10.07.2019

CH Media

«Die regionale Einfärbung ist unser Trumpf»

Die Zentralredaktion hat mit der Neulancierung der «Schweiz am Wochenende» ihre Arbeit aufgenommen. Super-Chefredaktor Patrik Müller über die Stimmung beim Personal, die diversen Sparmassnahmen, viele Splitausgaben – und Simonetta Sommaruga.
CH Media: «Die regionale Einfärbung ist unser Trumpf»
«Es ist schwierig, wenn der Chef jetzt sagt, es laufe alles gut», so Patrik Müller, Chefredaktor Zentralredaktion und «Schweiz am Wochenende» sowie stellvertretender Leiter Publizistik. (Bild: zVg.)
von Christian Beck

Herr Müller, seit Samstag erscheint die «Schweiz am Wochenende» auch in der Ost- und Zentralschweiz (persoenlich.com berichtete). Wie gut ist der Rollout gelungen?
Gemessen an den Rückmeldungen der neuen Leser aus der Ost- und Zentralschweiz kommt die Zeitung sehr gut an. Es war eine grosse Übung: Wir drucken neuerdings über 400‘000 Zeitungen mit zwei überregionalen Bünden und unterschiedlichen Regionalbünden und Frontseiten. Das klappte weitgehend pannenfrei.

Sie erwähnen die Rückmeldungen. Was für Feedbacks haben Sie erhalten?
Die Redaktion erreichten fast nur positive Feedbacks – vor allem auf einzelne Geschichten, aber auch auf das neue Layout. Es gefällt den bisherigen und den neuen Lesern. Das haben wir vielen kreativen Köpfen bei CH Media zu verdanken, insbesondere auch den Art Directoren Sven Gallinelli und Brigitte Gschwend sowie der Grafikagentur Bodara.

«Wir haben 29 Splitausgaben, wenn ich richtig gezählt habe»

Es gibt ja diverse Splitausgaben der «Schweiz am Wochenende». Haben Sie da überhaupt noch den Überblick?
Das ist in der Tat nicht einfach. Die Kunst besteht darin, Geschichten aus den Regionalressorts rechtzeitig zu bemerken, die für die gesamte Auflage interessant sind. Wir haben 29 Splitausgaben, wenn ich richtig gezählt habe – eine davon im Fürstentum Liechtenstein, da wir mit dem «Liechtensteiner Vaterland» kooperieren.

Und wie lange wird jede Region noch ihren eigenen Zeitungskopf mit regionalisiertem Inhalt bekommen? Oder anders gesagt: Hier gäbe es Sparpotenzial.
Die regionale Einfärbung ist unser Trumpf und unterscheidet uns im Wettbewerb am Wochenende insbesondere auch von den Sonntagszeitungen. Das wird so bleiben.

Fast still und leise – mit einem einzigen Satz im Editorial erwähnt – wurde das aufdatierte E-Paper vom Sonntag abgeschafft. War das eine Sparmassnahme?
Es ist eine Konzeptänderung: Wir möchten die Leser auf unseren Newsportalen haben. In der Zentral- und Ostschweiz gibt es Paid-Abo-Modelle. Gleichzeitig mit dem neuen Wochenend-Konzept haben wir auch die Arbeitsweise der Mantelressorts geändert, sie arbeiten nun alle konvergent in «LivingDocs», dem CMS der NZZ.

Apropos NZZ: Zeitgleich mit der letzten Ausgabe der «Zentralschweiz am Sonntag» verschickte die «NZZ am Sonntag» ein Probe-Exemplar. Wie fanden Sie die Marketingaktion?
Das war so abgesprochen, wir sind ja befreundete Häuser.

«Natürlich müssen Details noch justiert und nachgebessert werden»

Nicht nur die Ausgaben der «Schweiz am Wochenende» wurden einem Relaunch unterzogen, seit Montag erscheinen auch die übrigen Tageszeitungs-Ausgaben im neuen Layout. Wie gut hat die Umstellung geklappt? 
Ebenfalls reibungsfrei. Natürlich müssen Details noch justiert und nachgebessert werden. In der Region Basel ist die Änderung am auffälligsten, weil da der Zeitungskopf völlig neu daherkommt. Das dortige Team mit Chefredaktor Patrick Marcolli und auch der publizistische Leiter Pascal Hollenstein haben die Erstexemplare am Bahnhof Basel persönlich verteilt und erhielten viele Komplimente.

