieren muss sicher nicht sein. Dazu muss man nicht einmal die "Ethik" bemühen. Aber ich bin immer ein bisschen misstrauisch bei Leuten, die glauben, jeweils gleich mit dem Begriff Ethik argumentieren zu müssen... Ich werde den Verdacht nicht los, dass Ethik dann jeweils bloss der Knüppel ist, mit dem man auf andere einprügeln will. So wie ehedem die Kirche im Mittelalter mit ihrer Moral...
Michael Hug
10.10.2022 14:16 Uhr
Liebe alle Streithähne - impressum die Schweizer JournalistInnenen ist keine Gewerkschaft, sondern ein Berufsverband. Und noch was: Ja, wir haben keine KorrektorInnen. Wir vertrauen darauf, dass Ihr uns eine 1 für eine Null stehen lässt!
Petar Marjanović
10.10.2022 13:32 Uhr
Lieber Thomas Baumann, meine Tastatur hat einen Nummernblock, dort ist die 1 neben der 0. Bevor du mir also nächstes Mal ein «leicht problematisches Verständnis» meines Berufs vorwirfst, empfehle ich dir, eine Runde zu chillen. Zur Presseethik gehört es, offensichtliche Irrtümer korrigieren zu dürfen. Das hat Michèle Widmer richtig gemacht. Wenn man sich über den Fehler von Gewerkschaftsbürokrat:innen machen will, kann man das tun – aber eben: Impressum hat andere Probleme, über die man reden könnte.
Thomas Baumann
10.10.2022 12:52 Uhr
Werter Petar Richtig ist richtig - und falsch ist falsch. Und schlampig gearbeitet ist nun eben mal schlampig gearbeitet. Nicht gerade eine Visitenkarte für eine Gewerkschaft, die Journalisten vertritt. Und wenn ein Journalist Schlampigkeit verharmlost, offenbart er damit ein zumindest leicht problematisches Berufsverständnis und tut der Glaubwürdigkeit seines Berufsstandes sicher keinen Gefallen. Zudem war es ein Überlegungsfehler, kein Vertipper. Die Null befindet sich schliesslich am anderen Ende der Tastatur. So viel Recherche hätte schon sein müssen, werter Kollege. Oder auf was für einer Tastatur tippen Sie?
Petar Marjanović
10.10.2022 10:54 Uhr
Thomas Baumann, jammerst du gerade ernsthaft darüber, dass sich Impressum vertippt hat? Deine Probleme möchte ich haben.
Thomas Baumann
10.10.2022 09:15 Uhr
Forderte die Gewerkschaft Impressum die Medienhäuser auf, "bis Ende November" oder "bis am 31. November" Stellung zu beziehen? In der Medienmitteilung von Impressum steht jedenfalls: "bis am 31. November". Und so stand es auch in der ursprünglichen Version dieses Berichts. Es geht nicht an, diesen Fehler der Gewerkschaft einfach stillschweigend zu korrigieren. Wenn sich diese (Medien!-)Gewerkschaft lächerlich macht, dann darf das auch ersichtlich sein. Denn wer von einem 31. November schreibt, steigert damit nicht gerade seine Glaubwürdigkeit.
Thomas Baumann
10.10.2022 00:35 Uhr
Danke Frau Widmer, dass Sie die Verlautbarung der Gewerkschaft Impressum wortwörtlich so wiedergegeben haben, wie es Impressum formuliert hat. Impressum erwartet also eine Antwort bis am 31. November. Damit disqualifiziert sich diese Organisation als Medien-Gewerkschaft gleich selbst. Nein, 31. November war kein Verschreiber von persoenlich.com, das hat Impressum genau so geschrieben!
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