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Stabilität ist heute Erfolg

Jürg Bachmann

Letzte Woche veröffentlichte Mediapulse die Radio- und TV-Nutzungszahlen zu Corona-Zeiten. Während Radio etwas Reichweite einbüsste, steigerte es seine Nutzungszeit beziehungsweise Hördauer (persoenlich.com berichtete). Wer in Zeiten, wo alles zurückfährt, melden kann, dass sein Geschäft stabil ist, darf schon mal zufrieden sein. Stabilität ist heute Erfolg.

Die Zunahme der Hördauer zeigt, dass die Hörerinnen und Hörer ihrem Programm treu sind und nicht nur ihren Gewohnheiten. Das ist die zweite gute Botschaft. Radio ist eben nicht nur ein Begleitmedium, das man im Auto einschaltet, weil man es schon immer so gemacht hat. Radio ist ein Informations- und Unterhaltungsmedium, dem man verbunden bleibt, auch wenn sich der Tagesablauf ändert. Die Marke ist stärker als die Gewohnheit. Das zeigt die höhere Nutzungszeit. Der geringe Rückgang bei der Reichweite dürfte auf den Wegfall der Autopendler zurückzuführen sein und wird sich allmählich wieder einrenken.

Allerdings ist der Preis für dieses Ergebnis hoch. Denn die Privatradios sind wirtschaftlich in einer schwierigen Lage. Sie halten ihren Betrieb aufrecht und sind auch in anspruchsvollen Zeiten nah bei ihren Hörerinnen und Hörern. Auch der Service-public-Auftrag des Bundes erfordert das. Die normalen Betriebskosten der Privatradios stehen derzeit aber kaum Einnahmen gegenüber. Denn die Radiowerbung ist von einer Stunde auf die andere eingebrochen.

Das Gesuch an den Bundesrat für eine Soforthilfe aus der vorhandenen Gebührenabgabe ist vorerst gescheitert. Das hat die Privatradios schwer enttäuscht. Nun profitieren die Privatradios zwar vom Wirtschaftspaket des Bundesrates, was bei dieser Schere nicht weit reicht.

Privatradios leben von Werbung. Werbung hält sie am Leben. Jetzt, da die Radios mit den aktuellen Hörerzahlen zeigen, dass sie ihr Publikum weiterhin erreichen und sogar noch länger gehört werden, ist die richtige Zeit für Radiowerbung! Das gibt den Werbekunden Publikum und den Privatradios Sauerstoff.



Jürg Bachmann ist Präsident des Verbandes Schweizer Privatradios (VSP) und arbeitet auch für Goldbach.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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