Mussten Sie für die Umstellung zusätzliches Personal aufbieten?
Nur unwesentlich. Die Übung war gut vorbereitet.

«bz Basel» und «bz Basellandschaftliche Zeitung» haben nicht nur einen neuen Zeitungskopf, sie erscheinen als gemeinsame Zeitung. Die Redaktionen bleiben getrennt. Wie lange noch?
Dass die beiden Kantone Baselland und Basel-Stadt durch eigene Ressorts abgedeckt werden, macht Sinn und soll so bleiben.

Ende Mai haben Sie die Leiter der Zentralredaktion bekanntgegeben, Anfang Juli nahm das Team in dieser Konstellation die Arbeit auf. Wie läufts?
Es ist schwierig, wenn der Chef jetzt sagt, es laufe alles gut … da müssten Sie die Redaktorinnen und Redaktoren fragen. Aber ich habe schon den Eindruck, dass wir jetzt mit vereinten Kräften an einem Standort mehr journalistische Schlagkraft haben und man das unseren Zeitungen und Newsportalen auch ansieht. Wir haben mehr Primeurs und Recherchen.

Und was kann noch verbessert werden?
Vieles! Nach der Layoutumstellung müssen wir nun auch im Digitalen einen Schritt vorwärts machen. Wir möchten zum Beispiel im Datenjournalismus zulegen.

Nur ein Drittel der 45-köpfigen Zentralredaktion kommt vom «St. Galler Tagblatt» und von der «Luzerner Zeitung». Es müssten zwei Drittel sein …
Diese Rechnung stimmt so nicht, denn es handelt sich um ein 50:50-Joint-Venture. Wir hätten gern mehr Kolleginnen und Kollegen aus der Ost- und Zentralschweiz in der Zentralredaktion gehabt, aber die geografischen Distanzen sind zum Pendeln für viele zu weit. Die 14 neuen Mitarbeitenden aus diesen Regionen sind top und eine grosse Bereicherung. Man spürte das bereits in den ersten Ausgaben – schauen Sie sich nur die aktuelle «Schweiz am Wochenende» an.

«Ich traf auf viele gut gelaunte und fröhliche Kolleginnen und Kollegen»

Man hört, dass in der Ost- und Zentralschweiz die Stimmung nicht gerade so toll sein soll. Wie halten Sie die Mitarbeitenden bei Laune?
Wie die Stimmung ist, müssten Sie vor Ort eruieren, da masse ich mir aus der Zentralredaktion kein Urteil an. Wenn ich dort bin, habe ich einen positiven Eindruck. Wir hatten zudem einen gemeinsamen Mitarbeiteranlass in Zürich, und da traf ich auf viele gut gelaunte und fröhliche Kolleginnen und Kollegen. Dass die vielen Änderungen und auch der Spardruck nicht einfach sind, ist aber klar, unabhängig vom Standort.

Ab 2020 harmonisiert CH Media die Mitarbeiterreglemente. Abstriche machen müssen jene, die früher bei den NZZ-Regionalmedien gearbeitet haben. Das sorgt auch nicht gerade für ein gutes Arbeitsklima.
Fusionen in Zeiten des Kostendrucks haben es an sich, dass sich bei Harmonisierungen nicht die grosszügigsten Varianten durchsetzen. Das ist natürlich für die Kolleginnen und Kollegen der ehemaligen NZZ-Regionalmedien bedauerlich und hat auch für gewisse Irritationen gesorgt. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass dadurch das Arbeitsklima insgesamt belastet wird.

Themawechsel: Das Swiss Media Forum, welches Sie initiiert haben, fällt in diesem Jahr aus – respektive wird auf Frühjahr 2020 verschoben. Warum passt der Event besser in den Frühling als in den Herbst?
Unsere Teilnehmerumfrage zeigte, dass der Frühlingstermin beliebter ist. Ausserdem ist das KKL Luzern wegen des Lucerne Festivals im Herbst nur an wenigen Tagen überhaupt verfügbar.

Mit was für Neuerungen darf gerechnet werden – ausser dem neuen Datum?
Wir arbeiten daran! Was ich schon verraten kann: Es gibt neu nebst dem Hauptanlass in Luzern sporadisch kleinere Anlässe, so genannte «SwissMediaForum Pop-up». Ein erstes wird im Oktober in Bern stattfinden. Mit einem ganz speziellen Gast: Der neuen Medienministerin Simonetta Sommaruga.

 



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