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Es lebe das Quotentief!

Matthias Ackeret

Es ist einfach, Ruedi Matter, den neuen Radio- und Fernsehdirektor, zu bashen: Kurt W. Zimmermann und Peter Rothenbühler haben es vorgemacht. Der 57-jährige SRG-Mann macht es seinen Kritikern leicht: Während sein neuer Chef, Obama de Weck, schwerelos über das Wasser des Leutschenbachs ins neue Amt wandelt, stolpert Frontmann Matter von einem vermeintlichen Fettnäpfchen zum andern. Was man dabei gerne übersieht: Er hat sich mit dieser Strategie immer durchgesetzt. Zuerst fegt er seinen Rivalen Ueli Haldimann weg, dann grümpelt er die hauseigene Kommunikationsabteilung um, um sich – noch nicht einmal im Amt – mit dem medialen Monument schlechthin anzulegen: der «Arena». In einem «NZZ am Sonntag»-Interview verspricht Matter für das kommende Wahljahr, was es in Bundesbern längst nicht mehr gibt: Konkordanz. Nach den quotensüchtigen Deltenre- und Haldimann-Jahren scheint nun Ruhe auf den Bildschirmen angesagt. Im Visier: die SP und SVP. Wobei Matter vor allem die Zweitgenannte meint. Damit avanciert er endgültig zum mächtigsten Medienmann des Landes. Und so schaukelt schon bald – sofern es der neue Superdirektor wirklich will – die viel beschworene Mitte den Zuschauer in den Wochenendschlaf und die «Arena» ins Quotentief. Die späte Reinkarnation von «Tatsachen und Meinungen». Oder anders formuliert: «Wer nicht mehr auf die Quote stiert, lebt gänzlich ungeniert.» Die wirklichen Dramen, weiss auch Matter, finden eh ausserhalb statt: beispielsweise auf den Fluren Leutschenbachs. So übt der eigentlich zurückgetretene Vorgänger Haldimann seine Funktion immer noch mit preussischer Pflichterfüllung aus und plant ungeachtet aller Realitäten für die Zukunft des Senders. Ein Programm, zwei Chefs, zwei Philosophien – eigentlich ein Thema für eine Dokusoap. Doch für Matters Programmverständnis wohl zu kontrovers.
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