25.08.2020

SwissRadioDay 2020

«Perfekter Ersatzreifen für solchen Notfall»

Am Donnerstag trifft sich die Radiobranche – wegen der Coronakrise zum ersten Mal digital. Statt im Zürcher Kaufleuten wird der SwissRadioDay in kompakter Form live aus einem TV-Studio übertragen. Organisator Darryl von Däniken sieht darin aber nicht nur Vorteile.
SwissRadioDay 2020: «Perfekter Ersatzreifen für solchen Notfall»
«Die diesjährige digitale SwissRadioDay-Ausgabe wird halten, was sie verspricht», sagt SwissRadioDay-Organisator Darryl von Däniken. Im Hintergrund: das SwissRadioDay-Dekor im Teleclub-Studio. (Bilder: zVg.)
von Christian Beck

Herr von Däniken*, der erste digitale SwissRadioDay steht vor der Tür. Kommt es gut?
Absolut, so weit, so gut. Wir arbeiten mit Hochdruck an den letzten Details, und dank unseres erstaunlichen Support-Teams bleiben wir innerhalb unserer Komfortzone.

Der Radio-Branchenanlass dauert nun nicht mehr den ganzen Tag, sondern nur noch 70 Minuten. Gibt es nicht mehr zu sagen?
Es geht nicht um Quantität, sondern um Qualität – und darum, die Stärken des gewählten Leitmediums zu nutzen: in diesem Fall die Stärken von Online. Einer der immensen Vorteile, die uns das digitale Zeitalter gebracht hat, ist der schnelle und unkomplizierte Zugang zu Informationen. Deshalb wird die diesjährige «SwissRadioDay Digital Edition» kein gesellschaftliches Ereignis nachahmen, wie wir es gewohnt sind, sondern stattdessen die Inhalte auf das absolute Maximum reduzieren – mit einem «Human Touch» und dem, was digital am besten funktioniert.

Wäre es kontraproduktiv gewesen, wenn der digitale Event länger dauern würde?
Ja, ganz sicher. Die digitale Welt hat wenig Bezug zu unserem analogen Verhalten. Diese beiden Welten koexistieren zwar nebeneinander, werden aber allzu oft auf eine Art und Weise zusammengeführt, die einfach «unmenschlich» ist. Die Vorstellung, dass Menschen sechs Stunden lang ohne Ablenkung in einer Onlinekonferenz sitzen sollen, ist utopisch und könnte die gewollte Wirkung schwer erschaffen.

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Am Donnerstag um 9.30 Uhr geht es los – die Übertragung ist live. Von wo senden Sie?
Wir werden live aus den Teleclub-Studios von Swisscom senden, wo die Zuschauer von unserer vertrauten Moderatorin Maria-Victoria Haas begrüsst werden. Wir haben eng mit unseren geschätzten Gastrednern zusammengearbeitet. Angesichts dieser herausfordernden Zeiten schätzen wir es sehr, dass wir die Möglichkeit erhalten haben, unsere jährliche Präsenz dieses Jahr als Onlineveranstaltung aufrechtzuerhalten. Es wird dies die 21. Ausgabe des SwissRadioDay sein – das an sich ist also auch ein Anlass zum Feiern.

Eingespielt werden vorproduzierte Beiträge. Warum machen Sie nicht alles live?
Wir haben sorgfältig darüber nachgedacht und sind zum Schluss gekommen, dass unsere Gastredner ihr Wissen auf der Bühne standhafter mit einem Live-Publikum teilen, als vor einer Kamera zu stehen und ihre Ansichten in einer kurzen, kompakten Form zu präsentieren, die in unser digitales Format passt. Ihr Feedback zu unseren Vorproduktions-Parametern und unserem Coaching war sehr willkommen, da es ihnen die Möglichkeit bot, ihre Botschaft ohne jeglichen Online-Live-Zeitdruck «richtig» zu formulieren und – was ebenso wichtig ist – unsere vorgegebenen Richtzeiten einzuhalten. Es stellte auch sicher, dass wir nicht Opfer von schwachen WiFi-Signalen oder Internetverbindungen werden würden – etwas, was uns das digitale Zeitalter immer noch nicht garantieren kann.

