22.12.2018

Persönlichkeiten 2018

«An Weihnachten werde ich in der Küche stehen»

2018 hat SRF wegen der No-Billag-Initiative um die Zukunft bangen müssen. Trotz Nein zur Vorlage folgte ein millionenschweres Sparpaket. SRF-Direktor Ruedi Matter spricht im elften und letzten Teil unserer Serie über Kündigungen, Kritik und seinen Kalender.
Persönlichkeiten 2018: «An Weihnachten werde ich in der Küche stehen»
«Zuallererst freue ich mich darauf, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen, die in den letzten Jahren zu kurz gekommen ist», sagt SRF-Direktor Ruedi Matter zu seiner Zeit nach der Pension. (Bild: SRF/Oscar Alessio, Grafik: Corinne Lüthi)
von Christian Beck

Herr Matter, als am 4. März kurz nach dem Mittag das Nein zu «No Billag» feststand: Was ging Ihnen in dem Moment durch den Kopf?
Erleichterung, Freude und Stolz. Stolz auf die Mitarbeitenden in unserem Haus, die auch in Zeiten eines heftigen Abstimmungskampfs ihren anspruchsvollen Job hervorragend gemacht haben. Und Freude über unser Publikum, unsere Nutzerinnen und Nutzer: Sie haben sich in diesem Plebiszit in einem nicht zu erwartenden Ausmass für den Erhalt eines unabhängigen Medienhauses ausgesprochen.

Hätten Sie ein Ja zur Initiative je für möglich gehalten?
Ja, es wäre ein kapitaler Fehler gewesen, diese Initiative zu unterschätzen. In den Wochen und Monaten vor der Abstimmung habe ich im ganzen Land viele Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen geführt. Dabei wurde deutlich, dass viele Leute zwar die eine oder andere Sendung kritisierten, sie jedoch weit davon entfernt waren, den öffentlichen Rundfunk in der Schweiz abschaffen zu wollen. Diese Gespräche machten mich zuversichtlich.

«Kündigungen beschäftigen mich immer sehr»

Infolge des Sparprogramms bei der SRG mussten Sie auch unpopuläre Entscheide fällen. Wie schwer fällt Ihnen das jeweils?
Meine Aufgabe hat viele schöne Seiten, aber auch andere: Es ist unvermeidlich, auch unpopuläre Entscheide zu fällen. Die SRG muss schnell und nachhaltig 100 Millionen Franken sparen. Auch wenn wir bei SRF einen substanziellen Teil davon über Immobilienprojekte umsetzen können, geht es nicht ohne Abstriche beim Programm, und damit verlieren auch Mitarbeitende ihre Stelle. Kündigungen beschäftigen mich immer sehr.

Was war für Sie neben «No Billag» das prägendste Ereignis im Medienjahr 2018?
Dass die Medienkonzentration sich in dieser kurzen Zeit nochmals dermassen verschärfte, damit hatte ich nicht gerechnet. Grossen Respekt vor den privaten Verlagen, sie befinden sich wirklich in einer schwierigen Situation.

Fernsehen wird laufend totgesagt. Trotzdem: Texte zu Themen rund um SRF werden bei persoenlich.com regelmässig gut gelesen. Wie erklären Sie sich das ungebrochene Interesse am Thema?
Meiner Ansicht nach ist die Erklärung ganz simpel: Fernsehen sorgt für Emotionen, Fernsehen bewegt die Menschen und ist bis heute immer wieder auch das Lagerfeuer der Nation. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass die Leute gerne Artikel über unsere Sendungen oder unsere Moderatorinnen und Moderatoren lesen.

«Kritik an Fernsehen und Radio gibt es ja, seit sie erfunden wurden»

Medien gehen manchmal mit SRF und den Programmen hart ins Gericht. Wie gehen Sie persönlich mit Kritik um?
Mal besser, mal schlechter. Aber nach ein paar Tagen ist sie vergessen. Kritik an Fernsehen und Radio gibt es ja, seit sie erfunden wurden. So lange in der Öffentlichkeit leidenschaftlich über unsere Inhalte gestritten wird, leben Radio und Fernsehen.

Bis Ihre Nachfolgerin Nathalie Wappler übernimmt, bleiben Sie am Ruder. Was haben Sie für die letzten Monate Ihrer Amtszeit als SRF-Direktor noch vor?
Ausgehen wird mir die Arbeit nicht, wir haben viele anspruchsvolle Projekte in Umsetzung: das Sparprogramm, die Fertigstellung des Newsroom-Gebäudes in Zürich oder den Umzug der Kulturabteilung nach Basel – zentrale Projekte in unserer laufenden digitalen Transformation. Diese Projekte und viele andere laufende Geschäfte will ich in Ruhe an Nathalie übergeben.

Wenn Sie – unabhängig von irgendwelchen Budgets – ein TV-Programm zusammenstellen könnten: Wie sähe das aus?
Unsere Budgets erlauben durchaus ein attraktives Programmangebot. Aber ich beneide immer wieder mal die Kollegen der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland um ihren riesigen finanziellen Spielraum. Wir würden sicher substanziell mehr Mittel in eigenproduzierte Fiktion stecken, in Serien wie «Wilder» und «Bestatter», die beim Publikum enorm beliebt sind.

«Radio und Online-News sind meine wichtigsten Informationsmedien»

Wie informieren Sie sich eigentlich über das Tagesgeschehen – nur per Radio und Fernsehen?
Da ich sehr viel unterwegs bin, sind Radio und Online-News meine wichtigsten Informationsmedien. Radio höre ich am Morgen und im Auto. Zeitungen lese ich noch am Wochenende auf Papier. Abends komme ich häufig spät nach Hause, versuche aber dann, einzelne unserer Sendungen noch zeitversetzt zu sehen.

Nächstes Jahr gehen Sie in Pension. Wie sehen Ihre Pläne für die Zeit danach aus?
Zuallererst freue ich mich darauf, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen, die in den letzten Jahren zu kurz gekommen ist. Die Vorstellung, gelegentlich einen ganzen Tag ohne Termine zu haben, ist zwar noch etwas seltsam, aber wird wohl voraussichtlich nicht allzu oft vorkommen. Ich will mich ja nicht komplett aus dem Arbeitsleben zurückziehen.

Weihnachten steht vor der Türe. Wie verbringen Sie die Festtage?
In der Familie und mit engen Freunden, gerne bei gutem Essen. Unter dem Jahr komme ich nur gelegentlich am Wochenende dazu, selber zu kochen. Aber an Weihnachten werde ich in der Küche stehen.



Ruedi Matter ist zu Gast bei Kurt Aeschbachers letzter Sendung. In «Aeschbacher» vom 30. Dezember (21.40 Uhr auf SRF 1) spricht der SRF-Direktor über sein künftiges Rentnerdasein.


In der Serie «Persönlichkeiten 2018» lassen wir Menschen, die 2018 von sich reden machten, nochmals zu Wort kommen. Weitere «Persönlichkeiten 2018» finden Sie hier.

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