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"Bullshit"-Köppel

René Zeyer

In die aktuelle Ausgabe der "Weltwoche" hat sich ein Anhang des UBS-Geschäftsberichts verirrt. Kostensparend illustriert das offizielle Villiger-Grübel-Foto das Geschäume des ehemaligen Sport-Journalisten Roger Köppel gegen die beiden Wirtschaftsjournalisten Arthur Rutishauser und Lukas Hässig. "Hetze gegen die UBS" titelt das auf das Niveau einer Schülerzeitung heruntergeschriebene ehemalige Weltblatt "Weltwoche". "Bullshit" lässt Köppel einen anonymen UBS-Manager einer Argumentationskette von Hässig entgegnen. Das muss ein Original-Zitat sein, man erkennt es an der gepflegten Sprache, die Banker gerne verwenden. Es widerspiegelt auch das grossartige Argumentationsniveau, dessen sich Banker und Bankenbüttel Köppel gerne bedienen. Da Köppel immer auf den Mann spielt, wollen wir doch Folgendes klar stellen: Mit der Ausgabe "La crise n’existe pas", voll von Jubelartikeln im Stil von "UBS und CS wieder auf dem Vormarsch", die 2008 in der gleichen Woche erschien, als die UBS mit der grössten Staatshilfe aller Zeiten zum ersten Mal vor dem Bankrott gerettet werden musste, landete Köppel den grössten Flop der jüngeren Schweizer Pressegeschichte. Eigentlich müsste der Eigentümer eines solchen Blatts den Verleger beauftragen, den Chefredaktor nach einer solchen Entgleisung fristlos zu entlassen. Da Köppel aber alle drei Funktionen in Personalunion ausübt, blieb ihm dieses Schicksal erspart. Das hindert Köppel aber nicht daran, in Beratungsresistenz will er Bonibankern nicht nachstehen, immer wieder nachzulegen. So veröffentlichte er vor Kurzem ein Verteidigungspamphlet über wohlverdiente und massvolle Boni, als ihm die ekelerregenden Zusatzvergütungen von Brady Dougan und Co. um die Ohren flogen. Und nun schliesst sich Köppel der absurden, natürlich ebenfalls anonymen Behauptung von «damaligen Kadermitarbeitern» der UBS an, «die Zeitung (gemeint ist der "Sonntag") habe durch ihr Dauerfeuer die von ihr vorausgesagten Probleme geradezu herbeigeschrieben». Aber hallo, welch ein Kompliment für das muntere Sonntagsblatt aus dem Aargau, endlich haben wir den Schuldigen für die anhaltende Krise der UBS gefunden. Wahrscheinlich haben die Aktionäre an der GV der UBS auch unter dem hypnotischen Einfluss dieser Machtmaschine dem Vergütungsbericht für 2009 nur knapp zugestimmt und die Décharge für 2007 verweigert. "Arglistige Tricksereien im UBS-Journalismus" fantasiert Köppel herbei, er wundert sich scheinheilig, wie es der "Sonntag" fertigbrachte, "juristischen Klagen zu entgehen". Wer, wie ich, die gut bemannten und dotierten Rechtsabteilungen der Grossbanken kennt, die normalerweise auf alles schiessen, was ihnen vor die Flinte kommt, muss hier Peer Steinbrücks Urteil über Köppel zustimmen: "Der Mann ist nicht ganz dicht." Der Verzicht auf den Gang zum Gericht belegt ja gerade, dass an diesen Kritiken was dran ist. Aber nicht nur auf intellektuellem Gebiet ist die "Weltwoche" auf Sparkurs. Köppel, der Mann, der schneller schreibt, als er denkt, schenkt der Welt neue Wörter wie "Zeitwweit", was er damit wohl sagen will? Nun, eigentlich will er uns sagen: Ich habe zwar keine Ahnung, aber ich finde die UBS gut. Doch in einem Punkt hat er recht: "Es scheint so, als ob im Zuge der Finanzkrise nicht nur bei den Banken die Sicherungen durchbrannten", schreibt der Winkelried der Zockerbanker. Hoffen wir, dass man ihm neue reinschraubt.
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