«Ich werde die Katze nicht aus dem Sack lassen»

Und was für vorproduzierten Content können die Teilnehmer erwarten?
Ich werde die Katze nicht aus dem Sack lassen. Aber was ich sagen kann, ist, dass wir versucht haben, es so weit wie möglich zu mischen: mit einer Reihe verschiedener Formate, von denen einige auch zusätzliche Inhalte enthalten, die wir – zusammen mit dem ganzen Programm – auf unserem YouTube-Kanal veröffentlichen werden, nachdem der SwissRadioDay 2020 vorüber ist. Sie werden teilnehmen müssen, um das Erlebnis in vollen Zügen geniessen zu können.

Fehlen wird aber das Live-Publikum. Letztes Jahr trafen sich über 400 Teilnehmer im Zürcher Kaufleuten (persoenlich.com berichtete). Bedauern Sie, dass der Austausch fehlen wird?
Ja, natürlich, und aus unserer engen Beziehung zu Partnern und früheren Teilnehmern haben wir eine klare Botschaft erhalten: dass die SwissRadioDay-Veranstaltung im Kaufleuten für den persönlichen Kontakt und die Möglichkeit zum Networking hoch geschätzt wird und die Möglichkeit bietet, unsere sozialen Kompetenzen optimal zu nutzen. Digital ist weit davon entfernt, dies zu ersetzen.

Wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer haben sich bis jetzt bereits angemeldet?
Interessanterweise ist die bisherige Zahl an Registrierungen im Vergleich zu früheren Ausgaben nicht allzu unähnlich, und unsere Registrierung wird bis zum Ende der digitalen Ausgabe am 27. August offenbleiben.

Viele andere Events haben gleich ganz abgesagt, wie zum Beispiel auch die Radio Night, die jeweils am Vorabend stattfinden würde. Warum haben Sie sich dennoch für eine digitale Austragung entschieden?
Es ist schade, dass die Radio Night dieses Jahr nicht stattfindet, aber wir freuen uns alle darauf, nächstes Jahr wieder dabei zu sein. Es besteht kein Zweifel, dass alle geschäftlichen Veranstaltungen rund um den Globus einige intensive Evaluierungen durchlaufen haben, ob sie verschoben, abgesagt oder digitalisiert werden sollen. Als in unserem Fall zu Beginn des Jahres klar wurde, dass Covid-19 uns daran hindern würde, die übliche Veranstaltung im Kaufleuten zu garantieren, haben wir unsere Partner und Schlüsselpersonen der Branche befragt, ob wir die Veranstaltung auf nächstes Jahr verschieben sollten. Das Feedback war eindeutig: Es wurde noch immer eine jährliche Plattform und ein jährlicher Schwerpunkt gewünscht, von dem aus die Schweizer Radiobranche als Ganzes upgedatet und weiter vereint werden kann.

«Eine digitale Ausgabe erfordert einen völlig anderen Ansatz»

Welches waren bis jetzt die grössten Stolpersteine?
Letztlich sind es unsere Gastredner, die das Hauptinteresse der Teilnehmer auf sich ziehen, und ihnen persönlich zuzuhören, ist eine ganz andere Erfahrung als online zu sprechen. Wie bereits erwähnt, sind die Redner in der Regel daran gewöhnt, auf der Bühne zu erscheinen, mehr Zeit für die Erläuterung ihrer Standpunkte zu haben und Requisiten wie Projektionsflächen zu nutzen. Fragen und Antworten des Publikums, einschliesslich der Zustimmung – oder Ablehnung – des Publikums, fügen ihrer Präsentation eine weitere Dimension hinzu. Sie sind auch gut gelaunt, da sie die Gelegenheit erhalten, sich mit anderen Rednern und Teilnehmern zu vernetzen. Eine digitale Ausgabe kann diese Punkte nicht erfüllen und erfordert daher einen völlig anderen Ansatz.

