Zurzeit werden lauthals Lohnerhöhungen für Journalistinnen und Journalisten verlangt: Der Branchenverband Impressum hat letzte Woche 150 Medienhäuser in einem Brief adressiert (persoenlich.com berichtete). Für ihn ist 2023 der «Zeitpunkt für Lohnanpassungen gekommen». Im Schreiben heisst es: «Die Nichtgewährung des Teuerungsausgleiches würde für die Betroffenen faktisch einer Lohnkürzung gleichkommen», war darin zu lesen. Konkret fordert Impressum die Medienhäuser auf, den Ausgleich der Teuerung von 3 bis 3,5 Prozent zu gewähren.
Die Forderung von Impressum ist Wasser auf die Mühlen der Personalkommissionen der grossen Medienhäuser. Einige sind in den letzten Tagen bei den Unternehmensleitungen vorstellig geworden.
So haben die Tamedia-Geschäftsführer Marco Boselli und Andreas Schaffner am 4. Oktober ein solches Schreiben erhalten. Wie Impressum fordert die Personalvertretung darin, den Teuerungsausgleich von 3 bis 3,5 Prozent zu gewähren – auch im Hinblick auf den Produktionsgewinn durch den gerade veranlassten Stellenabbau. Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass Tamedia mehrere Entlassungen ausgesprochen hat (persoenlich.com berichtete).
Schon vor zwei Wochen hat sich die Personalkommission von Keystone-SDA in der Sache bei der Geschäftsleitung gemeldet. Im Schreiben wurden vollständiger Teuerungsausgleich sowie eine darüber hinausgehende Lohnperspektive für alle Angestellten gefordert. 88 Mitarbeitende haben den Brief unterzeichnet.
Bei CH Media vier Prozent mehr Lohn gefordert
Auch die Unternehmensleitung von CH Media wurde letzte Woche mit einer konkreten Forderung von der Personalkommission kontaktiert. Mit Verweis darauf, dass in den letzten Jahren nie ein genereller Teuerungsausgleich entrichtet wurde, wird nun ein solcher von vier Prozent verlangt. Die Peko von CH Media hatte die Lohnerhöhungsforderung bereits im Sommer bei einem Besuch von CEO Axel Wüstmann an einer Peko-Sitzung thematisiert.
Auch die Peko der Neuen Zürcher Zeitung beschäftigt sich mit dem Thema Teuerung. Zu weiteren Details will sie jedoch keine Auskunft geben.
Auf einem Panel mit den CEOs von SRG, NZZ, CH Media, TX Group und Ringier in Luzern Mitte September hatte sich CH-Media-Verleger Peter Wanner konkret auf die Frage nach einer möglichen Lohnerhöhung für die Mitarbeitenden geäussert. «Ein Prozent kann ich mir gut vorstellen», sagte er dazu. TX-Group-Chef Pietro Supino verwies darauf, dass Lohnerhöhungen sowieso erst im nächsten Frühjahr diskutiert würden. Bei den restlichen war zum damaligen Zeitpunkt noch nichts entschieden.
Nun steigt der Druck auf die Chefetage der Medienhäuser, dazu Stellung zu beziehen. Impressum forderte die 150 angeschriebenen Medienhäuser im Schreiben auf, bis Ende November zu kommunizieren, in welcher Form sie der aktuellen Wirtschaftslage Rechnung tragen werden. Die Pekos erwarten wohl schon früher eine Reaktion auf ihre Briefe.
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10.10.2022 14:50 Uhr
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