09.10.2018

Sparprogramm der SRG

Stellenabbau fällt tiefer aus als geplant

Statt 250 sollen nun 200 Stellen in den nächsten vier Jahren dem Sparkurs zum Opfer fallen. Angestrebt wird ein Abbau über natürliche Abgänge. Entlassungen sind aber nicht ausgeschlossen.
Sparprogramm der SRG: Stellenabbau fällt tiefer aus als geplant
Die SRG strebt einen Abbau über natürliche Abgänge ab. Entlassungen sind aber nicht ausgeschlossen. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Die Zahl von 250 abzubauenden Stellen konnte dank anderer Sparmassnahmen auf 200 reduziert werden, wie SRG-Sprecher Edi Estermann am Dienstag auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA erklärte. Dazu zählen die Reduktion der Immobilienfläche um ein Viertel, geringere Ausgaben für Technik und Distribution und tiefere Verwaltungskosten.

Der Abbau wird vorwiegend durch die Nichtbesetzung vakanter Stellen erfolgen. Am meisten Vollzeitstellen sparen muss SRF mit 47. Bei RSI sind es 43, bei RTS deren 41. Bei der Technik- und Produktionsgesellschaft TPC fallen 24 Stellen weg, 36 weitere bei der Generaldirektion. RTR und Swissinfo können ihre Sparvorgaben ohne Stellenabbau erreichen.

5 der 47 Vollzeitstellen bei SRF würden in der Unterhaltung wegfallen, berichtet der «Blick». In der Abteilung Kultur seien 4,3 Vollzeitstellen betroffen. Eine Vollzeitstelle werde in der Abteilung Chefredaktion TV gestrichen. Und weitere acht Vollzeitstellen fallen bei Finanzen/HR/Services zum Opfer. Vom Abbau nicht betroffen sind laut «Blick» die Abteilungen Sport und Online.

Laut der Zeitung hätten nun die Mitarbeitenden von SRG und TPC das Recht, bis am 16. November die Sparmassnahmen zu kommentieren und Vorschläge einzureichen, um den Stellenabbau zu reduzieren und Kündigungen zu vermeiden.

20 Millionen bei SRF

Schon nach der Ablehnung der No-Billag-Initiative im März hatte die SRG angekündigt, rund 100 Millionen Franken sparen zu wollen (persoenlich.com berichtete). Im Juni wurde bekannt, wo gespart werden soll: 20 Millionen Franken entfallen auf SRF, 15 Millionen auf RTS, 15 Millionen auf die Generaldirektion, 10 Millionen auf RSI, 1 Million auf RTR und 1 Million auf SWI Swissinfo.

Hinzu kommen übergeordnete Einsparungen – vor allem in den Bereichen Infrastruktur und Distribution. Diese belaufen sich auf 40 Millionen Franken. In allen Regionen sollen die Immobilienkosten deutlich sinken. 20 Millionen Franken will die SRG reinvestieren. Die Sparübung wird vom Verwaltungsrat der SRG mit der bundesrätlichen Plafonierung der Gebühreneinnahmen und rückläufigen Werbeeinnahmen begründet.

Hohe Wellen geworfen hat eine weitere Sparübung. Mitte September beschloss der Verwaltungsrat der SRG, den Grossteil der Radio-Informationsabteilung ab 2020 von Bern nach Zürich zu verlegen. Betroffen sind 170 Mitarbeitende von Infosendungen wie «Echo der Zeit» und «Rendez-vous». Mit der Massnahme sollen jährlich fünf Millionen Franken gespart werden.

Keine Kündigungen

Der angekündigte Abbau treffe den Arbeitsmarkt empfindlich, besonders im arg gebeutelten Medienbereich, hatte das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) nach der Ankündigung im Juni erklärt. Von Kündigungen sei abzusehen, forderte die Gewerkschaft.

Der Journalistenverband Impressum hatte sich bestürzt über den massiven angekündigten Abbau geäussert. Da die privaten Informationsmedien zum Sparen gezwungen seien, fordert Impressum, dass die demokratierelevanten journalistischen Informationsleistungen bei der SRG ausgebaut und die notwendigen Ressourcen beibehalten werden. (sda/cbe)



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