Der da wäre?
Man muss viele verschiedene Aspekte berücksichtigen, einschliesslich der Tatsache, dass Gastredner jetzt vor einem Publikum auftreten, das höchstwahrscheinlich vollständig im Homeoffice und nicht in der üblichen Büroumgebung arbeitet. Auch fühlen sich nicht alle Redner unbedingt vor der Kamera wohl, noch kennen sie sich in der Produktion von Heimvideos vollständig aus. Man könnte dies «Stolpersteine» nennen, aber richtig umgesetzt können sie in Gelegenheiten verwandelt werden. Wir haben dies erreicht, indem wir ausführlich mit unseren Gastrednern gesprochen und sie bei Bedarf gecoacht haben, wie wir unsere gemeinsamen Ziele erreichen und wie wir ihre Botschaft am besten in unserem Kurzmitteilungsformat vermitteln können. Und alle Beteiligten scheinen mit den Ergebnissen sehr zufrieden zu sein.

«Digital hat wenig mit unserer analogen Lebensweise gemein»

Was sind die Vorteile einer digitalen Edition?
In einer Situation wie diesen, hoffentlich vorübergehenden Corona-Zeiten, stellt eine digitale Ausgabe den perfekten «Ersatzreifen» für einen solchen Notfall dar. Aber als langfristige Lösung kann ich nur auf das zurückkommen, was ich vorhin gesagt habe: dass digital wenig mit unserer analogen Lebensweise gemein hat. Die Digitaltechnik sollte uns helfen, das Leben leichter zu machen, aber sie wird nichts an unserem grundlegenden Bedürfnis und Wunsch ändern, uns gesellschaftlich zu engagieren – insbesondere im Geschäftsleben.

Gibt es weitere Nachteile – nebst dem fehlenden Austausch?
Nun, es ist genau der soziale Austausch, auf und abseits der Bühne, den eine digitale Ausgabe nicht ersetzen kann. Der jetzige Nachteil ist also, dass wir noch keinen Impfstoff gefunden haben.

Offenbar haben Sie Vorbildcharakter: Eventveranstalter aus dem Ausland sollen sich bei Ihnen erkundigt haben. Was wollten sie wissen?
Ja, über unser Sprechernetzwerk haben eine Reihe anderer Veranstalter von unseren Plänen erfahren und sich für unseren Ansatz interessiert, die digitale Ausgabe so kurz und auf den Punkt gebracht wie möglich zu halten. Sie wollten von unseren Erfahrungen hören und davon, wie wir mit unseren Gastrednern zusammengearbeitet haben, um die erforderlichen Inhalte zu erstellen. Dieser Austausch hat uns in unserer Entscheidung bestärkt, diesen Ansatz überhaupt gewählt zu haben.

Aber wirklich Erfahrung haben Sie ja auch noch nicht …
Sie haben Recht. Unter dem Strich ist es für alle Neuland und deshalb noch mehr wert, erkundet zu werden – denn wir wissen nie, wann wir diesen «Ersatzreifen» wieder einsetzen müssen.

Wenn der digitale SwissRadioDay gut ankommt: Wird auch die Ausgabe 2021 digital?
Persönlich glaube ich das nicht. Die diesjährige digitale SwissRadioDay-Ausgabe wird halten, was sie verspricht: nämlich kurzfristig Fakten zu liefern. Und dies hat derzeit keinen Einfluss auf unseren langfristigen Schwerpunkt, auf die Arbeit am «neuen Normal» und darauf, dass der SwissRadioDay wieder in der Realität im Zürcher Kaufleuten stattfindet.



* Darryl von Däniken organisiert den
SwissRadioDay seit 2014 im Auftrag der SRG, dem Verband Schweizer Privatradios (VSP) und Radios Régionales Romandes (RRR). 2010 rief er das International Radio Festival ins Leben. 2019 gründete von Däniken BrandAudio, eine der ersten globalen Produktionsfirmen für gebrandete Podcasts.



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